KI-Transformation und Führung: Worauf du dich 2026 einstellen solltest
Worauf musst du dich als Führungskraft im kommenden Jahr einstellen? Arne und Jörg wagen in dieser Folge vom Podcast Wirksam führen ein paar Leadership Predictions für 2026. Fast alles davon hat mit KI zu tun, und nach Einschätzung der beiden beschleunigt sich deren Einfluss auf Führung jetzt. Jörg ist überzeugt, dass sich der Arbeitsalltag total verändern wird.
Beide kommen aus der Digitalwirtschaft. Jörg hat ein E-Commerce-Unternehmen gemacht, Arne hat zwei Agenturen aufgebaut und eine Digitalberatung geführt. Er sieht bis heute, wie schwer es manchen Organisationen gefallen ist, die Digitalisierung zu adaptieren. Die KI-Transformation hat aus Arnes Sicht noch gar nicht richtig begonnen. Bisher sieht man erste kleine Wellen. Die große Welle wird die deutsche Wirtschaft eher wie ein Tsunami treffen.
Arnes erste Prediction lautet, dass die KI-Transformation vier bis fünf Mal so schnell abläuft wie die Digitalisierung. Organisationen haben dann keine zwanzig Jahre Zeit für die Anpassung. Vielleicht bleiben vier bis fünf, wenn überhaupt. Jörg nennt einen Grund dafür. Eine Digitalisierungsstrategie betrifft oft ganze Bereiche eines Unternehmens. KI kannst du direkt in tägliche Arbeitsabläufe einbauen und erzielst schnell Erfolge, die sich auf die Wirtschaftlichkeit eines Teams oder einer Abteilung auswirken.
Der doppelte Hebel aus Produktivität und Kosten
KI wirkt an zwei Enden des Wirtschaftens. Das eine ist Produktivität. Arne erzählt, wie er mit Manus, einer agentischen KI-Software, eine Website gebaut hat, auf der du die Kosten schlechter Führung ausrechnen kannst. Eingeflossen sind Zahlen aus mehreren Studien, etwa dem Gallup Engagement Index und einer Konfliktkostenstudie von KPMG. Die Seite rechnet und verschickt Ergebnisse als PDF. Gebaut hat er sie mit einfachen Anweisungen wie „mach das Logo größer“, und das Ganze hat drei bis vier Stunden gedauert. Aus seiner Erfahrung in der Digitalwelt schätzt Arne, dass so ein Projekt sonst mindestens 20.000 bis 30.000 Euro kostet und mit Briefing und Beauftragung Wochen dauert.
Das betrifft weit mehr Bereiche als das Marketing, etwa Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Das andere Ende sind die Kosten. Vieles kostet in einer Welt mit KI nur noch einen Bruchteil. Und weil Einsparungen oft eine Führungsaufgabe sind, landet dieses Thema direkt bei dir. Arne erwartet neben dem Kostendruck auch einen Produktivitäts- und Geschwindigkeitsdruck, einfach weil es geht.
Kostendruck, weniger Neueinstellungen, erste Entlassungen
Jörg ist sicher, dass du dich bei jeder Neueinstellung, jedem neuen Projekt und jeder neuen Aufgabe fragen wirst, ob das auch eine Maschine oder ein KI-Agent lösen kann. Die Antwort wird oft Ja lauten. Weil Umsatz gerade schwer zu generieren ist und auf Kosten geachtet wird, probieren Unternehmen zuerst KI aus, bevor sie in Menschen investieren.
Arne findet das ausdrücklich nicht cool. Die Geschwindigkeit entsteht auch deshalb, weil die Wirtschaft nicht rund läuft. Wenn überall die Champagnerkorken knallen, sind Unternehmen eher träge. Not macht erfinderisch, und in schwierigen Zeiten werden radikale Entscheidungen getroffen.
Daraus folgt eine weitere Prediction. 2026 wird es in Bereichen mit repetitiven Aufgaben deutlich weniger Neueinstellungen geben, zuerst im Büro, bald auch in der Werkshalle und der Logistik, wo Robotik dazukommt. In der zweiten Jahreshälfte hält Arne sogar erste Entlassungen für denkbar, weil Unternehmen kein Gehalt mehr zahlen wollen, wenn sie eine Aufgabe hundertmal preiswerter bekommen. Wie stark sich Change-Projekte an Führung entscheiden, besprechen die beiden auch in der Folge über Management und Führung.
Verunsicherte Teams durch die KI-Transformation führen
Was sicher kommt, sind Fragen, sagt Jörg. Ist mein Job sicher? Was bedeutet die neue Initiative des Vorstands für unser Team? Sind die drei geplanten neuen Kolleginnen und Kollegen noch im Budget?
Arne rät, selbst Fragen zu stellen. Wenn du nicht selbst entscheidest, frag deinen Chef, die Geschäftsführung oder den Vorstand, damit du gute Antworten geben kannst. Wo du keine Antwort hast, hilft Gleichzeitigkeit. Du kannst ehrlich sagen, dass du es auch nicht weißt, dass die Geschwindigkeit steigt und die Unsicherheit eher zunimmt. Und dann fragen, ob dein Gegenüber trotzdem bereit ist, weiter Leistung zu bringen und mitzuspielen. Biete an, regelmäßig darüber zu sprechen. Dass du als Führungskraft selbst ein Stück verunsichert bist, gehört dazu.
Das Gespräch mit einer Mitarbeiterin, die Angst um ihren Job hat, kannst du vorher im Gesprächstraining durchspielen. Gerade bei solchen Themen hilft es, die eigenen Sätze einmal laut gesagt zu haben.
AI Readiness ist eine Frage der Haltung
2026 wird es viele AI Readiness Assessments geben, vor allem in großen Unternehmen. Beratungen analysieren Compliance, Daten, Prozesse und Software, und auch People and Culture wird angeschaut.
Arne glaubt, dass neben den Fähigkeiten vor allem das Wollen zählt. Bist du offen für diese Veränderung und hast du Lust, etwas auszuprobieren, egal wie alt du bist? Entscheidend ist, mit KI etwas zu machen. Du kannst mit ihr reden. Dafür brauchst du Neugier und ein bisschen Mut. Wer im Team mit Verunsicherung umgehen muss, arbeitet deshalb vor allem auf der Haltungsebene. Genau diese Haltungsarbeit steht im Mittelpunkt des Führungstrainings REFLECT.
Sich selbst damit zu beschäftigen, ist trotzdem zwingend, sagt Jörg. Nur wer es ausprobiert, kann die richtigen Fragen stellen. Das fängt im Kleinen an, etwa mit einem Foto der Essensreste und der Bitte um einen Rezeptvorschlag, und reicht bis tief in die Prozesse eines Unternehmens. Jörg hat sich für das neue Jahr ein Schrittziel gesetzt und eine KI gebeten, ihn als Coach zu begleiten, ihn zu feiern oder ihm einen liebevollen Tritt zu geben. Arne bewundert, wie selbstverständlich Jörg KI als persönlichen Sparringspartner nutzt. Wie KI deine Führungsarbeit verändert, vertieft auch die Folge über Künstliche Intelligenz und Führung.
Führung spaltet sich auf in Menschen und KI-Agenten
Eine weitere Prediction von Arne betrifft die Führungsrolle selbst. Es wird weiterhin Führungskräfte geben, die vor allem Menschen führen und viel Zeit in Kommunikation stecken. Und es wird Führungskräfte geben, die zunehmend KI-Agenten und Tools führen, Prozesse automatisieren und betreuen. Das können Menschen sein, die Prozesse gut verstehen, Ideen haben und bereit sind, sich hineinzugraben.
Der Druck kommt auch von außen. Kunden erwarten, dass Leistungen schneller und preiswerter werden. Wer KI nicht nutzt, verliert sie an jemanden, der es tut. Die Frage an dich lautet deshalb, wo du dich siehst. Willst du künftig mit KI und weniger Leuten Dinge umsetzen? Oder willst du weiter Menschen führen und die zwischenmenschlichen Themen gestalten, die durch das Tempo der Veränderung immer wichtiger werden? Jörg ist gespannt, ob sich eher Spezialisten herausbilden oder ob jeder seine eigenen Agenten baut. Wer für diese Entscheidung Klarheit sucht, kann sie in einem Coaching sortieren.
Arne warnt vor einem bekannten Fehler. Früher gab es den Chief Digital Officer, der sich für das ganze Unternehmen um die Digitalisierung kümmerte. Oft war er ein Feigenblatt, damit sich Geschäftsführung und Vorstand nicht selbst damit beschäftigen mussten. Das war eine Garantie dafür, dass es nicht funktioniert. Diesen Fehler werden viele Unternehmen bei KI wiederholen, weil sich viele Menschen überfordert fühlen und die Transformation neben dem Tagesgeschäft gelingen muss.
Block dir feste Zeit für KI
Arne nimmt sich als Geschäftsführer von MINDSET MOVERS jede Woche extra Zeit für KI. Er will verstehen, was möglich ist, Mitarbeitende und Dienstleister besser briefen und einschätzen können, was etwas kosten darf. Sein Tipp ist einfach. Mach dir einmal pro Woche einen Termin und nimm dir zwei bis drei Stunden am Stück. Setz ein Projekt um, idealerweise eines, das deine Firma voranbringt. Probier verschiedene Tools aus oder geh mit einem Tool tiefer.
Je mehr ich das mache, desto leichter fällt es mir und desto willkommener ist die nächste Veränderung.
Wissen wird dabei unwichtiger, weil du eine KI vieles fragen kannst, was in Büchern steht. Wichtiger werden Kreativität, Ideen und die Chuzpe, sie umzusetzen. Jörg rät, mit kindlicher Neugier und spielerischer Leichtigkeit heranzugehen. KI setzt fort, was die bekannte These „Software is eating the world“ beschrieben hat, und sie wird bleiben.
Wenn du deine eigene Haltung zu Führung in Zeiten von KI schärfen willst, ist REFLECT ein guter Ort dafür. Wie Führung und Wandel zusammenhängen, hörst du auch in der Folge über Transformation und Führung. Gespräche mit deinem Team über KI und Jobsicherheit kannst du im DialogLab vorbereiten. Alles Weitere findest du bei MINDSET MOVERS.

