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Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst? Welche Überzeugung dahinter steckt, warum ein Ja keine Zugehörigkeit kauft und wie du freundlich und klar absagst.

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  • 00:00
    Start der People Pleaser SerieWarum es vielen Führungskräften so schwerfällt, Nein zu sagen, und welche Befürchtung dahinter steckt.
  • 03:16
    ErkennungszeichenSofortjasager, Dauergast in Meetings, lange Ausreden, Wochenendarbeit und Stress im Körper.
  • 08:13
    Woher die Angst kommtWie frühe Erfahrungen von Ausgrenzung zu einer wirkmächtigen Überzeugung werden.
  • 10:31
    Eine neue StandardantwortWie du Reiz und Reaktion trennst und bewusst entscheidest, ob du etwas übernimmst.
  • 12:47
    Ein Ja ist kein DealWarum Gefälligkeiten keine Zugehörigkeit garantieren und manchmal sogar das Gegenteil bewirken.
  • 14:40
    WahlfreiheitWarum echte Freundlichkeit auch dir selbst gegenüber gilt.
  • 16:45
    Nein sagen zum ChefMuster erkennen, Konsequenzen transparent machen und mit der Skala nachfragen.
  • 22:12
    Lieber selbst machen als führenWenn Führungskräfte Arbeit an sich ziehen, um kritische Gespräche zu vermeiden.
  • 27:30
    People Pleaser im TeamWie du Mitarbeitende einlädst, besser für sich zu sorgen, und warum die Überzeugung dahinter verändert werden muss.
  • 31:16
    Ein Nein als Ja formulierenEin praktischer Satz, mit dem dein Nein leicht ankommt.

Shownotes

Zum Nachlesen

Nein sagen lernen: Erkennst du dich wieder?

Jemand fragt, ob du kurz etwas übernehmen kannst, und du hast schon Ja gesagt, bevor du überhaupt weißt, worum es geht. Kennst du das? Dann bist du vielleicht das, was Arne Stoschek und Jörg Kundrath einen Sofortjasager nennen. Vielen Führungskräften ist es besonders wichtig, gemocht zu werden, gerade von den eigenen Mitarbeitenden. Mit Ablehnung können sie schlecht umgehen, und sie sagen zu Dingen Ja, zu denen sie lieber Nein sagen würden.

Mit dieser Folge startet im Podcast Wirksam führen eine Serie über People Pleaser in fünf Teilen. Los geht es mit dem Neinsagen und der Überzeugung, die oft dahinter steckt. Wenn ich Nein sage, werde ich abgelehnt, dann mögen mich die Leute nicht mehr, dann gehöre ich nicht mehr dazu. Wie People Pleasing deine Führung insgesamt prägt, beschreiben die beiden in der Folge People Pleasing stoppen.

Die beiden nennen ein paar Erkennungszeichen. Du nimmst an fast jedem Meeting und Event teil, aus Angst, etwas zu verpassen oder dass andere denken, du interessierst dich nicht. Statt einfach Nein zu sagen, erfindest du Ausreden oder erklärst dich lang und breit. Die Tante hat Geburtstag, du musst noch in die Stadt, das Sakko passt nicht mehr. Du arbeitest abends oder am Wochenende, weil du für Kollegen kleine Gefallen übernommen hast, und hast plötzlich zehn oder zwanzig Stunden mehr auf der Uhr. Und dein Körper reagiert mit Stress, sobald du nur ans Absagen denkst. Herzrasen, schwitzige Hände, es schlägt dir auf den Magen, der Brustkorb zieht sich zusammen.

Die Hoffnung dahinter ist, dass ein Ja dir Zugehörigkeit sichert. Die Folge ist oft, dass du dich selbst ausbeutest oder ausgebeutet wirst. Und dass du Respekt verlierst, vor dir selbst und bei anderen.

Woher die Angst vor Ablehnung kommt

Das Wort Nein bekommen die meisten problemlos über die Lippen, das zeigt sich auch im Training. Was wirkt, ist eine Überzeugung, die du irgendwann in Kindheit oder Jugend gebildet hast. Vielleicht durftest du beim Sport in der Schule nicht mitmachen, weil du nicht mit aufgebaut hast. Vielleicht hast du nur beobachtet, wie jemand ausgeschlossen wurde, weil er zu etwas nicht Ja gesagt hat. So etwas kann sich einbrennen und wirkt dann wie ein Gesetz. Es entsteht eine Empfindlichkeit für Ablehnung. Überall, wo du Ablehnung witterst, sagst du vorsorglich Ja.

Hilfreich ist, sich bewusst zu machen, dass ein Nein heute keine existenzielle Bedrohung mehr ist. Du bist ein autonomer Erwachsener und kommst allein gut klar. Ob dich jemand zum Bowling einlädt oder nicht, ändert an deinem Leben nichts.

Wer reflexhaft Ja sagt, kann sich eine neue Standardantwort angewöhnen. „Da muss ich drüber nachdenken.“ „Moment mal.“ „Ich melde mich gleich bei dir.“ „Können wir das in einer halben Stunde besprechen?“ So trennst du Reiz und Reaktion und kannst prüfen, ob du das wirklich willst, ob du es kannst, ob du die beste Lösung bist und ob es in deinem Team jemand anderen dafür gibt.

Natürlich kann es passieren, dass jemand dein Nein doof findet oder du von einem Projekt später erfährst. Die Ablehnung, vor der du Angst hast, kann eintreffen. Die Frage ist, was du dafür gewinnst. Einen entspannten Abend vielleicht oder eine Stunde für konzentrierte Arbeit an einem anderen Thema. Entscheidend ist, dass du merkst, dass du überhaupt eine Wahl hast.

Ein Ja kauft dir keine Zugehörigkeit

Bei vielen Jasagern schwingt ein unausgesprochener Deal mit. Ich sage Ja, dafür gehöre ich dazu und werde gemocht. Das ist keine Kausalität, und eine Vereinbarung darüber gibt es auch nicht. Du kannst jemandem zehn Gefallen tun und wirst trotzdem nicht zum Bowling eingeladen. Es kann sogar das Gegenteil passieren. Wer immer aus Nettigkeit Ja sagt, gilt bei manchen irgendwann als der, dem man alles aufdrücken kann. „Den können wir alles fragen, der macht das weg.“ Wie solche stillen Deals in der Führung funktionieren, hörst du auch in der älteren Folge Erpressbar aus Angst, dass Mitarbeiter kündigen.

Freundlichkeit beinhaltet immer Wahlfreiheit, auch dir selbst gegenüber.

Arne greift dazu einen Satz auf, den viele kennen. Ich bin einfach zu nett für diese Welt. Für ihn ist das eine Geschichte, die man sich selbst erzählt. Wer wirklich nett wäre, wäre auch nett zu sich. Freundlichkeit heißt, jemandem die Wahl zu lassen. Du kannst gern Ja sagen, und Nein ist auch okay. Im Arbeitsalltag ist selten etwas ein klarer Auftrag ohne Diskussion. Oft geht es um Teilaufgaben, die jemand freiwillig übernimmt.

Viele People Pleaser denken Nein, sagen Ja und machen die Aufgabe dann mit der Faust in der Tasche. Genervt, erschöpft, ein bisschen leidend, damit alle sehen, wie überarbeitet sie sind. Das merken die anderen, und allein das ist schon nicht nett. Wenn du dagegen bewusst abwägst, was beide Wege kosten, ob du länger sitzt, ob du abends noch entspannen kannst, und dann gern Ja sagst, ist alles in Ordnung.

Nein sagen zum Chef

Jörg lenkt den Blick auf Muster. Vielleicht fällt dir das Nein bei deinen Mitarbeitenden und bei Kollegen auf gleicher Ebene leicht, und sobald die Chefin etwas will, geht der Puls hoch und du fängst an zu schwitzen. Dann steckt vielleicht eine erlernte Angst vor einer Reaktion dahinter, die du bei einer Autorität einmal erlebt hast. Arne sieht darin einen Beleg, dass du die Kompetenz zum Nein längst hast. Offen ist meist nur die Überprüfung deiner Befürchtung. Frag ganz sachlich, was die Konsequenz wäre.

Mach Konsequenzen transparent. „Wenn ich dazu Ja sage, verschiebt sich das andere Projekt um ein, zwei Wochen, oder ich arbeite diese Woche zehn bis zwanzig Stunden mehr. Willst du das?“ Erwarte von der Geschäftsführung keinen Akkubalken über jeder Führungskraft, auf dem sie sieht, wer im roten Bereich ist. Deine Belastungsgrenze anzusprechen ist deine Verantwortung. Oft heißt die Antwort dann einfach, dann priorisieren wir um.

Eine starke Rückfrage ist die Skala. Wie wichtig ist dir die Aufgabe von 1 bis 10? Oft stellt sich heraus, dass es nur ein laut ausgesprochener Gedanke war. Du kannst die neue Aufgabe auch direkt neben dein aktuelles Projekt stellen. Ist sie nur eine 6, schiebst du sie nach hinten. Den Satz mit den Konsequenzen kannst du im Gesprächstraining so lange üben, bis er dir locker über die Lippen geht.

Wenn Führungskräfte lieber selbst machen

Es gibt noch eine Spielart, gerade bei High Performern. Sie übernehmen Arbeit, die eigentlich delegiert ist, weil sie Enttäuschung vermeiden wollen. Die Chefin soll ja nicht denken, man habe sein Team nicht im Griff. Für People Pleaser ist es oft leichter, noch eine Aufgabe auf den eigenen Stapel zu legen, als ein kritisches Gespräch zu führen. „Die Qualität hat nicht gestimmt. Was fehlt dir? Traust du dir das zu?“ Statt dieses Gesprächs entsteht eine Scheinharmonie, über die die beiden in der nächsten Folge der Serie ausführlich sprechen. Wie Unentbehrlichkeit dich am Ende austauschbar macht, zeigt die Folge über das Helfer Syndrom.

Viele Führungskräfte, gerade in Professional Service Unternehmen oder im E-Commerce, arbeiten selbst noch operativ mit. Mach dir trotzdem bewusst, wofür du bezahlt wirst. Fürs Führen. Wenn du es selbst machst, wird dein Team nicht besser, und beim nächsten Mal kann die Person es immer noch nicht. Deine Leute müssen wissen, wo sie stehen. Auch hier hilft die Skala. „Ich bin gerade bei einer 6 mit dir zufrieden, ich brauche mindestens eine 9, und ich kann dir genau zeigen, was mir gefehlt hat.“ Danach geht es darum, die Person zu entwickeln, zu begleiten und in die Verantwortung zu nehmen.

Jörg gibt einen Tipp für Führungskräfte, die People Pleaser im Team haben. Sprich sie direkt an. „Wenn du in diesem Meeting nicht dabei bist, ist das völlig fein, ich will dich nur dabei haben, wenn du etwas beitragen kannst.“ Oder nach dem Messetag. „Wer heute Abend nicht mitkommen will, hat dadurch absolut keinen Nachteil.“ Damit sprichst du aus, was in den Menschen vorgehen könnte, und lädst sie ein, auf sich zu achten. Wenn ihr so eine Kultur im ganzen Unternehmen aufbauen wollt, kann eine Führungskräfteentwicklung im Unternehmen helfen.

Die Überzeugung verändern und freundlich Nein sagen

Für das Symptom gibt es viele Rezepte im Netz. Solange die zugrunde liegende Überzeugung bleibt, wirst du trotzdem eher Ja als Nein sagen und unter der Selbstausbeutung leiden. Genau daran arbeiten Arne und Jörg im Leadership Training REFLECT und im Coaching. Du findest heraus, wie dein innerer Satz lautet, wo er herkommt und ob du ihn als Erwachsener anders bewerten kannst. Danach hilft eine Methode wie die neue Standardantwort, die du ein paar hundert Mal einübst. Jasagen ist ein Tun, das du verändern kannst, auch wenn es sich wie ein Charakterzug anfühlt.

Zum Schluss gibt einer der beiden noch einen Tipp aus dem eigenen Alltag. Er macht sich bewusst, wozu er eigentlich Ja sagt, und spricht es aus. „Bitte versteh das nicht als Nein zu dir. Es ist ein Ja zu meinem Projekt, das ich richtig gut abschließen will.“ Oder ein Ja zu Zeit mit der Familie. Nach seiner Erfahrung hat das noch nie jemand negativ aufgenommen, und es steht danach nichts zwischen den Beteiligten.

Wenn du so einen Satz das erste Mal sagen willst, probier ihn vorher im DialogLab aus. Im Führungstraining übst du das Nein dann mit anderen Führungskräften. Und in den kostenlosen Webinaren lernst du die Haltung von MINDSET MOVERS erst einmal unverbindlich kennen.

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