Der Führungsstil von Jürgen Klopp und was du davon lernen kannst
Als klar wurde, dass Jürgen Klopp Nationaltrainer wird, haben sich fast alle gefreut, die Jörg kennt. Egal wie nah sie am Fußball sind. Leute hatten plötzlich wieder Lust auf die Nationalmannschaft. Allein seine Ernennung hat Begeisterung ausgelöst. Für Arne und Jörg, beide große Fußballfans und Klopp Fans, ist das Anlass genug, genauer hinzuschauen. Was macht den Führungsstil von Jürgen Klopp so stark, und was davon kannst du als Geschäftsführer oder Führungskraft in deinem Unternehmen nutzen?
In dieser Wunschfolge vom Podcast Wirksam führen analysieren die beiden aus der Außenperspektive, was Klopp in seinen Clubs gelungen ist. Jörg hat dafür auch das Buch „Ich mag, wenn es kracht“ gelesen, eine Beschreibung von Wegbegleitern. Arne betont, dass du kein Fußballfan sein musst, um etwas mitzunehmen. Vieles lässt sich gut auf Führung in Unternehmen und in Gruppen übertragen.
Haltung zuerst, dann Commitment
Klopp ist selbst unfassbar begeisterungsfähig, und man kauft ihm ab, dass er für seine Sache brennt. Arne fällt auf, dass er Zuversicht ausstrahlt, ohne Zuversichtsreden zu halten. Er sagt eher kritische Dinge und nimmt Erwartungen zurück. Trotzdem wirkt es, als habe er einen ganz klaren Plan. Genau deshalb folgen ihm Menschen gern.
Für Jörg ist der Kern seine Haltung. Klopp lebt vor, was er sagt. Wenn er etwas macht, dann macht er es all in. Nationaltrainer zu werden war für ihn schon lange denkbar, und er wurde auch angefragt. In Liverpool hat er trotzdem abgelehnt, weil er sich dem Verein verschrieben hatte. Drunter macht er es nicht. Und das erwartet er auch von den Menschen, die mit ihm unterwegs sind, vom Staff bis zu den Spielern.
Arne zieht daraus eine Lehre für Führungskräfte. Viele wollen Commitment von ihren Leuten. Die Reihenfolge ist aber eine andere. Du kannst Commitment nur dann verlangen, wenn du selbst maximal committed bist. Dann lebst du es vor und kannst es als Auswahlkriterium nutzen. Wer nicht mit derselben Energie dabei sein will, gehört dann auch nicht ins Team. Wie du echte Zusagen statt eines schnellen Ja bekommst, hörst du in der Folge über Commitment in der Führung.
Neugier und Wir-Gefühl über Grenzen hinweg
Jörg erzählt, was Klopp zwischen dem ersten und zweiten Bundesligaspieltag gemacht hat. Er war bei Bayern, einen Tag später in Stuttgart, dann in Mainz und Frankfurt. Er wollte verstehen, welche Aufgaben die Vereinstrainer ihren Spielern mitgeben, um die Spieler wirklich beurteilen zu können. Daten und Reports reichen ihm dafür nicht. Er spricht eine Stunde oder länger mit den Trainern und schaut sich das Training an. Jeder Spieler, der später eingeladen wird, weiß dann, dass er mit 70 Prozent nicht durchkommt.
Oft wird das als Nahbarkeit beschrieben. Arne sieht vor allem, dass Klopp sich die Zeit nimmt, weil ihm das Verstehen wichtig ist. Gleichzeitig sagt er damit, dass er nicht gegen die Vereinstrainer arbeitet. Jörg weist auf den Zielkonflikt hin. Der Vereinstrainer will, dass sein Spieler bei ihm Topleistung bringt und sich in der Nationalmannschaft nicht verletzt. Indem Klopp den Dialog sucht, entsteht ein Wir-Gefühl über Grenzen hinweg. Die Vereinstrainer sprechen in den höchsten Tönen über die Besuche.
Arne erzählt eine Geschichte aus Liverpool. In der Premier League tauschen neue Manager oft auch die Mitarbeiter im Verein aus. Klopp spürte in den ersten Wochen eine seltsame Zurückhaltung. Als er hörte, dass die Leute auf ihren Rauswurf warteten, sagte er sinngemäß: Wir sind doch alle Mitarbeiter des Liverpool FC, ich will das gemeinsam mit euch machen. Diese Haltung schafft schnell Vertrauen und nimmt Angst. Bemerkenswert findet Arne auch, wie wertschätzend Pep Guardiola über Klopp spricht, obwohl kaum ein Trainer ihn so oft geschlagen hat. Wie du im Alltag gelassener mit Reibung umgehst, wenn du von Klopp lernst, besprechen die beiden auch in der Folge über nervige Kollegen und unnötige Diskussionen.
Gegenpressing als Führungsprinzip
Arne beschreibt, wie Veränderung aus Sicht von MINDSET MOVERS funktioniert. Viele wollen sofort die Verhältnisse in der Organisation ändern. Es funktioniert in einer anderen Reihenfolge. Aus Haltung wird Verhalten, und aus Verhalten werden Verhältnisse. Wer einen Veränderungsprozess im Unternehmen anstoßen will, fängt deshalb bei der eigenen Haltung an.
Klopps Gegenpressing ist dafür ein gutes Beispiel. Nach einem Ballverlust versucht die Mannschaft sofort, den Ball zurückzuerobern. Klopp selbst nennt das seinen Heavy Metal Fußball. Er ist super aufwendig, super anstrengend und funktioniert nur, wenn jeder mitmacht. Wenn einige nicht mitpressen, entsteht eine Lücke, und man wird überspielt. Arne vermutet, dass das für Klopp weit über Taktik hinausgeht. Die besten Gegenpressing Teams brauchen das beste Mannschaftsgefühl, Leute, die einander ohne nachzudenken helfen, auch abseits vom Platz.
Egal wer bei uns den Ball verliert, ich gehe trotzdem voll mit drauf.
Jörg übersetzt das in kollektive Verantwortung. Ein Spieler könnte sagen, der Kollege hat den Ball verloren, soll er seinen Fehler selbst ausbügeln. Das wäre Denken in Schuld. In Klopps Teams geht jeder mit drauf. Arne überträgt das auf Unternehmen. Ein Fehler wird sofort korrigiert, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und ohne erst zu fragen, wem er passiert ist. Jörg spitzt das zu. „Da ist ein Fehler passiert, lass ihn uns gemeinsam korrigieren.“ Wenn Leute spüren, dass Fehler kein Drama sind, weil sich alle um die Lösung kümmern, wird das Team stärker. Wie so eine Haltung im Alltag aussieht, hörst du in der Folge zur Fehlerkultur.
Jörg erinnert außerdem daran, dass Klopp in Liverpool Spieler geholt hat, bei denen viele zweifelten, ob sie gut genug sind. Er hat nach Haltung und Mentalität ausgewählt. Arne nennt das Hiring for attitude, training for skills. Für dich als Führungskraft kann es wichtiger sein, Leute ins Team zu holen, die deine Haltung mittragen, als nur mit den talentiertesten zu arbeiten. Wie du dein Unternehmen insgesamt wie einen Profi-Sportclub aufstellst, besprechen die beiden in der Folge über Unternehmenskultur und Exzellenz.
Experten vertrauen und Skeptiker überzeugen
Klopp weiß, was er kann und was nicht. Jörg beschreibt, wie sehr er den Experten in seinem Trainerteam vertraut und Bereiche abgibt, in denen andere besser sind. Beim DFB hat er seinen langjährigen Manager ins Trainerteam geholt, der sich um Organisation und strategische Themen abseits des Platzes kümmert. Für dich heißt das, die richtigen Leute auszuwählen und ihnen dann zu vertrauen. Arne ergänzt, dass es leicht ist, Menschen zu vertrauen, die eine ähnliche Haltung haben und genauso committed sind.
Dazu kommt ein Satz, den Arne an Klopp besonders mag. From doubters to believers, von Skeptikern zu Überzeugungstätern. In Liverpool hatte der Verein seit Jahrzehnten keine Meisterschaft gewonnen, und Skepsis war die Grundhaltung bei Fans, Spielern und Management. Klopp sagte schon in seiner Antrittsrede, dass sie in den nächsten Jahren einen Titel holen werden. Er glaubt selbst daran, und man kauft es ihm ab. Darum glauben auch andere wieder daran, über sich hinauszuwachsen. Über sich hinauswachsen musst du nur als Underdog, und genau das macht seine Geschichten in Mainz, Dortmund und Liverpool so besonders.
Nähe und Klarheit schließen sich nicht aus
Arne findet diesen Punkt für viele Führungskräfte am spannendsten. Viele sehnen sich nach Nähe zu ihren Mitarbeitenden, wollen weg von Command and Control und fürchten, als zu dominant wahrgenommen zu werden. Klopp zeigt, dass beides zusammengeht. Er interessiert sich für Persönliches, nimmt Spieler bei der Auswechslung in den Arm und ist zugleich maximal klar in seiner Ansprache. Wer bei ihm im Training kein Gegenpressing spielt, hat ihn sofort im Nacken. Auch den Journalisten hat er bei seiner Antrittspressekonferenz klar gesagt, wo seine Grenzen sind. Diese Klarheit gibt Orientierung, und Arne vermutet, dass ihm Menschen gerade deshalb gern folgen.
Klopp führt Spieler außerdem individuell, weil er überzeugt ist, dass jeder etwas anderes braucht. In Mainz und Dortmund hat er mit dem Reiss Motivation Profile gearbeitet, um zu verstehen, was Menschen innerlich antreibt. Dem einen ist die Familie wichtig, dem anderen eine Führungsrolle, dem dritten die Note in der Zeitung am Sonntag. Das Instrument ist auch Teil des Trainings von MINDSET MOVERS, etwa im Leadership Training. Wie sich Nähe und eine klare Ansage in einem echten Gespräch verbinden lassen, kannst du im DialogLab ausprobieren. Um die Frage, ob dir Respekt oder Sympathie wichtiger sein sollte, geht es in der Folge Respekt oder Sympathie.
Die beiden vermuten, dass Klopp sich an einem langfristigen Gradmesser orientiert. Wie steht Deutschland in den nächsten Jahren in der Weltrangliste da, spielt die Mannschaft strukturell besseren Fußball? Dazu passt ein Satz, den Klopp am Ende in Liverpool gesagt hat. Entscheidend ist, was die Menschen über dich sagen, wenn du wieder gehst. Wer Lust auf einen Gänsehautmoment hat, schaut sich seinen Abschied an. Die Fans sangen seinen Namen, und Klopp nahm das Mikrofon und stimmte einen Gesang auf seinen Nachfolger Arne Slot an. Er hinterließ ein funktionierendes System. Wenn du deine eigene Haltung als Führungskraft so entwickeln willst, findest du im Führungskräftetraining REFLECT den Rahmen dafür, und die Gespräche, in denen Nähe und Klarheit zusammenkommen, kannst du als Gesprächstraining üben.

