Unternehmenskultur auf Exzellenz ausrichten
„Wir sind wie eine Familie.“ Diesen Satz liest du auf Karriereseiten und auf LinkedIn, und du hörst ihn in Bewerbungsgesprächen, gerade in Teams mit zehn, zwanzig oder achtzig Leuten. Gemeint ist ein Versprechen, dass man sich hier wohlfühlen kann. Jörg möchte bei diesem Satz innerlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
In dieser Folge vom Podcast Wirksam führen erklären Arne und Jörg, warum es sinnvoller ist, die eigene Unternehmenskultur auf Exzellenz auszurichten und das Unternehmen kulturell wie einen Profisportclub zu führen. Und warum gerade diese Ausrichtung dazu führt, dass sich Menschen langfristig wohlfühlen, sich entwickeln und wachsen.
Warum der Familienvergleich hinkt
In der Familie hast du unkündbare Beziehungen. Mit Eltern, Geschwistern und Kindern bleibst du verbunden, egal was passiert. Im Unternehmen ist jede Beziehung kündbar. Mitarbeitende können gehen, du als Gründer kannst gehen, das Unternehmen kann schließen. Wer trotzdem von Familie spricht, suggeriert eine Bindung, die es nicht gibt. Das halten die beiden für ziemlich dysfunktional, weil dann alle glauben, sie seien für immer aneinander gebunden.
Oft steckt der Gedanke dahinter, Mitarbeitende müssten sich vor allem wohlfühlen und man möge sich eben. Die Frage ist, was ein Unternehmen eigentlich will. Exzellenz oder eine kuschelige Atmosphäre? Warum das Familienbild so oft in die Irre führt, besprechen die beiden auch in der Folge Unser Team ist wie eine Familie. Wirklich?
Ambition entscheidet, wie alt dein Unternehmen wird
Arne lenkt den Blick auf die Lebenserwartung von Unternehmen. Nur sehr wenige Firmen weltweit werden älter als 150 Jahre. Einige erreichen ein menschliches Greisenalter von 80 oder 90 Jahren. Die allermeisten sterben früher, und bei Start-ups ist die Kindersterblichkeit hoch. Viele erreichen das fünfte Jahr nicht, und nur wenige schaffen es vom fünften ins fünfzehnte oder fünfundzwanzigste Jahr.
Ein eingebauter Fehler ist fehlende Ambition. Wer wenig will, redet sich das Unternehmen schön und macht es kuschelig. Dabei wirkt ein Mechanismus. Menschen mit hoher Ambition wollen Gas geben, dazulernen und erfolgreich sein. Für Jammern und reine Problemorientierung haben sie wenig Toleranz. Merken sie, dass es keine Ambition, keine Entwicklung und kaum Erfolgsaussichten gibt, gehen sie. Übrig bleiben die, die sich schnell zufriedengeben, und mit ihnen spielst du immer wieder gegen den Abstieg.
Frag dich deshalb, wofür du als Unternehmer antrittst. Willst du eine Bude bauen, die du nach zehn Jahren verkaufst, und danach ist es egal? Oder willst du etwas bauen, das lange funktioniert? Wie Hunger eine Kultur prägt, hörst du in Hunger und Wille zur Höchstleistung. Und wenn du lernen willst, deine Ambition im Team klar zu vermitteln, ist das Führungstraining REFLECT ein guter Ort dafür.
Was Unternehmen vom Profisport lernen
Harry Kane hätte bei Tottenham bleiben können, mit vergleichbarem Geld und als Kapitän der englischen Nationalmannschaft. Er ist zum FC Bayern gewechselt, weil er gewinnen will. Dort herrscht eine Mentalität, in der niemand glücklich wird, der diese Haltung nicht teilt. Genau deshalb wirkt der Club wie ein Magnet auf Menschen mit dieser Haltung.
Beim BVB sehen die beiden das Gegenteil. Ein großer Verein mit viel Geld, in dem sich kaum jemand traut zu sagen, dass er Meister werden will. Diese Kultur wirkt auf High Performer wie Nico Schlotterbeck abstoßend. Wer gewinnen will, hat auf Dauer keine Lust, immer Zweiter zu werden. Haltung und Mentalität ziehen ein Team nach oben oder nach unten, auf dem Platz genauso wie im Büro. Wenn deine Top Performer gehen, spielst du womöglich um die Hälfte schlechter und nur noch im Mittelfeld mit.
Der SC Freiburg macht bei der Entwicklung von Spielern einen fantastischen Job. Das ist seine DNA, und dafür wird er gefeiert. Die Spieler, mit denen man deutscher Meister wird, bekommt er trotzdem eher nicht, weil er für etwas anderes antritt. Ein Verein wie St. Pauli, der Erfolg eher skeptisch sieht, zieht solche Spieler gar nicht erst an.
Ergebnisse sind eine Folge von Absicht. Wenn niemand aussprechen darf, dass ihr Meister werden wollt, wirst du es auch nicht, nicht einmal aus Überraschung. Jürgen Klopp ist in Dortmund und später in Liverpool mit dem erklärten Ziel angetreten, Titel zu holen. In Liverpool zu einer Zeit, in der der Verein lange nicht englischer Meister gewesen war. Mehr dazu hörst du in der Folge über den Führungsstil von Jürgen Klopp.
Gewinnen macht Spaß und verstärkt sich selbst
Deine Unternehmenskultur ist Ausdruck deiner Ambition. Menschen mit Winner-Mindset halten Gewinnen auch unter widrigen Umständen für möglich. Nirgendwo sind Sprünge so leicht möglich wie im Unternehmertum, wenn mehrere Dinge gleichzeitig gelingen. Dafür brauchst du Leute, die Lust auf Sprünge haben.
Eine Gewinnerkultur bedeutet keinen harten Ton. Gewinnen macht Spaß, und ein Team kann dabei eine richtig gute Zeit haben. Es ist sogar ein Flywheel, ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Um zu gewinnen, brauchst du Menschen, die dazulernen wollen. Und du brauchst ein System, in dem Entwicklungspfade transparent sind. Wenn jemand fragt, was sein nächster Schritt ist, solltest du antworten können.
Gute Leute kündigen, wenn ihnen das verwehrt bleibt oder wenn Menschen mit jammernder Haltung immer mitgeschleift werden. Warum gerade die Besten gehen, vertieft die Folge High Performer kündigt. „Bei uns nehmen wir jeden mit“ klingt freundlich, erzeugt aber Frust, weil Konsequenzen fehlen. Und dann gehen immer die agilsten Menschen.
In der Familienkultur bleiben Themen oft liegen, weil es um eine gute Zeit gehen soll. Jörg ist überzeugt, dass in einem Profisportclub Dinge angesprochen werden. „Das fand ich nicht in Ordnung. Wie machen wir es künftig besser?“ Da wird sich gerieben, auch mal emotional, immer mit der Absicht, das Thema zu lösen und besser zu werden. Fällt dir so eine Klärung schwer, kannst du im DialogLab das Gespräch üben, bevor du es führst.
In der Zielhierarchie steht das Gewinnen darüber, dass es mit jedem funktionieren muss. Das Wohl des Unternehmens ist wichtiger als das Schicksal des Einzelnen. Das erlaubt klare Bedingungen, und leistungsfähige Menschen erwarten genau die. Im Fußball heißt das, wer ständig ins Halbfeld läuft, statt die Linie runterzuspielen, wird ausgewechselt. Als Führungskraft gibst du eine Strategie vor und sorgst dafür, dass sie umgesetzt wird, auch wenn es nicht die beste Strategie der Welt ist. Wer dabei ständig Kompromisse macht und einknickt, bekommt selten ein besseres Ergebnis.
Gewinnmaximierung ohne schlechtes Gewissen
Klingt das nach Ausbeutung? Für Jörg ist es ein Gewinn für alle Seiten. Das Unternehmen gewinnt, Mitarbeitende entwickeln sich und können mehr verdienen, Kunden profitieren. Arne sagt ausdrücklich, dass es um Gewinnmaximierung geht. Inhaber, Gesellschafter oder Aktionäre haben ein Unternehmen gegründet oder finanziert, um Rendite zu machen. Das ist die Grundbedingung, bevor irgendjemand sonst teilhaben kann.
Mit einer Galeerentrommler-Attitüde und Zwang entwickelst du keine Leistungskultur.
Du musst mit den Menschen gut und funktional umgehen, damit sie sich gern einbringen. Beim FC Bayern verdienen die Spieler sehr gut, weil der Club so erfolgreich ist. Von Ausbeutung ist Deutschland mit seinem sozialen Netz weit entfernt, und eine Kultur nach Galeerenart würde die Leute ohnehin vertreiben.
Die Automobilindustrie zeigt, was passiert, wenn der Erfolg ausbleibt. Früher waren die Hersteller beliebte und sichere Arbeitgeber mit hohen Gehältern, Boni und Aufstiegschancen. Heute werden sie zurückgebaut, damit sie profitabel bleiben. Es wird eher entlassen als eingestellt, manche Hierarchieebene fällt ganz weg. Wer sich bewirbt, will lieber zu einer Firma, die wächst, und die gibt es auch in schrumpfenden Märkten.
Arne verweist auf Schumpeters schöpferische Zerstörung. Tesla war mal eine kleine Firma. BYD ist heute der größte Elektroautohersteller der Welt, und chinesische Hersteller bauen mehr Elektroautos als der Rest der Welt zusammen. Dieser Wechsel hat sich in wenigen Jahren vollzogen. Wenn Unternehmen sterben, gehen immer zuerst die Top Performer, die Chancen wittern.
Hiring als Einfallstor für eine Exzellenzkultur
Jörg lädt dich ein, ehrlich hinzuschauen. Achtet ihr beim Hiring darauf, Leute zu bekommen, die wirklich gewinnen wollen? Oder seid ihr froh, wenn die Stelle besetzt ist? Vielleicht wart ihr am Anfang ein Gewinnerteam. Die ersten zehn waren absolute Gewinner, und mit 30 oder 40 Leuten merkst du, dass sich etwas verändert hat.
Kultur verändert sich auf drei Wegen. Mehr Leute mit dem gewünschten Mindset kommen an Bord, Leute mit dem unerwünschten Mindset gehen, oder ihr arbeitet durch Training am Mindset. Für den dritten Weg bietet MINDSET MOVERS Inhouse-Trainings für ganze Teams an.
High Performer erkennst du unabhängig vom Titel. Du kannst einen schwachen Geschäftsführer einstellen und eine Aushilfe auf einer kleinen Stelle, die selbstständig handelt und Dinge zu Ende bringt. Achte auf die Fragen, die Menschen im Bewerbungsgespräch stellen. Was kann ich dir abnehmen? Wo kann ich Verantwortung übernehmen und meinen Beitrag vergrößern? Andere fragen zuerst nach Gehaltserhöhung, mehr Urlaub, Sabbatical oder Homeoffice. Verboten ist das nicht. Es zeigt dir aber, wo der Fokus liegt. Warum Angst vor Absagen die falschen Leute anzieht, hörst du in der Folge über Bewerbungsgespräche.
Wenn du deine Kultur bewusst auf Exzellenz ausrichten willst, begleitet dich MINDSET MOVERS dabei. Für deine eigene Entwicklung gibt es das Leadership Training REFLECT, und die schwierigen Gespräche mit Mitarbeitenden, die bisher mitgeschleift wurden, kannst du im Gesprächstraining vorbereiten.

