People Pleaser als Führungskraft
Diese Folge ist für dich, wenn du Führungskraft bist und dich selbst als People Pleaser bezeichnen würdest. Oder wenn du People Pleaser im Team hast und manchmal Schwierigkeiten mit ihnen hast. In dieser Solofolge im Podcast Wirksam führen geht Arne den Gedanken auf den Grund, die People Pleaser in der Führung ausbremsen. Seine These ist klar. Die meisten dieser Gedanken sind stille Deals, und Deals funktionieren in freier Wildbahn nicht.
Arne beginnt mit einer Würdigung. Bevor es um die Fallen geht, lohnt der Blick auf das, was People Pleasern besonders leichtfällt.
Was People Pleaser gut können
Menschen, die sich als People Pleaser sehen, haben häufig ein gutes Talent dafür, auf die Stimmung anderer zu achten. Sie sorgen für ein gutes Klima im Team. Ihnen ist die Meinung anderer wichtig, und sie haben oft ein feines Empathievermögen für Situationen und für Menschen. Wie der Name schon sagt, ist ihnen wichtig, wie es anderen geht und was andere über sie denken.
Die Kehrseite ist ebenfalls bekannt. People Pleaser gehen Kritik eher aus dem Weg, vermeiden kritische Situationen und sprechen Konflikte nicht gern offen an. In vielen Situationen ist ihr Gespür nützlich und zahlt auf das Gelingen ein. In der Führung gibt es aber auch Momente, in denen genau das ungünstig wird.
Wer zu sehr auf die Meinung anderer achtet, setzt bestimmte Dinge vielleicht nicht durch. Er kommuniziert unangenehme Botschaften ungern oder kehrt Konflikte lieber unter den Teppich. Das Problem dabei: Schwelende Konflikte bleiben da. Meistens entsteht eine Beule im Teppich. Irgendwann kommen die Themen doch ans Tageslicht und sind dann wie eine Lawine größer geworden.
Als Führungskraft ist es deshalb günstig, Themen schnell zu klären. Wie gefährlich ein Team wird, in dem alle Spannungen weggelächelt werden, beschreiben Arne und Jörg in der Folge über toxische Harmonie. Als People Pleaser fällt dir das schnelle Klären womöglich schwer. Arne beschreibt drei Gedanken, die dahinterstecken können. Es gibt natürlich viele mehr.
Denkfalle eins: Ich kritisiere dich nicht, dafür kritisierst du mich nicht
Ein möglicher Gedanke ist die Angst vor dem Urteil anderer. Du gehst Kritik aus dem Weg und kritisierst deshalb selbst niemanden gern. Wenn du damit etwas anfangen kannst, hat Arne eine klare Antwort. Das ist ein Deal, und er funktioniert nicht.
Ein Deal ist eine unausgesprochene Erwartung von dir, die an eine bestimmte Handlung anderer geknüpft ist. „Ich kritisiere dich nicht, dafür kritisierst du mich bitte auch nicht.“ Die anderen wissen davon gar nichts. Und es gibt Menschen, die ganz offen mit Kritik umgehen und kritische Punkte frei von der Leber weg ansprechen. Das tun sie auch dir gegenüber, egal ob du sie kritisierst oder nicht. Mehr über solche stillen Abmachungen hörst du in der Folge Deals sind keine Vereinbarungen.
Denkfalle zwei: Wenn ich nett bin, machen sie, was ich will
Ein weiterer Gedanke lautet, dass deine Mitarbeitenden das machen, was du willst, wenn du nur nett zu ihnen bist. Auch das ist leider ein Deal und funktioniert ebenfalls nicht.
Nur weil du in deiner Führungsrolle oder auf gleicher Ebene nett zu anderen bist, tun sie noch lange nicht, was du von ihnen willst. Freundlichkeit begünstigt vielleicht einen netten Umgang miteinander. Eine Kausalität gibt es nicht. Menschen machen Dinge, die andere von ihnen verlangen, aus ganz anderen Gründen. Weil es klar ist. Weil sie verstehen, warum sie es tun sollen. Oder weil sie die Beziehung zur Vorgesetzten achten und sagen „Klar, wenn meine Chefin mir das sagt, mache ich das.“
Warum zu viel Nettigkeit deine Durchsetzungskraft eher schwächt, vertiefen Arne und Jörg in der Folge Missverständnis Durchsetzungsvermögen.
Denkfalle drei: Ich will mich nicht über andere stellen
Der dritte Gedanke begegnet Arne und Jörg in ihren Trainings mit Führungskräften ganz besonders häufig. People Pleaser möchten gern gleichgestellt sein. Sie wollen sich nicht über andere stellen und lehnen deshalb manchmal ein Stück weit die Rolle der Chefin oder des Chefs ab.
Dieser Wunsch nach Gleichstellung und nach Augenhöhe ist total verständlich. Wir Menschen begegnen anderen gern auf Augenhöhe, und wir möchten auch selbst so behandelt werden. Der Gedanke, dass du als Führungskraft trotz deiner Position hierarchisch gleich bist, funktioniert allerdings nicht. Das bist du de facto nicht.
Mit deiner Position bist du deinen Mitarbeitenden in bestimmten Dingen vorgesetzt. Du hast qua Position eine gewisse Macht. Du bringst Dinge in die Umsetzung, verteilst Aufgaben, gibst Weisungen und Arbeitsanweisungen und triffst Entscheidungen. Deine Mitarbeitenden haben das nicht im selben Maß wie du.
Trotzdem kannst du all das auf menschlicher Ebene auf Augenhöhe tun. Darin liegt der Schlüssel. Hierarchie und Augenhöhe sind zwei verschiedene Ebenen, und du kannst sie trennen. Wenn du merkst, dass dir das schwerfällt, ist die Folge über Führung oder Beliebtheit eine gute Ergänzung.
Augenhöhe trotz Arbeitsanweisung
Wie das konkret aussieht, beschreibt Arne an einem Beispiel. Du gibst jemandem eine Aufgabe. Er sagt dir, dass er das nicht so gern macht oder Schwierigkeiten damit hat. Dann kannst du ihm menschlich auf Augenhöhe begegnen und das ernst nehmen.
Ich verstehe das, ich habe das wahrgenommen, und danke, dass du mir das sagst. Ich möchte trotzdem, dass du das machst, weil es erledigt werden muss.
Und du kannst ergänzen, dass es deine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass ihr das als Team erledigt. „Ich bitte dich, setz das bitte so um.“ So trennst du beides. Du erfüllst deinen Wunsch, anderen menschlich auf Augenhöhe zu begegnen, und nimmst trotzdem deine Rolle ein. Solche Sätze klingen einfach. In der echten Situation fallen sie People Pleasern oft schwer. Es hilft, sie in einem Gesprächstraining so lange zu üben, bis sie sich selbstverständlich anfühlen. Wie du freundlich und klar Nein sagst, hörst du außerdem in der Folge über Nein sagen.
Es wird immer wieder Situationen geben, in denen dich dein Team weniger als Mensch auf Augenhöhe wahrnimmt. Dann sehen die Menschen vor allem die Position, die du bekleidest, den Manager, die Chefin. Arne nennt typische Anlässe. Umstrukturierungen, gestoppte Projekte, Downsizing, Entlassungen, jemandem ein Projekt oder eine Position wegnehmen. Allgemein sind es Entscheidungen, die für Einzelne im Team persönlich ungünstig sind, weil sie im Sinne des Unternehmens, der Abteilung, des Projekts oder des Kunden getroffen werden müssen.
In solchen Momenten nehmen dich die Menschen sehr wahrscheinlich als die da oben wahr. Trotzdem kannst du auch solche Entscheidungen von deiner Seite aus menschlich auf Augenhöhe vermitteln. Du nimmst die Reaktionen, Sorgen und Gedanken deiner Mitarbeitenden ernst. Und du bleibst dabei, dass die Entscheidung im Sinne des großen Ganzen richtig ist und dass du dahinterstehst. Die persönlichen Einwände kannst du trotzdem verstehen.
Für People Pleaser ist das die eigentliche Übung. Verständnis zeigen und bei der Entscheidung bleiben, beides gleichzeitig. Wer das einmal erlebt hat, merkt, dass Klarheit und Wärme sich vertragen.
Unterstützung für People Pleaser in der Führung
Am Ende der Folge lädt Arne dich ein, bestimmte Situationen im Rahmen eines Coachinggesprächs mit ihm zu untersuchen. Ein Führungscoaching eignet sich, um eine Grenze zu überwinden, an der du immer wieder stehst.
Wenn du tiefer an den Gedanken arbeiten willst, die dich als People Pleaser bremsen, ist unser Leadership Training REFLECT der passende Rahmen. Dort geht es genau um den Zusammenhang zwischen deinem Selbstbild und deinem Verhalten als Führungskraft. Die konkreten Gespräche, bei denen du sonst einknickst, kannst du im DialogLab durchspielen. Und wenn in eurem Unternehmen viele Führungskräfte Konflikte lieber unter den Teppich kehren, setzt eine Führungskräfteentwicklung im Unternehmen an der gemeinsamen Haltung an. Ein gemeinsames Führungstraining gibt dem ganzen Führungsteam eine Sprache für Klarheit auf Augenhöhe.

