KI im Unternehmen nutzen: Warum es zuerst eine Frage der Haltung ist
Natürlich steht KI bei dir als Geschäftsführer oder Führungskraft längst auf der Agenda. Auf Social Media siehst du, wie manche damit enorm an Produktivität gewinnen. Vielleicht nutzt du KI selbst schon intensiv, genau wie einzelne Leute in deinem Team. Andere nutzen sie kaum, zumindest viel zu wenig für deinen Geschmack. In dieser Folge vom Podcast Wirksam führen gehen Arne und Jörg der Frage nach, woran das liegt. Ist KI im Unternehmen nutzen ein reines Kompetenzthema? Oder hat es mit Persönlichkeit, Einstellung und Haltung zu tun?
Jörg beschreibt, wie unterschiedlich die Reaktionen sind. Für die einen ist KI ein Segen, sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Für die anderen fühlt sie sich wie ein Fluch an. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, und haben das Gefühl, alle anderen sind schneller. Dazu kommt die Frage, die viele umtreibt: Braucht man mich überhaupt noch? Das gilt für Mitarbeitende genauso wie für Führungskräfte. In dem Thema steckt viel Emotion, vor allem weil niemand weiß, wohin die Reise geht. Wie KI die Führungsrolle selbst verändert, besprechen die beiden in der Folge über Künstliche Intelligenz und Führung.
Pioniere, Early Adopter und Nachzügler
Sicher ist für Arne nur eines: KI ist ein Trend, und jeder Trend verläuft in Stufen. Zuerst kommen die Pioniere, oft Softwareentwickler und Ingenieure, die schon vor ChatGPT mit Machine Learning gearbeitet haben. Dann folgen die Early Adopter, die sofort experimentiert haben und KI nicht nur als Google-Ersatz nutzen. Arne selbst macht am Computer kaum noch etwas ohne KI. Er programmiert damit Webseiten und Software, recherchiert, erstellt Content und nutzt sie im Vertrieb.
Anders als beim Internet, bei dem manche lange hofften, der Trend gehe wieder vorbei, ist die Akzeptanz bei KI da. Das Problem liegt woanders. Viele Menschen fühlen sich überfordert, überhaupt einzuschätzen, was damit möglich ist. Wer noch keine Erfahrung gesammelt hat, für den ist das Potenzial schlicht klein. Arne bringt es auf den Punkt: Sie haben das Potenzial noch nicht erfahren, im wahrsten Sinne des Wortes.
Chance oder lästige neue Pflicht
Damit landen die beiden beim spannendsten Feld. Mit welcher Haltung blickst du auf KI? Ist sie für dich eine Chance? Oder eine lästige neue Technologie, die du lernen musst, auf die du keine Lust hast und von der du dich überfordert fühlst?
Jörg hört oft den Einwand, die KI habe ja nicht immer recht und mache Fehler. Seine Gegenfrage: Was gibst du denn ein? Je unkonkreter der Auftrag, desto unkonkreter das Ergebnis. Dazu kommt, dass es kein Buch gibt, nach dem du einfach Bescheid weißt. Die Modelle verändern sich fast wöchentlich. Lernen funktioniert durch Ausprobieren und durch Gespräche mit anderen. Jörgs Haltung dazu: Investiere eine halbe Stunde oder zwei Stunden. Vielleicht bringt es dich nicht sofort weiter, aber du verstehst danach besser, was geht und was nicht. Wer so ausprobiert, braucht eine Fehlerkultur, in der Versuche erlaubt sind.
KI multipliziert unternehmerisches Denken
Für Arne ist dieser Drang zum Experimentieren eher ein Mindset-Thema als eine Kompetenz. Und das kann jeder Mensch jederzeit entwickeln, unabhängig vom Alter. Seine Hypothese: KI multipliziert unternehmerisches Denken. Unternehmer sind deshalb oft Feuer und Flamme, weil sie Risiken selbst beurteilen dürfen und Skin in the Game haben. Wie du dieses Denken im Team stärkst, hörst du in der Folge Unternehmerisches Denken fördern.
Angestellte in großen Unternehmen haben es schwerer. Ihnen wird von Anfang an vermittelt, was sie alles nicht dürfen, oft aus guten Gründen. Kundendaten einfach hochzuladen und auswerten zu lassen, geht nicht. Jörg ergänzt, dass Konzerne sehr unterschiedlich ticken. IT-nahe Unternehmen fördern KI aktiv und erwarten, dass ihre Leute sie nutzen. Andernorts fühlen sich Anwender eingeengt. Welche Geschwindigkeit möglich ist, wenn Unternehmer frei experimentieren, zeigt die Sonderfolge über humanoide Roboter und KI in China.
In Chancen denken statt in Risiken
Als Führungskraft musst du selbst beurteilen, wie groß dein Entscheidungsspielraum ist. Das kann dir niemand abnehmen. Arne will niemanden zu unnötigen Risiken anstiften. Ihm ist aber wichtig, dass du dir Klarheit verschaffst und eher in Chancen als in Risiken denkst. Sonst verhinderst du das Ausprobieren und damit die Kompetenzentwicklung.
Er beobachtet zwei Arten von Mitarbeitenden. Die einen gehen intuitiv und gerne mit KI um. Die anderen nutzen sie widerwillig und haben interessante Rechtfertigungsgeschichten, etwa dass die KI ja noch Fehler macht. Solche Erklärungen erinnern an Muster, die die beiden in der Folge über Opferkultur im Unternehmen beschreiben. Technologie hat historisch mehr Jobs geschaffen als vernichtet. Aber es waren nie dieselben Menschen. Wie viele Kutscher wurden Taxifahrer? Wie viele Sachbearbeiter werden Menschen, die KI-Agenten aufsetzen und steuern? Arnes Vermutung: vor allem die mit Offenheit und kindlicher Neugier.
Niemand ist vor der Veränderung sicher
Jörg kann sich keinen Bereich vorstellen, der nicht betroffen ist. Früher galten hochqualifizierte Jobs als sicher. Heute trifft es auch Anwälte, Steuerberater und Radiologen. Arne ergänzt eine These aus einem Hörbuch von Naval Ravikant. Es gibt drei Hebel für unternehmerisches Potenzial: Kapital, Medienreichweite und Software. Reichweite ist heute demokratisiert, weil Algorithmen Inhalte nach Interesse ausspielen. Und Software kann dank Vibe Coding fast jeder bauen, für ein paar Euro an Tokens und ein paar Nächte Zeit.
Die Selektion verläuft deshalb nicht mehr zwischen niedrig und hoch qualifiziert. Auch Management-Jobs werden betroffen sein. Verschont bleiben die, die das Spiel mitspielen. Sie nutzen KI kreativ, erkennen Potenziale und hebeln damit ihren eigenen Beruf. So werden sie nicht ersetzt, sondern noch relevanter. Das setzt Eigenverantwortung im Team voraus.
Jobangst im Team: Was du tun kannst
Warum haben Menschen Angst vor KI? Weil sie viel verändern wird, und diese Angst ist ein Stück weit berechtigt. Jörg sagt deutlich: Als Führungskraft kannst du niemandem garantieren, dass er seinen Job in zehn Jahren noch hat. Du weißt es nicht einmal für dich selbst. Du kannst die Angst nicht wegnehmen. Was du tun kannst: zuversichtlich vorangehen. Ich weiß nicht, was passieren wird, aber lass es uns ausprobieren und schauen, was wir daraus gestalten.
Arne betont, dass das nicht blauäugig gemeint ist. Du kannst kritisch über die Folgen von KI für Gehirn und Gesellschaft nachdenken und sie trotzdem im Beruf intensiv nutzen. Eigene Erfahrung ist die beste Schulung für dein Urteilsvermögen. Konkret hilft es, den Begeisterten in deinem Team eine Bühne zu geben. Lass sie zeigen, was sie machen. Bring sie mit den Skeptikern zusammen und ermögliche Wow-Momente, damit die Hemmschwelle sinkt. Überleg dir eine Absicht dahinter: Worauf zahlt es ein, wenn alle mehr Verständnis von KI haben? Wie du so die Produktivität im Team steigern kannst, hörst du in einer früheren Folge.
KI-Nutzung nicht verstecken
Ein weiterer Punkt: Niemand sollte verstecken müssen, dass eine Auswertung mit KI entstanden ist. Feiere es lieber, wenn jemand KI sinnvoll angewendet hat. Arne erinnert daran, dass KI-Nutzung vor zwei Jahren noch verpönt war. Manche Führungskräfte wollen bis heute, dass ihre Leute die Excel-Auswertung selbst machen, auch wenn es zehnmal so lange dauert. An der Speerspitze ist die Erwartung längst gekippt. Dort fragt man eher, warum jemand eine Auswertung von Hand macht. Lass sie von der KI erstellen, von einem zweiten Modell gegenprüfen und prüfe selbst stichprobenartig auf Plausibilität. Wie sich solche Erwartungen im ganzen Unternehmen verändern lassen, zeigt die Folge über Führungskultur.
Jörg sieht es genauso. Er hält sich in Excel für ziemlich fit, aber die KI ist besser, schneller und liefert Blickwinkel, die er vorher nicht kannte. Ein Problem hat er damit nicht.
Urteilskraft wird zur Schlüsselkompetenz
Was muss also in Unternehmen entwickelt werden? Arne nennt Urteilskraft. Es braucht Menschen, die auf das Ergebnis schauen, es beurteilen, hinterfragen und verbessern, auch wenn sie nicht so gut sind wie die KI. Wir werden eher Kontrollinstanz und Auftraggeber von KI-Systemen sein, als mit ihnen beim Erstellen von Tabellen, Artikeln oder Code zu konkurrieren. Jörg ergänzt eine Problemlösungsneugier: Herausforderungen anzugehen, die richtigen Fragen zu stellen und mehrere Lösungswege zu verfolgen.
Die innere Haltung entwickeln
Unternehmerischer zu denken, folgt keinem Skript. Es findet auf der Ebene der Haltung statt. Welche Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen hast du? Springt bei dir als Erstes der Risikovermeidungsmodus an oder die Chancensuche? Das hängt mit Schlussfolgerungen aus früheren Erfahrungen zusammen, die oft gar nicht so wahr sind. Wie Haltung im Alltag wirkt, hörst du in der Folge Haltung statt Vorsätze. Mehr zu Konzept und Methoden findest du im Beitrag über Führungskräfteentwicklung.
MINDSET MOVERS gibt keine Trainings, wie man mit Claude Systeme baut. Arne und Jörg arbeiten mit Führungsteams und Mitarbeitenden an einer funktionalen, zukunftsorientierten Haltung, einem Future Ready Mindset für den Umgang mit KI. Wie so ein Programm für ein ganzes Team entsteht, erklärt die Folge über Leadership Inhouse Training. Wenn das ein Thema für euer Unternehmen ist, schau dir die Inhouse-Trainings für Führungsteams an.

