KI und Führung: Ersetzbar oder gefragter denn je?
ChatGPT, Gemini, Claude. Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, und viele Führungskräfte fragen sich, ob ihr Job sicher ist. Arne und Jörg sprechen in dieser Folge des Podcast Wirksam führen über die Auswirkungen von KI auf Führung und darüber, welche Haltung du jetzt brauchst, um weiter Gestalter zu sein. Beide sagen offen, dass niemand weiß, wie sich die nächsten 15 bis 20 Jahre entwickeln. Sie teilen ihre Einschätzung, wohl wissend, dass alles anders kommen kann.
Ihre These vorweg. Bestimmte Teile der Führungsrolle wird KI übernehmen. Die Arbeit mit Menschen wird wichtiger, und mit ihr Klarheit, gute Fragen und der Wille zu gestalten.
Ein Drittel nutzt keine KI
Zur Vorbereitung hat Arne einen längeren Artikel im Handelsblatt gelesen, sinngemäß unter dem Titel „Und plötzlich werden auch Führungskräfte ersetzbar“. Darin wird eine Umfrage unter 1.000 deutschen Führungskräften aus dem September 2025 zitiert. Überrascht hat ihn, dass bei Fragen wie „Wie oft nutzen Sie KI?“ oder „Für welche Aufgaben setzen Sie KI ein?“ jeweils rund ein Drittel mit „gar nicht“ oder „weiß ich nicht“ antwortete.
Arnes Einschätzung ist deutlich. ChatGPT ist seit rund drei Jahren in der Welt. Wenn du Verantwortung für Menschen trägst und KI bis heute nicht ausprobiert hast, hast du vielleicht den Schuss noch nicht gehört. KI geht so wenig wieder weg wie das Internet. Installier dir eine App auf dem Handy und probier herum, so wie du es früher mit Google gemacht hast. Ohne eigene Erfahrung kannst du dir kein Bild machen.
Jörg nimmt bewusst die Gegenposition ein. Vielleicht haben einige Befragte nur noch fünf Jahre bis zur Rente. Andere sind pragmatisch und warten ab, was sich bei den Early Movern bewährt. Ihm fehlte in der Umfrage das Warum.
Gestalter oder Opfer: Deine Haltung zu künstlicher Intelligenz
Die Umfrage nannte auch Bedenken. 55 Prozent zweifelten an der Verlässlichkeit der Ergebnisse, 42 Prozent hatten Datenschutzbedenken. Arne sieht darin eine Frage der Haltung. Auf dem Gestalterstandpunkt findest du Wege, etwas auszuprobieren. Auf dem Opferstandpunkt, nach dem Motto „es passiert mir“, findest du Gründe, warum es nicht geht. Für KI im Arbeitsalltag brauchst du weder Programmierkenntnisse noch tiefes Datenschutzwissen. Die Ergebnisse mit gesundem Menschenverstand zu hinterfragen, hält er für eine sehr gute Idee.
Jörg überträgt das auf jede Art von Veränderung. Umarmst du sie und siehst dich als Teil davon, oder lehnst du sie ab und findest sie furchtbar? Veränderung gehört zum Führungsalltag. Wer schaut, welche Rolle er darin spielen kann, und mitgestalten will, hat es deutlich leichter. Diese Haltung zu Veränderung begleiten wir in Unternehmen als Transformation.
Ersetzt KI Führungskräfte?
Arne beantwortet die Frage mit Ja, in bestimmten Bereichen. Entscheidend ist, wie du deine Rolle definierst. Bei MINDSET MOVERS unterscheiden sie Management und Führung. Management heißt Prozesse und Abläufe gestalten, Aufgaben kontrollieren und nachhalten. Führung heißt Umgang mit Menschen. Herausfinden, was hinter etwas steckt, Menschen entwickeln, ermächtigen und verschüttete intrinsische Motivation wieder aufblühen lassen. Mehr dazu hörst du in der Folge Management vs. Führung.
Schau einmal auf deinen Alltag. Wie viel Prozent deiner Zeit bereitest du Excel-Tabellen auf, erstellst Berichte, steuerst Prozesse oder beantwortest Fragen, die man auch in einem Firmenwiki nachschlagen könnte? Für diesen Anteil hält Arne es für eine Frage der Zeit, bis KI ihn übernimmt. Das heißt nicht zwingend, dass Führungskräfte diese Aufgaben gar nicht mehr machen. Sie erledigen sie mit KI für deutlich mehr Menschen. Den anderen Teil, die Führung von Menschen, trainieren wir im Leadership Training REFLECT.
Jörg sieht die Chance. Wenn Planungen und Tabellen wegfallen, bleibt mehr Zeit für das aktive Führen von Menschen. Vielleicht führst du dann 10, 11 oder 12 Menschen statt 8. Arne benennt die Kehrseite. Durch die Effizienz arbeiten weniger Menschen im Unternehmen, die Führungsspanne wird breiter, und das Unternehmen braucht weniger Führungskräfte. Er erinnert daran, dass Führen keine Auszeichnung ist. Es ist eine Rolle wie jede andere. Für Menschen, die gar nicht gerne führen, kann es sogar entlastend sein, wenn Führung auf weniger Schultern verteilt wird, die das gerne tun.
Effizienz hat zwei Seiten
Arne macht das an einem Beispiel fest. Beim Steuerberater kontiert heute oft noch eine Buchhalterin Rechnungen und ordnet sie Kontoauszügen zu. Eine Software kann das fantastisch. Irgendwann ist niemand mehr bereit, dafür zu bezahlen, dass Menschen das buchen. Die Kunden wollen dann auch keine 1.000 Euro im Monat mehr zahlen, vielleicht noch 150. Effizienz macht vieles preiswerter, und bestimmte Jobs werden nicht mehr von Menschen gemacht. Das sieht er kritisch.
Jörg hält dagegen, dass neue Stellenprofile entstehen, die es heute noch nicht gibt. Menschen werden Maschinen trainieren, auf die Qualität der Ergebnisse achten und nachjustieren. Vielleicht machst du in fünf Jahren etwas komplett anderes als heute. Arne ergänzt, dass Menschen Gestalter bleiben. Unternehmensleitungen sind weit davon entfernt, einer KI Investitionsentscheidungen und Verantwortung zu überlassen. Bis dahin braucht es Menschen, die KI als Werkzeug nutzen, neue Optionen erkennen und Dinge bauen, die vorher nicht möglich waren. Was das für die nächsten Jahre bedeutet, vertiefen die beiden in den Leadership Predictions zur KI-Transformation.
Mehr Mut als Angst
Dafür brauchst du mehr Mut als Angst. Wenn es in deinem Unternehmen heißt, KI sei aus Datenschutzgründen schwierig, rät Arne zu einer einfachen Prüfung. Was ist die schlimmstmögliche Konsequenz? Verlierst du sofort deinen Job, wenn du einmal gegen eine Regel verstößt? Gibt es dafür ein Beispiel bei euch? Frag die Ansprechpartner für Compliance und Datenschutz konkret, etwa was passiert, wenn ihr Bewerbungen von KI vorsortieren lasst und das gegen den EU AI Act verstößt. Wenn du die echte Konsequenz kennst, kannst du klar entscheiden, ob du das Risiko mit deiner Abteilung eingehst. Ohne diese Klarheit schwebt es wie ein Damoklesschwert über dir.
Jörg blickt nach vorn. In zehn Jahren werden wir auf große Unternehmen schauen, die heute klein oder noch gar nicht gegründet sind, so wie durch Internet und Onlinehandel riesige Unternehmen entstanden sind. Er findet es spannend, hinzuschauen, von ihnen zu lernen und vielleicht selbst Teil dieser Reise zu werden.
Klarheit, Fragen und kritisches Denken werden wichtiger
Arne zieht eine Analogie zwischen KI und Führung.
Aus KI kommt nur Mist raus, wenn man Mist eingibt. In der Führung ist es genauso.
Wenn du deine Erwartungen nicht klar kommunizierst und Rahmenbedingungen und Konsequenzen nicht nennst, steigt die Wahrscheinlichkeit für Konflikte und Probleme. Beim Prompten gilt dasselbe. Du brauchst präzise Anweisungen und kannst dialogisch arbeiten, etwa mit der Frage „Welche Fragen musst du mir noch stellen, damit du ein besseres Ergebnis lieferst?“ Wer klar hat, was er will und wie das Ergebnis aussehen soll, kann auch besser beurteilen, ob es taugt. Erwartungen so klar zu formulieren, kannst du im Gesprächstraining üben.
Jörg glaubt, dass wir aus einer Ära der Antworten kommen. Jetzt wird wichtiger, nach der Intention zu fragen und die richtigen Fragen zu stellen. Wie das in der Führung aussieht, hörst du in der Folge über die Kunst, mit Fragen zu führen. Arne ergänzt das kritische Denken. Antworten gibt es auf Knopfdruck, deshalb zählen Fragen wie „Worum geht es wirklich?“ und „Was wäre, wenn?“. Er vermutet, dass bei breiteren Führungsspannen und flacheren Hierarchien vor allem Menschen führen werden, denen Hinterfragen leichtfällt.
Gefragt ist empathische Klarheit. Du sagst klar, was du erwartest, und fragst interessiert nach, was dein Gegenüber will. Dazu kommt Offenheit für Veränderung, der Wille zu gestalten. Mit der Gestaltungsmacht durch KI wächst auch die Verantwortung. Junge Menschen, die mit KI aufwachsen, gehen viel neugieriger heran, beobachtet Jörg.
Arne nennt die soziale Kommunikationskompetenz die wichtigste Führungskompetenz. Erwartungen klar und respektvoll nennen, die Bedingungen anderer erfragen und das miteinander aushandeln. Dazu gehört Konfliktoffenheit, denn Konflikte entstehen, wo Erwartungen unerfüllt sind, und durch das höhere Tempo wird es eher mehr davon geben. Diese Kompetenz ist lernbar, etwa in unserem Führungstraining. Das gilt auch nach oben. Jörg rät, deine Vorgesetzten zu fragen, was sie ganz konkret von dir und deiner Abteilung erwarten, ähnlich wie in der Folge über das Führen von Vorgesetzten. Wenn du dort Unklarheit hast, gibst du Mist ins System. Frag so lange, bis dir alles klar ist. Dann wird es leichter, mutig zu sein. Solche Klärungsgespräche kannst du im DialogLab vorbereiten. Wenn ihr als Organisation Führung im KI-Zeitalter neu ausrichten wollt, begleiten wir euch im Veränderungsprozess.

