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Warum nerven dich manche Kollegen? Arne und Jörg zeigen, wie das Reiss Motivation Profile Unterschiede verständlich macht und wie Jürgen Klopp es genutzt hat.

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  • 00:00
    Nervige KollegenWarum manche Menschen dich mehr nerven als andere.
  • 01:28
    Die eigene BrilleWie du andere durch deine eigenen Bedürfnisse bewertest.
  • 03:37
    Das Reiss Motivation ProfileWas Steven Reiss erforscht hat und wie die 16 Motive funktionieren.
  • 04:34
    Vom Erbsenzähler zur BremseWie aus Andersartigkeit eine negative Unterstellung wird.
  • 07:16
    Kein Motiv ist gut oder schlechtWarum jedes Motiv ein Spektrum mit Vor und Nachteilen ist.
  • 09:35
    Ordnung oder FlexibilitätEin Motiv, zwei Seiten und warum beide wertvoll sind.
  • 12:29
    Nutzen für FührungskräfteSelbstführung, Bedienungsanleitung und stärkenorientierte Führung.
  • 14:05
    Beispiel aus einem TeamWie ein Team die extrovertierte Kollegin als Brücke zu anderen Abteilungen gewann.
  • 15:51
    Wenn Motive im Weg stehenWie das Motiv Anerkennung klare Ansagen erschweren kann.
  • 20:03
    Jürgen KloppWie Klopp das Profil nutzte, um seine Spieler wirksam anzusprechen.

Shownotes

Zum Nachlesen

Nervige Kollegen: Warum dich manche Menschen mehr aufregen als andere

Du hast Leute im Team, die dich mehr nerven als andere. Sie führen Diskussionen, die du für unnötig hältst, stellen lästige Nachfragen oder bremsen, wenn du loslegen willst. Und du verstehst nicht, warum sie so anders ticken. Arne und Jörg gehen in dieser Folge des Podcast Wirksam führen der Frage nach, woher das kommt und wie du als Führungskraft seltener mit nervigen Kollegen aneinandergerätst. Ihr Werkzeug ist das Reiss Motivation Profile, das auch Jürgen Klopp genutzt hat.

Die These der beiden ist unbequem. Oft liegt das Nervige weniger am anderen als an deinem Blick auf ihn.

Du schaust durch deine eigene Brille

Jörg beschreibt den Mechanismus. Wir blicken auf andere durch unsere eigene Brille, also so, wie wir selbst ticken. Wer eher introvertiert und ruhig ist, empfindet sehr extravertierte Menschen manchmal als fremd. Dann erkennst du nicht, was dem anderen wichtig ist, und kannst seine Eigenschaften kaum wertschätzen, weil sie deinen eigenen Bedürfnissen im Weg stehen.

Arne geht einen Schritt weiter. Hinter der Brille steckt oft ein impliziter Anspruch. Andere hätten verdammt noch mal so zu sein wie ich, dann wäre es ja leicht. Er erwischt sich selbst immer wieder bei diesem Gedanken. Seine Erfahrung ist, dass er sofort entspannter, toleranter und weniger urteilend wird, sobald er etwas nachvollziehen kann. Im besten Fall wird er neugierig, wie jemand zu einer anderen Sichtweise kommt. Schwierig wird es, wenn darüber kein Dialog stattfindet. Passend dazu hörst du die Folge über den Mythos von der gemeinsamen Wellenlänge.

Vom Erbsenzähler zur Stärke

Arne holt das an einer typischen Situation ab. Da ist jemand, der es immer genau wissen will, Daten braucht, Planung und Struktur. Mit ihm kann man nie einfach loslegen. Schnell hast du einen abwertenden Begriff parat, der Erbsenzähler, die Bremse. Auf so eine Schlussfolgerung kommst du nur, weil du ihm etwas Negatives unterstellst. Der macht das gegen mich. Warum ist der nicht so pragmatisch wie ich?

Genau hier hilft das Reiss Motivation Profile. Der amerikanische Psychologe Steven Reiss hat erforscht, wann es für einen Menschen leicht und wann es schwer ist, also welche grundlegenden Motive ihn antreiben. Das Profil betrachtet 16 Motive. Für jedes bekommst du eine Einordnung auf einer Skala von wenig bis sehr ausgeprägt, dazu Erläuterungen, in welchen Situationen du was von anderen erwartest. MINDSET MOVERS nutzt es im zwölfwöchigen Leadership Training REFLECT.

Arne erinnert sich an seine erste Auswertung. Ihm ist ein Licht aufgegangen. An vielen Stellen dachte er „Stimmt, so ticke ich.“ Vor allem hat er verstanden, dass jedes Motiv ein Spektrum ist. Keine Ausprägung ist gut oder schlecht, jede hat Vorteile und in manchen Situationen Nachteile. Andere Menschen brauchen schlicht ganz andere Dinge, um entspannt und produktiv zu sein. Das hat ihm mehr Toleranz und Verständnis gegeben.

Ordnung oder Flexibilität: Ein Motiv, zwei Seiten

Jörg hat das Profil in seiner ersten Gründung kennengelernt. Er und sein damaliger Geschäftspartner Kai ließen es bei einem Trainer erstellen, um zu sehen, wo sie unterschiedlich ticken. Kai fiel es leichter, klare Ansagen zu machen. Jörg fiel es leichter, alle ins Boot zu holen und für Harmonie zu sorgen. Er war so begeistert, dass er das Profil ein Jahr später mit seiner Frau machte und sich zum Reiss Motivation Profile Master ausbilden ließ. Schwarz auf weiß fällt es leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein Beispiel ist das Motiv Ordnung. Wer es hoch ausgeprägt hat, liebt Struktur, Routinen und Planung. Am anderen Ende stehen Menschen, die Flexibilität und Spontanität lieben und zur Höchstleistung auflaufen, wenn etwas Ungeplantes passiert. Ein Team braucht beide, Menschen, die gerne planen, und Menschen, die es nicht stresst, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Arne und Jörg haben Ordnung beide wenig ausgeprägt. Sie lieben Veränderung und haben ein geringes Sicherheitsbedürfnis. Auf andere kann das chaotisch wirken.

Arne zeigt, wie sehr Sprache das Urteil prägt. Sagt jemand „Der Oliver ist total unstrukturiert“, klingt das nach Defizit. Weggelassen wird, dass Oliver Veränderung liebt, in unvorhergesehenen Situationen gut agiert und unter Stress handlungsfähig bleibt. Für diesen Blick brauchst du ein Modell, das auch die Seite wertschätzt, die du selbst nicht ausgeprägt hast.

Was das Reiss Motivation Profile deiner Führung bringt

Arne beobachtet bei den Führungskräften in den REFLECT Trainings mehrere Effekte. Das Profil hilft bei der Selbstführung, weil du erkennst, was du brauchst, um wirksam zu sein. Du kannst anderen eine Bedienungsanleitung für dich geben, wann es mit dir leicht ist und wann schwierig. Hat das ganze Team ein Profil, wird stärkenorientierte Führung möglich. Du verteilst Aufgaben passend, deckst Demotivatoren auf und kommunizierst klarer. Und alle sprechen über Motive und Antreiber dieselbe Sprache. Warum eine gemeinsame Sprache in der Führung so viel bewirkt, hörst du in einer eigenen Folge.

Jörg erzählt von einem Team, das er begleitet hat. Beim Motiv Beziehungen, also wie viel Kraft jemand aus dem Austausch mit anderen zieht, waren fast alle introvertiert. Eine Kollegin war sehr extrovertiert, und das Team hatte Schnittstellen zu vielen Bereichen im Unternehmen. „Möchtest du die Verbindung zu den anderen Abteilungen halten? Uns fällt das ehrlich gesagt schwer.“ Sie liebte genau das, ging gerne mit anderen Mittagessen und machte Termine. Für das Team war das eine große Erleichterung.

Das Profil zeigt dir auch, wo du an Grenzen stößt. Vielleicht willst du klarere Ansagen machen, und es gelingt dir nicht. Ist dein Motiv Anerkennung hoch ausgeprägt, machst du dir viele Gedanken, was deine Mitarbeitenden über dich denken. Das kann dir im Weg stehen. Wenn du das weißt, findest du leichter einen Umgang damit. Wie du Durchsetzungskraft aufbaust, besprechen Arne und Jörg in einer eigenen Folge.

„Worum geht es dir?“ Diskussionen neu verstehen

Bei Arne ist das Motiv Ehre wenig ausgeprägt. Er orientiert sich eher an eigenen Werten als an Traditionen. Funktioniert ein Prozess für ihn nicht mehr, stellt er ihn infrage. Menschen mit hoher Ausprägung gehen den Prozess weiter, weil er immer so funktioniert hat. Spannend findet er, dass Werte, die bei ihm neutral sind, für andere ultra wichtig sein können. Seit er das weiß, ist er toleranter, wenn ihm Diskussionen unnötig vorkommen, und stellt die Frage „Worum geht es dir denn?“

Wie beim Streit zu Hause um die falsch ausgedrückte Zahnpastatube geht es selten um die Sache. Meist geht es darum, welche Motive und Werte erfüllt sind und welche nicht. Im Training lernen die Führungskräfte deshalb, mit konkreten Beispielen zu sagen, wann ein Wert für sie erfüllt ist. „Mir ist Ordnung wichtig“ kann heißen, dass du dich hundertprozentig an den Prozess halten sollst. Oder dass eine Einladung ohne Agenda nicht funktioniert. Solche Klärungsgespräche kannst du im DialogLab üben.

Wie Jürgen Klopp das Reiss Motivation Profile nutzte

Das Tool wird auch im Sport eingesetzt. Einer der bekanntesten Nutzer ist Jürgen Klopp, der in Mainz, Dortmund und Liverpool großartige Arbeit geleistet hat. Er wollte das Profil von allen seinen Spielern kennen. Mehr über seinen Führungsstil hörst du in der Folge über Jürgen Klopp.

Jörg erklärt am Motiv Status, warum das einen Unterschied macht. Sagst du einem Spieler, dem Status unwichtig ist, „Streng dich an, dann stehst du morgen in der Elf des Tages“, verpufft die Ansage. Ist ihm Familie wichtig und du sagst „Heute sitzen deine Kinder und deine Frau im Stadion, und deine Lieblingstante aus Italien ist zum ersten Mal seit drei Jahren da“, berührt ihn das. Wenn alle ihr Profil kennen und der Trainer differenziert darüber spricht, beginnen auch die Spieler anders zu denken.

Dann wird aus einer Schwäche, die du jemand anderem unterstellt hast, in einer anderen Situation eine Stärke.

Klar kostet so ein Profil Zeit und Geld. Die Abkürzung kommt danach. Ihr führt weniger Streitgespräche, redet nicht mehr aneinander vorbei, löst Konflikte leichter und kommuniziert Erwartungen klarer. Und es fällt dir leichter, Menschen zu motivieren oder verdeckte Motivation wieder aufzudecken. Im Führungstraining REFLECT ist das Profil fester Bestandteil. Wenn du es für dein Team oder eure Geschäftsführung nutzen willst, sprich Jörg an, als Coaching oder im Rahmen der Führungskräfteentwicklung im Unternehmen. Das nächste schwierige Gespräch kannst du im Gesprächstraining vorbereiten.

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