Führung oder Beliebtheit: Warum du dich nicht entscheiden musst
Grübelst du manchmal darüber, wie beliebt du in deinem Team bist? Vielleicht hat dir sogar schon jemand gesteckt, dass du gar nicht so beliebt seist. Viele Geschäftsführer und Führungskräfte kennen diese Gedanken. Im Finale ihrer People Pleaser Serie gehen Arne und Jörg der Frage nach, ob du wirklich zwischen Beliebtheit und wirksamer Führung wählen musst. Ihre Antwort vorweg. Beides geht zusammen. Dafür brauchst du allerdings die Bereitschaft, auch unbeliebte Entscheidungen zu treffen. Oft geht es am Ende mehr um Respekt als um Beliebtheit.
Es ist die fünfte Folge der Reihe im Podcast Wirksam führen. Die bisherigen Teile drehten sich um Ablehnung, um Konflikte, um das Gefühl, nur durch Helfen wertvoll zu sein, und um die Überzeugung, andere seien zerbrechlich. Wer von vorn einsteigen will, beginnt mit der Folge Nein sagen. Diesmal geht es um einen Satz, den Arne bei vielen People Pleasern in Führung beobachtet. „Wenn ich Standards durchsetze, bin ich ein Arschloch.“ Daraus entsteht der Versuch, Autorität und Beliebtheit gegeneinander abzuwägen, meist auf Kosten der Autorität. Jörg ergänzt die Angst dahinter. Niemand möchte ein schlechter Mensch sein.
Woran du erkennst, dass du Standards lieber vermeidest
Die beiden beschreiben einige Erkennungszeichen. Jörg beginnt mit dem häufigen Entschuldigen. Jede Anweisung startet mit „Sorry“ oder „Es tut mir leid, dass ich schon wieder komme, könntest du heute Abend vielleicht noch …“.
Arne nennt die simulierte Demokratie. Die Entscheidungswege sind eigentlich klar, und am Ende entscheidest du ohnehin selbst. Trotzdem fragst du bei jedem operativen Detail in die Runde und stellst es so dar, als würde gemeinsam entschieden.
Ein weiteres Zeichen beschreibt Jörg. Dein Team arbeitet an etwas, und du bist noch nicht zufrieden. Statt es noch einmal anzusprechen, senkst du still und leise deine Anforderungen. Dann soll es halt gut sein. Hauptsache, es bleibt entspannt und niemand hält dich für dominant.
Noch häufiger erleben Arne und Jörg, dass Konsequenzen gar nicht genannt werden. Und wenn sie doch einmal ausgesprochen wurden, setzt sie niemand um. Wie das anders geht, zeigt die Folge Durchsetzungsvermögen stärken. Zuletzt nennt Jörg den Beliebtheitschecker. „Passt das für dich? Ist alles okay?“ Nach jeder Entscheidung und jeder Anweisung fragt er nach, ob alle damit einverstanden sind.
Autorität ist kein moralischer Makel
Der Grundgedanke hinter diesen Mustern ist laut Arne, dass Autorität etwas Negatives sei. Sie wird mit Dominanz oder Aggression gleichgesetzt und scheint dich moralisch zu entwerten. Die Hoffnung dahinter lautet, dass dir die Leute folgen, wenn du nur respektvoll und rücksichtsvoll genug führst.
Auch das ist ein Deal, und er geht nicht auf. Nur weil du nett bist, folgen dir Menschen noch lange nicht. Nur weil du dominant bist, allerdings genauso wenig. Umgekehrt mögen dich Leute nicht weniger, weil du klar und deutlich bist. Es kann gut sein, dass du gerade dafür Anerkennung bekommst, weil du durchsetzungsstark bist und ein verlässlicher Entscheider. Arne betont, dass es dazwischen keine Kausalität gibt. Diesen Gedanken musst du erst einmal schreddern.
Jörg nennt es einen Trugschluss, zwischen Respekt und Beliebtheit wählen zu müssen. Du kannst beliebt sein und gleichzeitig für Klarheit, Verbindlichkeit und Leistung sorgen. Arne beschreibt diese Haltung mit einem Wort, das bei MINDSET MOVERS oft fällt, Gleichgültigkeit. Gemeint ist, dass zwei Dinge zur gleichen Zeit gültig sein können. Du kannst die Autorität, die du qua Position hast, nutzen und trotzdem empathisch sein. Du kannst gut mit Menschen zusammenarbeiten und die Person sein, die sagt, wo es langgeht. Dafür wirst du im Zweifel bezahlt.
Gerade wer neu in der Führungsrolle ist, spürt diese Spannung oft besonders deutlich. Im Führungskräftetraining REFLECT arbeiten wir genau an dieser Haltung.
Intentionale Führung macht deine Absicht sichtbar
Was dabei hilft, ist intentionale Führung. Jörg beschreibt, wie das klingen kann. „Liebes Team, mir ist total wichtig, dass wir bei diesem Projekt exzellent sind. Mit exzellent meine ich, dass wir das und das erreichen, und darunter möchte ich es nicht machen. Ich sage das für das bestmögliche Ergebnis und die beste Erfahrung für unsere Kunden.“
Die Erfahrung der beiden ist, dass die meisten Menschen im Team dann verstehen, warum du den Finger wieder in die Wunde legst. Du bist deshalb kein Arschloch. Jörg ergänzt, dass niemand gern schuld ist, wenn etwas noch nicht gut genug ist. Richtest du den Blick darauf, wofür ein Ergebnis einzahlt, gehen die wenigsten in den Verteidigungsmodus. Sie schauen nach vorne und sagen dir, was sie für den nächsten Schritt brauchen, mehr Stunden, bestimmte Kompetenzen oder Budget.
Arne erinnert außerdem daran, dass du im Business meist nichts Unmenschliches verlangst. Für die Leistung, die du einforderst, gibt es Gehalt und Urlaub, so steht es im Arbeitsvertrag. Das kannst du klar sagen, ohne die Ebene des Respekts zu verlassen. Du kannst hierarchisch vorgesetzt sein und dich zwischenmenschlich trotzdem auf Augenhöhe bewegen.
Schuldgefühle, Konsequenzen und das Fähnchen im Wind
Viele Führungskräfte, mit denen Arne und Jörg arbeiten, fühlen sich schuldig, wenn sie klar auftreten. Etwa wenn sie angekündigt haben, sich bei ausbleibender Verbesserung von jemandem zu trennen, und das dann auch umsetzen. Arne unterscheidet hier sauber zwischen Schuld und Konsequenz. Schuldgefühle hast du vielleicht zu Recht, wenn du willkürlich handelst, so wie früher ein Lehrer, der jemanden an die Tafel zitierte, um ihn bloßzustellen. Sagst du dagegen, dass jemand nur weiterarbeiten kann, wenn er bestimmte Bedingungen erfüllt, und ziehst die angekündigte Folge, ist das eine erklärte Konsequenz. Dieses Gespräch kannst du im DialogLab mit KI-Charakteren durchspielen, bevor es ernst wird.
People Pleaser bewegen sich oft wie ein Fähnchen im Wind. Sie stellen die Teammeinung über ihre eigene und treffen gute Entscheidungen nicht, sobald einzelne dagegen sind. Auch dieser Deal geht selten auf. Manche Mitarbeitende fragen sich irgendwann, warum diese Person eigentlich Führungskraft ist und keine klare Richtung vorgibt. Andere ärgern sich, dass bei einem Kollegen, der allen zur Last fällt, nie eine unangenehme Entscheidung fällt.
Wenn dich ohnehin ein Teil der Leute ablehnt, kannst du auch das Richtige tun.
Arne sagt es deutlich. Als Mensch wirst du Ablehnung erfahren, als Führungskraft noch zehnmal mehr, weil du Entscheidungen triffst. Dann bist du wenigstens wirksam. Und alle, die selbst Lust auf bessere Ergebnisse haben, folgen dir genau deshalb.
Jeder sieht dich durch die eigene Brille
Jörg hält einen Punkt für so wichtig, dass er ihn wiederholt. Menschen beurteilen dein Verhalten immer durch ihre eigene Brille. Der eine feiert dich, der andere lehnt dich ab, und darauf hast du kaum Einfluss. Arne nennt ein Beispiel. Kündigst du jemandem rechtzeitig an, dass er bei gleichbleibender Leistung gehen muss, finden manche das hart. Trennst du dich ohne Vorwarnung, finden andere genau das unmöglich. Wie du es machst, ist für irgendwen falsch.
Deshalb taugt Beliebtheit schlecht als Kriterium für Führung. Arne glaubt, dass die beliebtesten Führungskräfte selten die besten sind, auch wenn er das nicht kausal verstanden wissen will. Wer Beliebtheit über Wirksamkeit stellt, entscheidet tendenziell für Beliebtheit. Jörg ergänzt, dass die wirksamsten Führungskräfte oft die klarsten sind, gegenüber Mitarbeitenden, Peers, Vorgesetzten und Kunden. Dort entsteht am wenigsten Unsicherheit, und jeder weiß, woran er ist.
Als Beispiel nennen die beiden die Antrittspressekonferenz von Jürgen Klopp als Bundestrainer. Er hat den Medien klar gesagt, dass er weg ist, wenn sie seine Familie nicht in Ruhe lassen. Trotzdem ist er für die allermeisten Fußballinteressierten der Wunschtrainer. Mehr dazu hörst du in der Folge über den Führungsstil von Jürgen Klopp. Auch das ist keine Kausalität, betont Arne. Es gab sicher Leute, die das doof fanden. Du darfst polarisieren.
Geh für Wirksamkeit und nimm das Risiko in Kauf
Arne geht es dabei um Bereitschaft. Du musst dich nicht mit jedem anlegen. Wer aber wirksam sein will, wird es niemals allen recht machen können. Sag, was du erwartest, wie man gut mit dir zusammenarbeitet und wo deine Grenzen sind. Bewerte dich an deinen Ergebnissen. Die sind messbar und das Beste, was du dir an Reputation aufbauen kannst. Das ist immer günstiger, als Moral zum Kriterium zu machen.
Jörg rät, für das einzustehen, was dir wichtig ist, ob Standards oder ein bestimmtes Qualitätsniveau, und dafür auch das Risiko einzugehen, von Einzelnen als Arschloch wahrgenommen zu werden. Arne beruhigt. In den allermeisten Fällen treten deine schlimmsten Befürchtungen gar nicht ein. Kläre für dich, worum es dir wirklich geht und welches Risiko du für bessere Ergebnisse eingehen willst. Ein Gedanke aus einer frühen Folge passt dazu. Wer als Leader nur Applaus bekommt, macht was falsch.
Wenn du an dieser Klarheit arbeiten willst, ist das zwölfwöchige Leadership Training REFLECT ein guter Weg. Für ein konkretes Thema passt auch ein Führungscoaching. Soll sich in eurem Haus die Haltung mehrerer Führungskräfte verändern, begleiten wir das als Inhouse-Training. Und die nächste klare Ansage kannst du vorher im Gesprächstraining üben.

