Gemeinsames Führungsverständnis beginnt mit einer gemeinsamen Sprache
Ein gemeinsames Führungsverständnis wünschen sich viele Unternehmen. Woran du erkennst, dass ihr es habt, ist dagegen selten klar. Arne und Jörg geben in dieser Folge des Podcast Wirksam führen ein einfaches Kriterium an die Hand. Wenn alle Führungskräfte eine gemeinsame Sprache haben, mit der sie über Führung und Zusammenarbeit sprechen können, dann seid ihr einen großen Schritt weiter.
Arne beginnt mit einer Beobachtung, die jeder kennt. Jede Branche, in der Menschen arbeiten, hat eine eigene Sprache. Es gibt eine Marketingsprache und eine Finanzsprache. In der Stahlindustrie oder in der Automobilindustrie spricht man ebenfalls anders als anderswo. Über Fachthemen können sich Kolleginnen und Kollegen deshalb schnell und präzise verständigen.
Was vielen Unternehmen fehlt, ist eine gemeinsame Sprache über zwischenmenschliche Interaktion. Über die Zusammenarbeit, über das Gelingen von Führung und auch über das Nichtgelingen. Genau hier liegt ein Hebel, der oft übersehen wird.
Was Führungskräfteentwicklung nebenbei bewirkt
Arne beschreibt einen Effekt, den er für einen der relevantesten hält, wenn Unternehmen Führungskräfteentwicklungsprogramme mit MINDSET MOVERS machen. Er passiert quasi nebenbei. Die Führungskräfte sind danach in der Lage, über bestimmte Dinge in der Zusammenarbeit adäquat und klar miteinander zu sprechen. Sie können Dinge benennen, ohne jedes Mal weit auszuholen und alles zu erklären.
Das klingt unspektakulär. Im Alltag spart es aber enorm viel Zeit und Missverständnisse. Wenn zwei Führungskräfte dasselbe Wort für dasselbe Phänomen haben, reicht ein Satz, wo vorher ein langes Gespräch nötig war. Wie so ein Prozess im ganzen Unternehmen aussehen kann, beschreibt die Seite zur Führungskräfteentwicklung im Unternehmen. Und in der Folge über Leadership Development geht es ebenfalls darum, was solche Programme leisten können.
Beispiel Vollständigkeit: Steht noch etwas zwischen uns?
Arne bittet Jörg, ein Beispiel zu erklären, das in den Trainings oft fällt. Es geht um die Frage, ob zwei Menschen vollständig miteinander sind.
Jörg erklärt es so. Vollständigkeit bedeutet, dass zwischen zwei Menschen nichts mehr steht, was ihre Zusammenarbeit beeinträchtigt. Steht noch ein Vorwurf im Raum, ein Anspruch nach dem Motto „der müsste ja eigentlich“, oder etwas, das der andere gesagt hat und das dich verletzt hat, dann steht das zwischen euch. Vielleicht fühlst du dich subjektiv total ungerecht behandelt. Diesen Zustand nennen Arne und Jörg Unvollständigkeit.
Wer diese beiden Begriffe verstanden hat, kann am Ende eines Gesprächs einfach fragen, ob der andere damit vollständig ist. Die Antwort ist ja oder nein. Niemand muss groß ausholen. Natürlich könntest du auch fragen, ob noch irgendetwas zwischen euch steht. Wie du es nennst, ist am Ende zweitrangig. Entscheidend ist, dass Führungskräfte ein solches Konzept verstanden haben und einen Begriff dafür teilen. Dann wird der Begriff zur Abkürzung und hilft beim Verstehen.
Wie sich Harmonie und Vollständigkeit unterscheiden, greifen die beiden auch in der Folge über Harmonie und Vollständigkeit im Team auf.
Begriffe lenken deine Aufmerksamkeit
Ein Begriff erleichtert die Verständigung. Er richtet auch den Fokus. Erst wenn du einen Begriff kennst, beschäftigst du dich überhaupt mit der Sache dahinter. Sind meine Mitarbeitenden mit mir vollständig? Sind sie es untereinander? Sind sie es mit dem Unternehmen?
Daraus entsteht eine Wachheit dafür, dass im Idealfall Vollständigkeit herrscht, wenn zwei Menschen auseinandergehen. Und es entsteht ein Verständnis dafür, dass es deine Aufgabe als Führungskraft ist, danach zu fragen. Steht da noch etwas zwischen uns? Hast du noch ein komisches Gefühl? Ist irgendetwas für dich unklar, das unsere weitere Zusammenarbeit behindern kann?
Dazu gehört auch, die Tür offen zu halten. Wenn gerade nichts ist und später noch etwas kommt, dann soll dein Gegenüber wissen, dass es dich ansprechen kann. Sagt jemand ehrlich, dass er gerade nicht vollständig ist, dann ist das ein wertvoller Hinweis. Ihr müsst noch einmal ein klärendes Gespräch führen. Vielleicht nicht sofort, weil der Zeitpunkt oder die Stimmung gerade nicht passt. Du bist aber wach dafür. Wenn du solche Gespräche sicherer führen willst, hilft dir ein Gesprächstraining, in dem du genau diese Nachfrage üben kannst.
Wertschätzung für Andersartigkeit im Team
Jörg bringt ein zweites Beispiel für eine gemeinsame Sprache, die Wertschätzung für Andersartigkeit. Alle Menschen sind unterschiedlich. Sie stecken in unterschiedlichen Lebensphasen und haben unterschiedliche Qualitäten und Talente.
Er erzählt dazu ganz offen von sich und Arne. Wer den Podcast hört, merkt schnell, dass Jörg eher der Introvertierte ist und Arne eher der Extrovertierte, der deshalb auch deutlich mehr Redeanteil hat. Jörg fühlt sich in der Rolle des etwas Stilleren wohl und kann wertschätzen, dass Arne mehr redet.
Genau diese Haltung überträgt er auf den Führungsalltag. Deine Teammitglieder sind unterschiedlich, mit unterschiedlichen Qualitäten, Talenten und Herausforderungen. Die Frage lautet, was du daran wertschätzen kannst, auch wenn es nicht mit dem übereinstimmt, wie du selbst bist. Natürlich sind dir Menschen, die dir ähneln, auf den ersten Blick näher. Trotzdem lohnt es sich zu fragen, was du daran schätzen kannst, wenn sich jemand anders verhält als du.
Gleich und gleich gesellt sich gern
Arne macht deutlich, dass hinter jedem dieser Begriffe ein umfassendes Konzept steckt, ein Denkansatz oder ein Modell, das beschreibt, wie zwischenmenschliche Zusammenarbeit gelingt. In den Trainings, Seminaren und Online Trainings von MINDSET MOVERS werden diese Modelle vorgestellt, und die Teilnehmenden sammeln konkrete Beispiele aus ihrem Alltag. Im Leadership Training REFLECT ist das ein fester Bestandteil.
Bei der Andersartigkeit zeigt sich schnell, warum das nötig ist. Andersartigkeit geht Menschen oft auf den Keks. Der Volksmund sagt, gleich und gleich gesellt sich gern. Das heißt eben auch, dass dich die Andersartigkeit anderer triggern kann oder dass du sie ablehnst.
Arne nennt ein Beispiel. Wer in der Buchhaltung arbeitet und wer im Marketing arbeitet, ist oft grundverschieden. Der eine denkt strukturiert, der andere kreativ. Der eine ist geduldig, der andere ungeduldig. Das muss man miteinander hinbekommen. Wenn ihr den Gedanken der Wertschätzung für Andersartigkeit aber einführt, entsteht ein Bewusstsein dafür, dass es für richtig gute Ergebnisse als Team notwendig ist, unterschiedliche Menschen beisammen zu haben. Diversität wird dann zur Stärke. Wie du mit Menschen umgehst, mit denen du nicht auf einer Wellenlänge bist, hörst du auch in der Folge über den Mythos der gemeinsamen Wellenlänge.
Dieses Bewusstsein entsteht zuerst unter den Führungskräften. Danach tragen sie es in ihre Teams. Genau das passiert über Sprache und über die Benennung von Konzepten und Zusammenhängen.
Gemeinsame Sprache als Ausdruck von Haltung
Wenn in deinem Unternehmen davon gesprochen wird, dass ihr eine andere Kultur oder ein gemeinsames Führungsverständnis braucht, dann habt ihr hier einen Maßstab. Haben alle Führungskräfte eine Sprache, mit der sie über Führung und Zusammenarbeit sprechen können, ist ein wichtiger Schritt in eurer Führungskräfteentwicklung und in der Entwicklung eurer Kultur geschafft. Warum Kultur so viel Einfluss auf den Erfolg hat, besprechen Arne und Jörg in der Folge Erfolgstreiber Führung und Unternehmenskultur.
Jörg ergänzt am Ende einen Gedanken, den Arne ausdrücklich aufgreift. Vielleicht greift der Begriff Sprache zu kurz. Die Wertschätzung für Andersartigkeit ist eigentlich eine Haltung. Mit Sprache meinen die beiden deshalb Sprache und Haltung im gemeinsamen Führungsverständnis.
Sprache ohne Haltung wirkt aufgesetzt. Die Sprache ist der Ausdruck der Haltung.
Arne bringt es so auf den Punkt. Eine gemeinsame Sprache ohne die Haltung dahinter wäre fingiert. Es geht darum, eine gemeinsame Haltung zu Führung und Zusammenarbeit zu entwickeln und sie klar benennen zu können.
Wenn du das für dein Führungsteam angehen willst, gibt es mehrere Wege. Ein individuell zugeschnittenes Inhouse-Training bringt alle Führungskräfte auf dieselbe Grundlage. Wie so ein Programm entsteht, hörst du in der Folge über das Leadership Inhouse Training. Einzelne Führungskräfte können im Führungstraining REFLECT die Begriffe und die Haltung dahinter kennenlernen. Und die Frage nach der Vollständigkeit kannst du im DialogLab so lange üben, bis sie dir leicht über die Lippen geht.

