Unternehmerisches Denken fördern: Kann man Unternehmertum lernen?
Viele glauben, unternehmerisches Denken habe man oder habe man nicht. Entweder du trägst das Unternehmergen von Geburt an in dir, oder du kannst es vergessen. Arne sieht das anders. Seine These in dieser Folge ist klar. Natürlich kann man unternehmerisches Denken lernen und fördern. Alle, die heute Unternehmer sind, haben es auch irgendwie gelernt. Und alle, die in einem Familienunternehmen die Nachfolge antreten, mussten es ebenfalls lernen.
Für viele Unternehmen ist das eine ganz praktische Frage. Wer wachsen will, braucht immer mehr Menschen, die unternehmerisch denken und handeln. Und wer sein Unternehmen an die nächste Generation oder an Nachfolger übergeben will, braucht genau diese Haltung bei den Menschen, die übernehmen sollen. Deshalb passiert es ständig, dass Menschen Unternehmertum lernen.
Wie das gelingt und woran du unternehmerisches Denken überhaupt erkennst, zeigt Arne in dieser Folge vom Podcast Wirksam führen an einer ganzen Reihe von Geschichten.
Was ist unternehmerisches Denken?
Bevor es ums Lernen geht, lohnt sich die Frage, was mit unternehmerischem Denken eigentlich gemeint ist. Häufig wird damit verbunden, dass Menschen Probleme auf geniale und ressourcenschonende Weise lösen. Für Arne steckt darin viel Wahrheit. Der Volksmund sagt ja schon, Not macht erfinderisch. Dieser Erfindergeist ist für ihn ganz oft ein Ausdruck von unternehmerischem Denken.
Diese Haltung können Führungskräfte, Mitgesellschafter und Mitarbeitende gleichermaßen zeigen. Wie sehr das mit Verantwortung im Alltag zusammenhängt, besprechen Arne und Jörg auch in der Folge über Eigenverantwortung im Team.
Arne erzählt eine Geschichte, die man sich über Henry Ford erzählt. Als er in einer seiner ersten Fabriken die Fließbandproduktion für Automobile eingeführt hatte, soll er ein Team von Mechanikern bezahlt haben, und zwar nur dann, wenn die in einem Raum saßen und nichts taten. Ihr Job war es, aufzuspringen, sobald die Bänder wegen eines Fehlers stillstanden, den Fehler so schnell wie möglich zu finden und zu reparieren. Bezahlt wurden sie erst wieder, wenn sie saßen.
Damit waren die Mechaniker auf zwei Dinge ausgerichtet. Sie sollten die Bänder, die Reparaturen und die Wartung so gestalten, dass möglichst selten Stillstand auftritt. Und wenn es doch einmal passierte, sollten sie ihn möglichst schnell beheben. In der heutigen Arbeitswelt würde man das so wahrscheinlich nicht mehr gestalten. Die Idee dahinter funktioniert aber bis heute.
Ein zweites Beispiel hat Arne von jemandem gehört. Du willst als Unternehmer im Ausland eine Niederlassung aufmachen. Naheliegend ist, nach dem bestqualifizierten Mitarbeiter für diesen Job zu suchen. Man könnte aber auch schauen, wer das umsetzen kann und vielleicht ohnehin mit dem Gedanken spielt zu kündigen, weil er gerne ins Ausland wechseln möchte.
Dann schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe. Für Arne ist genau das unternehmerisches Denken, wenn eine Win Win Situation für das Unternehmen und für einen Mitarbeiter entsteht und damit gleich zwei Probleme gelöst sind. So ein Gespräch will allerdings gut geführt sein. Wer vorher ausprobieren möchte, wie man einem Mitarbeiter so eine Chance anbietet, kann das Gespräch üben.
Geschäftsmodelle kreativ neu denken
Ein anderer Ausdruck von Unternehmertum ist für Arne, Geschäftsmodelle mit Kreativität zu designen und neu zu denken. Oder Produkte zu erfinden, die ein überlegenes Geschäftsmodell darstellen. Dazu gibt es viel Material und viele Bücher. Arne selbst hat ein Buch der Universität St. Gallen über die 55 häufigsten Geschäftsmodelle, inklusive Spielkartenset. Sich mit solchen Dingen zu beschäftigen und sie in den eigenen Alltag zu integrieren, ist für ihn ein Teil von unternehmerischem Denken.
Ein bekanntes Beispiel ist das sogenannte Razorblade Geschäftsmodell. Einer der großen Rasiererhersteller hat es irgendwann erfunden, Arne tippt auf Gillette oder Wilkinson. Der Rasierer wird sehr günstig verkauft, die Klingen als Verbrauchsprodukt regelmäßig zu einem relativ hohen Preis.
Viele andere Branchen haben dieses Modell übernommen. Du kennst es vom günstigen Drucker mit teuren Druckerpatronen oder von der günstigen Kaffeemaschine mit teuren Espressokapseln.
Spannend findet Arne auch die Geschichte über das eigentliche Geschäftsmodell von McDonald's, zumindest in den USA. McDonald's ist relativ früh über Franchisenehmer gewachsen. Andere Unternehmer bekamen eine Lizenz, eröffneten Restaurants, betrieben und besaßen sie. Eine ganze Zeit lang eröffneten die Franchisenehmer ihre Restaurants allerdings nur auf Grundstücken, die der McDonald's Corporation gehörten. Das Restaurant gehörte dem Franchisenehmer, das Grundstück McDonald's. Über die Lizenzgebühr zahlte der Franchisenehmer auch das Darlehen für das Grundstück ab.
Mit dem Wachstum der Filialen entstand wieder eine Win Win Situation. Das Immobilienvermögen der McDonald's Corporation ist über die Jahre deutlich gewachsen und hat einen enormen Wert geschaffen. Nebenbei wurden immer mehr Restaurants eröffnet, McDonald's hat immer mehr verkauft, und viele Franchisenehmer haben damit sehr gutes Geld verdient.
Not macht erfinderisch: Unternehmerisches Denken im Kleinen
Unternehmerisches Denken zeigt sich auch im Alltag. Es gibt viele Geschichten über Sparsamkeit, die wir smart finden. Arne hat einmal eine Fahrt in eine andere Stadt in der Mitfahrzentrale eingetragen. Bedingung war, dass die mitfahrende Person einen Führerschein hat, weil Arne unterwegs ein paar Stunden arbeiten wollte. Genau so ist es gelaufen. Arne hat ihm die 15 Euro für die Mitfahrt erlassen und den Kaffee bezahlt. Der Mitfahrer war froh, kostenlos in seine Stadt zu kommen und mal ein neueres Auto zu fahren. Arne konnte in Ruhe telefonieren und am Laptop arbeiten. Gekostet hat ihn das so gut wie nichts.
Ein anderer Unternehmer hat Arne erzählt, dass er über eBay Kleinanzeigen einen Fahrer gefunden hat, der ihn mit seinem Auto regelmäßig zu Terminen fährt. Auch das ist eine deutlich günstigere Variante als viele andere Lösungen.
Tom Sawyer und die Kunst, andere zu begeistern
Worauf Arne hinaus will, zeigt am besten die Geschichte von Tom Sawyer. Seine Tante verdonnert ihn dazu, den Zaun zu streichen, und er hat überhaupt keine Lust. Als ein Freund vorbeikommt, pfeift und singt Tom beim Streichen und tut so, als wäre es ein Privileg, diesen Zaun streichen zu dürfen. Irgendwann fragt der Freund, ob er auch mal eine Latte streichen darf. Tom lässt ihn nicht einfach so ran, der Freund gibt ihm dafür einen Apfel. Am Ende bezahlen mehrere Kinder aus der Straße dafür, eine Zaunlatte streichen zu dürfen.
Der Zaun wird von anderen gestrichen, und Tom bekommt noch etwas dafür, weil er ein Narrativ um die Aufgabe gebaut hat. Hier läuft die Psychologie des Überzeugens ab. Für Arne gilt deshalb folgendes Prinzip.
Immer wenn es dir gelingt, andere für dich und deine Ziele zu begeistern, und das für diese Menschen auch Sinn ergibt und nützlich ist, dann ist das Ausdruck unternehmerischen Denkens und Handelns.
Wichtig ist der zweite Teil. Es geht um Begeisterung, die für beide Seiten nützlich ist. Wie du andere für eine Sache gewinnst, vertiefen Arne und Jörg in der Folge über Eigeninitiative fördern.
Unternehmertum lernen: Woher diese Geschichten kommen
Arne konnte all diese Geschichten nur erzählen, weil er sich intensiv mit unternehmerischen Ansätzen, Ideen, Büchern, Filmen und Geschichten beschäftigt hat. Unternehmer zu sein allein hätte dafür nicht gereicht. Für ihn ist das der Beweis, dass unternehmerisches Denken gelernt ist. Er hat es irgendwo aufgenommen, verarbeitet und angewendet.
Genau darin liegt die gute Nachricht für dich als Führungskraft oder Geschäftsführer. Wenn unternehmerisches Denken lernbar ist, kannst du es bei deinen Leuten gezielt fördern, zum Beispiel in einem Führungstraining. Vorsicht ist allerdings bei falschen Erwartungen geboten. Warum es teuer werden kann, Mitarbeitende einfach zu Mitunternehmern zu erklären, hörst du in der Folge über wirtschaftliches Denken und die Illusion vom Mitunternehmer.
Nachfolger und Führungskräfte gezielt entwickeln
Vielleicht hast du in deinem Unternehmen Menschen, die nachfolgen sollen. Menschen, die bald mehr Verantwortung übernehmen, die schon Mitgesellschafter sind und später eine Rolle in der Geschäftsführung bekommen sollen. Oder du stehst vor einer Nachfolge und wünschst dir, dass die künftigen Verantwortlichen mehr unternehmerisch denken und in ihrer Rolle als Führungskraft unternehmerischer handeln.
Dann lohnt es sich, das systematisch anzugehen, statt auf ein angeborenes Gen zu hoffen. Wie so eine Entwicklung grundsätzlich aufgebaut sein kann, besprechen Arne und Jörg in der Folge über Leadership Development.
Bei MINDSET MOVERS ist die Förderung von unternehmerischem Denken und Handeln ausdrücklich Teil der Führungskräfteentwicklung im Unternehmen, weil Arne und Jörg sie für entscheidend halten, um erfolgreich zu sein. Für einzelne Führungskräfte bietet das Leadership Training REFLECT den Rahmen, um an Haltung und Wirksamkeit zu arbeiten.
Und wenn das erste Gespräch mit deinem möglichen Nachfolger ansteht, kannst du es vorher im DialogLab durchspielen.

