Erwartungen klar kommunizieren statt sich ärgern
„Meine Leute machen nicht, was ich von ihnen erwarte.“ Diesen Satz hören Arne und Jörg immer wieder von Führungskräften und Unternehmern. Dahinter steckt Frust. Das Team zieht nicht an einem Strang, einige machen einfach nicht, was die Führungskraft von ihnen will. In dieser Folge im Podcast Wirksam führen schauen die beiden auf einen ganz bestimmten Grund dafür. Ihre These lautet, dass viele Führungskräfte ihre Erwartungen gar nicht klar kommunizieren und deshalb auch keine echten Vereinbarungen entstehen.
Natürlich kann es viele Gründe geben. Vielleicht hast du mit einer Person noch einen offenen, ungeklärten Konflikt. Dann ist das Nichtmachen womöglich Teil eines Ping-Pong-Spiels, in dem man sich gegenseitig etwas heimzahlt. Diesen Aspekt lassen Arne und Jörg hier bewusst beiseite. Es geht um Klarheit und Vereinbarung. Welche Auswirkung hat deine Kommunikation darauf, ob Menschen deine Erwartungen überhaupt erfüllen können?
Ich möchte, dass das erledigt wird
Jörg beschreibt eine Situation, die viele kennen. Ihr sitzt im Teammeeting, arbeitet an einem Thema, dir fällt etwas auf, und du sagst „Ich möchte, dass das erledigt wird.“ Tage oder Wochen später stellst du fest, dass es nicht erledigt wurde. Das Team hat nicht gemacht, was du eigentlich wolltest.
Arne gibt offen zu, dass er früher teilweise auch so kommuniziert und sich hinterher geärgert hat. „Ich habe es doch gesagt.“ Doch einem solchen Satz fehlt der komplette Bezug. Bei der Aufgabenverteilung gilt eine einfache Logik. Wer macht was bis wann? Mit „Ich möchte, dass das erledigt wird“ fühlt sich niemand angesprochen. Von wem soll es erledigt werden? Und bis wann?
Wie oft genau diese Kommunikationsfalle dafür sorgt, dass im Team niemand macht, was er soll, besprechen Arne und Jörg auch in der Folge Keiner macht, was er soll.
Wunsch oder Erwartung: ein Wort mit großer Wirkung
Jörg fragt nach. Wäre es besser, im Meeting zu sagen „Du, Stefan, ich wünsche mir, dass du das bis kommenden Freitag erledigst“? Besser ist das auf jeden Fall, antwortet Arne, weil es jetzt jemanden gibt, der es machen kann. Gleichzeitig steckt in dem Satz ein Wort, das vielen gar nicht bewusst ist. Ich wünsche mir.
Ein Wunsch ist etwas Optionales. Arne und Jörg erleben immer wieder, dass Führungskräfte so sprechen. „Ich wünsche mir, dass du in der Präsentation noch ein neues Bild ergänzt.“ Daneben steht der Satz „Ich erwarte von dir, dass du das machst.“ Das ist eine ganz andere Qualität an Verbindlichkeit.
Ein Wunsch ist optional. Eine Erwartung ist immer an eine Konsequenz gekoppelt.
Bei einem Wunsch schwingt Freiwilligkeit mit. Ich hätte das zwar gern so, aber es ist okay, wenn du es nicht machst. Ob der Wunsch erfüllt wird, überlasse ich dir. Eine Erwartung dagegen ist immer an eine Konsequenz gekoppelt. Ich erwarte, dass du das so und so bis dann und dann machst. Und falls nicht, bin ich im Zweifel sauer, wir müssen darüber reden, oder ich konfrontiere dich damit. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass ein geäußerter Wunsch keine kommunizierte Erwartung ist. Was du als Führungskraft ganz selbstverständlich erwarten darfst, hörst du in der Folge Was du selbstverständlich erwarten kannst.
Die Angst, zu direkt zu sein
Jörg nimmt sich da ausdrücklich nicht raus. Er hat selbst lange so kommuniziert. Dahinter steckte bei ihm eine Angst. Zu direkt zu sein, unsensibel zu wirken oder den Chef raushängen zu lassen. Also hat er Aufträge abgemildert, mit dem Hintergedanken, dass die anderen schon wissen werden, was gemeint ist, wenn er nur nett ist. „Wenn ich sage, ich habe einen Wunsch, dann ist das ja irgendwie klar.“ Klar war es eben nicht.
Arne greift genau diesen Punkt auf. Wenn du willst, dass die Menschen in deinem Team mehr von dem machen, was du erwartest, reicht es nicht, auf der Methodenebene ein anderes Wort zu wählen. Du schaust auch auf die Überzeugungsebene darunter. Was wirkt da eigentlich bei mir? Wer niemandem auf den Schlips treten will und deshalb unklar bleibt, bekommt trotzdem unerwünschte Ergebnisse. Es fehlt einfach die Klarheit. Wie Klarheit im Alltag ganz einfach funktionieren kann, hörst du in der Folge Wie Klarheit ganz einfach funktioniert.
Das Problem mit dem Wir
Ein zweites Muster kennt Arne ebenfalls gut. Es sind Wir-Aussagen. Eine Führungskraft stellt sich hin und sagt, es gebe gerade eine besondere Situation. Ein Sanierungsfall vielleicht, oder ein Kunde ist abgesprungen. „Jetzt müssen wir uns alle zusammenreißen, wir sitzen in einem Boot, wir müssen uns mehr anstrengen.“
Den Leuten ist bei so einem Satz gar nicht klar, was er konkret bedeutet. Wer ist wir? Und was heißt anstrengen? Arne und Jörg mussten darüber lachen, denn Anstrengung ist keine relevante Qualität für Arbeitserfolg. Natürlich kann ein Beitrag anstrengend sein und Anstrengung kann helfen. Der Erfolg entsteht aber durch den konkreten Beitrag. Du kannst beim E-Mails-Schreiben nebenbei Gewichte stemmen. Das ist anstrengender, macht dich aber kein bisschen erfolgreicher. Jörg ergänzt ein zweites Beispiel. Wer morgens eine Stunde früher kommt, ist länger da. Erfolg folgt daraus noch lange nicht zwingend.
Viele solcher Appelle entstehen aus stillen Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden. Warum stille Deals keine Vereinbarungen sind, vertiefen Arne und Jörg in der Folge Deals sind keine Vereinbarungen.
Konkret werden: Namen, Zahlen, Fristen
Arne zeigt, wie es konkreter geht. Angenommen, es geht im Vertrieb oder im Marketing darum, die Frequenz zu erhöhen. Dann mach es als Führungskraft konkret und ersetze das Wir durch Namen. Etwa so: „Hannah, Thomas und Verena, ihr erhöht im nächsten Monat die Outbound-Frequenz von 20 auf 60 Nachrichten pro Tag.“ Oder „Ihr erhöht die Anzeigenfrequenz in unserem Online Marketing und probiert mehr aus.“ Die Zahlen sind ein Beispiel aus der Folge, das Prinzip ist entscheidend.
Sprich nicht im Wir, wenn du Aufgaben verteilst. Das funktioniert nicht gut. Jede Aufgabe braucht einen Menschen, ein klares Was und eine Frist.
Zustimmung einholen und echte Vereinbarungen treffen
Jörg bringt einen weiteren wichtigen Punkt ein. Auch wenn du sagst „Hannah, ich erwarte, dass du die Frequenz erhöhst“, bist du noch nicht fertig. Hol dir die Zustimmung. Machst du das? Habe ich deine Zustimmung dazu? Nur weil du etwas gesagt hast, ist es noch nicht vereinbart.
Zustimmung bedeutet, dass die andere Person der Vereinbarung, also deiner konkreten Erwartung, wirklich zustimmt. Um Erlaubnis fragst du damit niemanden. Das ist eine ganz andere Qualität der Zusammenarbeit als die Hoffnung, dass jemand es schon macht, nachdem er zähneknirschend genickt oder „Ja, habe ich verstanden“ gesagt hat. Verstanden ist noch kein Ja.
Gerade bei konkreten Aufgaben lohnt sich die Frage. Wer macht was bis wann ist definiert, und dann fragst du „Stimmst du dem zu? Willst du das bis dahin wirklich so erledigen? Ich brauche das von dir.“ Die Antwort könnte lauten „Ja, ich habe das in zehn Tagen in diesem Umfang fertig, das sage ich dir zu.“ Das führt in den allermeisten Fällen zu einer viel klareren Zusammenarbeit. Wie du echte Commitments bekommst, die auch halten, hörst du in der Folge über Erwartungsmanagement.
Der größte Vorteil zeigt sich, wenn es doch einmal nicht klappt. Dann kannst du offen nachfragen. „Wir hatten eine Vereinbarung, du hast zugestimmt, und jetzt hat es nicht geklappt. Was ist eigentlich los?“ Ohne Zustimmung fehlt dir für diese Frage die Grundlage. Solche Gespräche über nicht eingehaltene Zusagen kannst du in einem Gesprächstraining vorbereiten, damit sie klar und ohne Vorwurf bleiben.
Arne und Jörg wünschen dir eine Woche mit vielen klaren Vereinbarungen und echter Zustimmung. Wenn du an der Haltung hinter deiner Kommunikation arbeiten willst, ist das Leadership Training REFLECT der passende Rahmen. Konkrete Situationen kannst du im Führungscoaching klären. Das Gespräch mit Namen, Frist und Zustimmung kannst du im DialogLab üben. Und wenn ihr im ganzen Unternehmen eine gemeinsame Kultur verbindlicher Vereinbarungen schaffen wollt, setzt eine Führungskräfteentwicklung im Unternehmen genau dort an, gern ergänzt durch ein gemeinsames Führungskräftetraining.

