Führungsdefizite erkennen, wenn der Rückenwind fehlt
Vielleicht hast du auch den Eindruck, dass die Zeiten rauer werden. Die Konjunktur lässt nach, am Markt weht weniger Rückenwind, und Erfolge kommen nicht mehr von allein. Dann stellt sich eine unbequeme Frage. Funktioniert dein Führungsstil noch so gut wie in den Jahren, in denen alles lief?
Genau darüber sprechen Arne und Jörg in dieser Folge vom Podcast Wirksam führen. Jörg bringt die These auf den Punkt. Viele Führungsdefizite gab es schon lange. Sie waren überdeckt, weil Erfolge vieles überspielt haben. Jetzt, wo es schwieriger wird, werden sie sichtbar.
Arne beschreibt das mit einem Bild vom Segeln. Wenn du Rückenwind hast, musst du nur die Segel aufspannen und fährst schon. Günstige Energie, eine starke Automobil- und Maschinenbauindustrie, ein gutes Investitionsklima. In solchen Phasen sind schwierige Entscheidungen selten nötig, und Führungsstärke wird kaum gefordert. Inzwischen gibt es viel mehr Wettbewerb, gerade aus China, die Märkte sind globaler geworden, und profitabel zu wachsen ist wieder harte Arbeit. Jörg sieht das auch bei jungen E-Commerce-Unternehmen, die aus der Startphase heraus sind. Was früher auf Konsens und das Bewahren des Status quo ausgelegt war, trägt in Phasen mit Gegenwind oft nicht mehr. Wie sehr sich die Zeiten geändert haben und der Führungsstil oft nicht, besprechen die beiden auch in der Folge über Führungskultur.
New Work und Konsensführung auf dem Prüfstand
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um New Work. Viele Menschen waren froh über diese Bewegung, sagt Arne. Mehr Menschenorientierung, mehr Mitbestimmung, Homeoffice, Diskussionen über die Vier-Tage-Woche. Der Fokus verschob sich in Richtung einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur.
Das hatte einen klaren Grund. Es herrschte ein Arbeitnehmermarkt. Fachkräfte waren rar, Headhunter riefen ständig an, ein Wechsel brachte schnell mehr Gehalt. Unternehmen mussten sich um gute Leute bewerben. Arne spricht bewusst in der Vergangenheitsform, denn nach seiner Einschätzung kippt dieser Markt gerade wieder.
In diesem Umfeld hat sich eine bestimmte Art von Führung breitgemacht. Viele Führungskräfte stellten Harmonie in den Vordergrund und suchten den Konsens, aus der missverstandenen Angst heraus, Mitarbeitende zu verschrecken. Erwartungen klar aussprechen, Konsequenzen aufzeigen, wenn Ergebnisse nicht stimmen, das fiel ihnen schwer. Arne und Jörg haben in den letzten Jahren mit Hunderten Führungskräften gesprochen und genau diese Geschichten immer wieder gehört. Wer sich darin wiedererkennt, findet in der Folge über die Frage, wie du es allen recht machen kannst, weitere Gedanken zu diesem Muster.
Warum Teams sich nach klarer Führung sehnen
Jetzt ist wieder deutlich mehr Klarheit und Führungsstärke gefragt. Arne sieht zwei Seiten. Not macht erfinderisch, und wer keinen Rückenwind hat, wird kreativ. Gleichzeitig wünschen sich die Menschen, die geführt werden, gerade in schwierigen Situationen Führung. Führung gibt Orientierung, Stabilität und Halt.
Jörg lenkt den Blick darauf, worum es in Unternehmen am Ende wirklich geht. Ein Unternehmen muss existieren, Wert schaffen und profitabel sein. Nur so lassen sich alle Gehälter zahlen. In guten Zeiten wurde der Wertbeitrag einzelner Menschen oft gar nicht so genau angeschaut. Das ändert sich gerade, für Führungskräfte genauso wie für Mitarbeitende. Deine Aufgabe als Führungskraft ist es, klar zu sagen, worum es geht und was du von jemandem brauchst.
Arne wird dabei deutlich. Das geflügelte Wort, es gehe nicht nur um Gewinnmaximierung, hält er für Quatsch. Vision und Purpose geben einem Unternehmen die Richtung. Gewinn ist die Bedingung, unter der Arbeiten und Wirtschaften überhaupt funktioniert. Und zwar ein wachsender Gewinn, weil wir in einer inflationären Geld- und Zinswirtschaft leben. Auch Unternehmen mit starkem Purpose brauchen ihn, um weiter an ihrem Sinn arbeiten zu können, ergänzt Jörg. Wie du dieses Denken in dein Team bringst, vertieft die Folge über wirtschaftliches Denken.
Führungsstärke in der Krise als Chance
Arne beobachtet bei mittelgroßen Unternehmen, dass sich Gründerinnen und Gründer in guten Zeiten gern anderen Projekten widmen. In schwierigeren Zeiten konzentrieren sie sich wieder aufs Kerngeschäft, und das tut Fokus und Führungsstärke gut. Für dich als Führungskraft liegt darin eine echte Chance, wenn du Lust hast, in den Lead zu gehen und Verantwortung zu übernehmen.
Dabei hilft eine Unterscheidung. Management treibt Prozesse und Dinge voran. Führung heißt, eine Idee zu haben, dafür zu brennen und eine Richtung einzuschlagen, ohne zu wissen, ob es funktioniert. Wer ist dabei? Dann gibt es Menschen, die dir begeistert folgen. Mehr dazu hörst du in der Folge über Management und Führung.
Gerade in etablierten Unternehmen laufen oft mehrere Transformationsprozesse gleichzeitig. Sich darüber zu ärgern, was nicht läuft, hält Arne für höchst dysfunktional. Es braucht Leute, die vorweggehen und gestalten. Wenn dein Unternehmen gerade mitten in einem Veränderungsprozess steckt, ist das genau der Moment, in dem Führung sichtbar wird.
Respektvolle Klarheit und liebevolle Hartnäckigkeit
Jörg ist wichtig, was Führungsstärke bedeutet. Wenn der Wind rauer weht, glauben viele, sie müssten jetzt härter werden. Mit der Axt durchs Team, auf die Brust klopfen. Führungsstärke zeigt sich im respektvollen Umgang miteinander, der trotzdem für Klarheit und Ausrichtung sorgt. Arne sagt es so. Härte braucht es gar nicht. Es braucht Klarheit und Dranbleiben.
Du kannst in liebevoller Hartnäckigkeit Dinge vorantreiben und in respektvoller Klarheit etwas von Menschen einfordern. Du kannst Verständnis dafür haben, dass etwas für jemanden schwierig ist, und es trotzdem von ihm erwarten und ihm zutrauen. Die entscheidende Frage lautet klar oder unklar, ausgerichtet oder nicht ausgerichtet.
Absichtsvoll führen ist gefragt, und das geht ganz ohne Härte.
Genau diese Art zu führen trainierst du im Führungstraining REFLECT. Die erste klare Erwartung an einen Mitarbeiter, der bisher nur Konsens kannte, kannst du vorher im Gesprächstraining durchspielen und hörst, wie sie ankommt.
Ablehnung gehört zur Führungsrolle
Mehr Klarheit hat eine Folge, die Jörg anspricht. Du wirst mehr Ablehnung erfahren. Manche Entscheidung schmeckt nicht allen im Team, und einige wundern sich, dass du keinen Konsens mehr herstellst.
Arne differenziert. Harmonieorientierte Führungskräfte achten meist nur auf den sichtbaren Konsens und versuchen, sichtbaren Dissens zu vermeiden. Es gibt aber auch Leute im Team, die dich gerade deshalb ablehnen, weil du keine klaren Ansagen machst. Sie halten dich für ein Fähnchen im Wind und sagen es dir nur nicht. Du wirst heute schon abgelehnt, und du wirst es morgen auch. Dem einen bist du zu geradlinig, dem anderen zu wechselhaft. Das hat mehr mit den Menschen zu tun, die dich bewerten, als mit dir. Wenn du es ohnehin nicht allen recht machen kannst, dann mach es so, dass es für dich und dein Unternehmen passt.
Für Führungskräfte, die in einer Welt von New Work und Konsensorientierung befördert wurden, ist das ungewohnt. Du kannst diese Art zu kommunizieren lernen, wenn du offen dafür bist und den Mut hast, es lernen zu wollen. Wer dabei Begleitung möchte, kann das in einem Coaching angehen. Und wenn du gerade erst in deiner ersten Führungsposition bist, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Klarheit von Anfang an zu üben.
Die chancenreichste Zeit für Menschen, die führen wollen
Veränderung ist immer die Phase der größten Chancen. Der Grad an Veränderung wird in den nächsten Jahren eher steigen, durch KI und auch im Umgang mit Menschen in Organisationen. Arne spricht deshalb von der chancenreichsten Zeit überhaupt, für alle, die Lust haben, vorwegzugehen und Orientierung zu geben. Wer vorweggeht, bekommt den ersten Regen ab. Wenn dich ein paar Tropfen auf der Brille nicht schrecken, dann geh vorweg.
Am Ende steht eine ehrliche Frage an dich. Bist du Führungskraft geworden, weil es die einzige Möglichkeit war, befördert zu werden und mehr zu verdienen? Wenn du keine schwierigen Gespräche führen willst und keine Lust auf Gegenwind hast, wird es schwer. Wenn du Lust hast, vorwegzugehen, dann ist das jetzt deine Zeit. Die Gespräche, die dabei auf dich zukommen, kannst du im DialogLab üben.
In REFLECT gehst du diesen Schritt zwölf Wochen lang gemeinsam mit anderen Führungskräften. Was wir sonst anbieten, findest du bei MINDSET MOVERS.

