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Sven Rittau kommt von der K5-Reise durch China zurück. Mit Arne spricht er über Wettbewerbsdruck, datengetriebene Produkte, KI und die Frage nach Europas Vision.

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    Sven Rittau und die K5-ReisenWer Sven ist und warum die K5 Community regelmäßig nach China reist.
  • 0:03:55
    Mit Demut nach ChinaWarum man China selbst erleben muss, statt nur darüber zu lesen.
  • 0:10:02
    Von Xi'an bis ShenzhenDie Route der zweiten Reise und der rote Faden von der Geschichte bis zum Tech Hub.
  • 0:13:08
    QR-Code neben dem SchweinekopfWas ein Bauernmarkt in Guilin über Technologieakzeptanz verrät.
  • 0:24:27
    Moralisieren oder neugierig bleibenWarum Überlegenheit die Augenhöhe kostet und China zwei Seiten hat.
  • 0:28:26
    Daten zuerst, Produkt danachWie chinesische Unternehmen aus Nutzerdaten Produkte entwickeln und warum der Wettbewerb sie antreibt.
  • 0:39:22
    KI und Agentic CommerceWie Tencent KI-Agenten ausrollt und warum Arne zu bezahlten KI-Modellen rät.
  • 0:43:29
    Der Hackathon im eigenen TeamWie Sven sein Team mit einem Hackathon für KI gewonnen hat.
  • 0:44:40
    Wofür eigentlich?Europas fehlende Vision und warum du deine eigene definieren kannst.
  • 0:50:34
    Pragmatismus statt IdeologieElektromobilität, Energie und warum langfristige Pläne Investitionen sichern.

Shownotes

Zum Nachlesen

Was Geschäftsführer von China lernen können: Eindrücke von der K5-Reise

Über China hat fast jeder eine Meinung. Die wenigsten waren dort. Sven Rittau ist seit 1999 im Onlinehandel unterwegs und steht hinter der K5, die Arne als wichtigste und größte E-Commerce-Konferenz Deutschlands vorstellt. Gemeinsam mit dem China-Experten Ed Sander reist er mit Geschäftsführern, Gründerinnen und Unternehmern aus der K5 Community durch das Land. Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist er seit zehn Tagen zurück von der zweiten Tour.

In dieser China-Sonderfolge vom Podcast Wirksam führen spricht Arne mit ihm darüber, was deutsche Unternehmer dort sehen, was sie mitnehmen und was das mit Führung zu tun hat. Die Rollen auf der Reise beschreibt Sven so. Ed bringt das Wissen und die China-Expertise mit, er selbst das Netzwerk. Was die Reise besonders macht, sind für ihn die Menschen, die dabei sind.

Die Folge gehört zur China-Reihe des Podcasts. Wie Unternehmer dort Verantwortung verstehen, erzählt Fritjof Nelting in der Folge darüber, wie Chinesen mit Verantwortung umgehen. Den Auftakt der Reihe bildet die Folge Was wir von China lernen können mit Dr. Sven Wilhelm.

Mit Demut hinfahren und selbst hinschauen

China ist für Sven zu groß, um es jemals ganz zu verstehen. Mit dieser Demut fährt er hin. Die erste Reise beschreibt er als überwältigend. Neuer Sprach- und Kulturraum, das westliche Handy funktioniert nicht richtig, westliche Apps laufen nicht. Mit jeder Reise wird er sicherer und merkt, wie hilfsbereit die Menschen sind. Wenn die SIM-Karte streikt, geht der Taxifahrer eben mit ins Hotel, und gemeinsam findet man eine Lösung.

Seine Überzeugung ist klar. Über China zu lesen, in Texten von Leuten, die selbst nie dort waren, hilft wenig. Du musst es erleben. Für ihn hat China die Rolle als reine Produktionsstätte der Welt hinter sich gelassen und ist zur Innovationsstätte geworden. Im Huawei Store stehen drei Elektroautos neben den Geräten. Moralische Überlegenheit hält er für einen Bewältigungsmechanismus und für keine Strategie. Sein Anspruch ist, Signal und Rauschen zu trennen. Was kommt nach Europa, was lässt sich übernehmen, was bleibt ein chinesisches Phänomen?

Arne greift das auf. Er erinnert daran, dass schon kleine Kinder, die noch nicht sprechen können, einem Fremden aufheben, was ihm heruntergefallen ist. Menschen sind von Natur aus kooperativ. Sobald du dich über andere stellst und ihnen sagst, wie sie es machen sollen, bist du nicht mehr auf Augenhöhe. Und du bist auch nicht mehr neugierig. Beide sind sich einig, dass China zwei Seiten hat. Sven erzählt von Lieferfahrern, die am Existenzminimum arbeiten und ihre Kinder einmal im Jahr sehen, und von Jugendarbeitslosigkeit. Er will das sehen, ohne zu moralisieren.

Diese Haltung kennst du vielleicht aus deinem Führungsalltag. Wer mit fertigem Urteil in ein Gespräch geht, lernt nichts mehr. Genau daran arbeiten Führungskräfte in REFLECT, unserem Führungstraining, in dem Neugier und Augenhöhe zur Grundhaltung werden.

Von Xi'an bis Shenzhen

Die erste Tour führt von Peking über Hangzhou, wo Alibaba sitzt und viel KI entsteht, nach Shanghai. Sven erzählt, wie ein Teilnehmer der ersten Tour am Bund stand, auf die beleuchtete Skyline von Pudong blickte und meinte, es werde schwer, zu Hause zu erklären, dass wir das überlegene System haben.

Die zweite Reise beginnt in Xi'an bei der Terrakotta-Armee. Sie spannt einen roten Faden von der Geschichte Chinas bis zu den Internetunternehmern von heute, die nach Svens Eindruck in dieser Tradition handeln. Über Chongqing, wo sich die Gruppe die Seidenstraßeninitiative anschaut, geht es nach Shenzhen. Die Stadt ist keine 50 Jahre alt, der Nahverkehr fährt elektrisch, sie gilt als Hardware-Zentrum des Landes. Arne fliegt selbst wenige Tage nach der Aufnahme dorthin.

Beeindruckt hat Sven das Storytelling der großen Unternehmen. Bei Alibaba und JD gibt es Ausstellungen zur eigenen Geschichte, mit den ersten Arbeitsplätzen der Gründer. Dazu kommt ein Narrativ, das über Wahlperioden hinausreicht. Fünfjahrespläne und das Ziel eines chinesischen Jahrhunderts von 1949 bis 2049 leben im ganzen Land, bis zu Schulungen, in denen Bauern lernen, ihre Produkte über Douyin zu verkaufen.

Ein Bild bleibt Sven besonders im Kopf. Auf einem einfachen Bauernmarkt in Guilin hängt neben dem Schweinekopf ein QR-Code zum Bezahlen, und ein alter Mann verkauft seine Ware damit ganz selbstverständlich. Arne zieht daraus einen Schluss für Unternehmen. Ob Menschen neue Technik nutzen, hängt weniger am Alter. Wer den Nutzen erkennt, macht mit. Den Alltag in China erlebt Sven ohnehin als komplett digitalisiert, von der U-Bahn bis zur Kaffeebestellung läuft alles über das Handy.

Daten zuerst, Produkt danach

Bei uns läuft es oft so, dass erst das Produkt da ist und dann jemand es verkaufen muss. Chinesische Unternehmen starten laut Sven bei den Daten. Sie sehen das Nutzerverhalten in den großen Apps, erkennen mit KI Trends und entwickeln daraus Produkte. Die Fabriken sitzen in der Nähe. Entwicklung, Anpassung und Verkauf greifen fast ineinander. Deshalb glaubt Sven, dass TikTok Shop so, wie wir ihn hier angehen, kaum funktionieren wird.

Der Antrieb dafür ist der Wettbewerb. China erlebt Sven als das turbokapitalistischste Land, das er kennt. Die großen Internetkonzerne betreiben inzwischen Supermarktketten und stecken enorme Summen in diesen Kampf. Der Heimatmarkt ist riesig und gleichzeitig so umkämpft, dass viele chinesische Unternehmen das Ausland für leichter halten. Manche bauen ihre Marke sogar zuerst im Ausland auf.

Die Innovationskraft kommt aus dem Wettbewerbsdruck.

Für deutsche Firmen sehen die beiden darin eine Chance. Wer aus China kommend in Europa Fuß fassen will, trifft auf viele Sprachen, Kulturräume und Regeln und braucht Partner, die sich damit auskennen. Svens pragmatischer Ansatz lautet, zu schauen, was wir lernen können und wo die Möglichkeiten liegen. Wie das aus Sicht eines Unternehmers mit eigener Fertigung aussieht, erzählt Jörg in der Folge über Produktion und Vertrieb in China.

KI im Alltag ausprobieren

Sven erzählt, wie Tencent einen KI-Agenten direkt in WeChat gebracht hat, damit das Unternehmen im Rennen bleibt. Es bildeten sich Schlangen, auch ältere Menschen wollten das auf ihrem Handy haben. Agentic Commerce ziehen die Großen dort einfach durch. Worauf du dich als Führungskraft einstellen solltest, hörst du in der Folge über KI Transformation und AI Readiness in der Führung.

Arne berichtet aus seinem Alltag. Er hat mit KI eine eigene Software gebaut, nutzt sie für Content und Ideen, lässt sich E-Mails vorformulieren und Aufgaben bearbeiten. Je mehr Zeit er hineinsteckt, desto produktiver wird er. Sein Rat an alle Zuhörenden ist deutlich. Gib Geld für die bezahlten Modelle aus, der Unterschied zur kostenlosen Version ist wie Tag und Nacht.

Sven hat in seinem Unternehmen einen eigenen Weg gefunden. Zwei aus dem Team arbeiteten schon viel mit KI, er selbst noch nicht. Also hat er sich ein Wochenende hingesetzt und danach für den Mittwoch einen Hackathon angesetzt. Begeistert war am Anfang niemand. Jeder musste ein eigenes Projekt bauen, und am Ende hatten alle verstanden, wie viel leichter ihr Arbeitsalltag damit wird. So entsteht Zustimmung im Team.

Für dich als Führungskraft steckt darin eine Lektion. Veränderung gelingt leichter, wenn Menschen den Nutzen selbst erleben. Wenn du so einen Veränderungsprozess in deinem Unternehmen anstoßen willst, ist das ein guter Anfang. Und wenn du das Gespräch mit skeptischen Kolleginnen und Kollegen vorher üben willst, hilft dir das DialogLab.

Pragmatismus und langer Atem

Ein Gedanke zieht sich durch die ganze Folge. China handelt aus Pragmatismus. Arne erinnert daran, wie hierzulande über den Verbrenner gestritten wurde, als ginge es um grüne Ideologie. In China kam die Elektromobilität aus praktischen Gründen, weil in den Städten die Luft kaum noch zu atmen war. Erst verschwanden die Zweitakt-Mopeds, dann kamen die Elektroautos. Beim Energiebedarf baut das Land, was es braucht. Laut Sven stammen immer noch rund 65 Prozent der Primärenergie aus fossilen Quellen, weil eine führende Industrienation Energie braucht.

Dazu kommt ein langer Atem. Fünfjahrespläne und ein Narrativ bis 2049 reichen weiter als jede Wahlperiode. Arne ergänzt, dass Unternehmer und Investoren genau diese Verlässlichkeit brauchen, um langfristig zu planen. Ändert sich die Richtung mit jeder Legislatur, investieren sie ihr Geld woanders. Sven sieht auch in China Risiken, etwa bei der Frage, ob du dein Geld wieder herausbekommst. Bei Robotern und selbstfahrenden Taxis ist für ihn manches noch Spielerei. Wer tiefer in dieses Thema einsteigen will, hört die Folge mit Thomas Derksen über humanoide Roboter und KI.

Wofür eigentlich?

Sven ist nach eigenen Worten kein China-Fan. Europa sei einer der schönsten Flecken der Welt, mit Kultur, Natur und gutem Essen in wenigen Stunden Reichweite. Was ihm fehlt, ist die Vision. Wofür nutzen wir das alles? Dass jemand von oben sie liefert, glaubt er nicht. Du kannst für dich, dein Unternehmen und deine Familie selbst festlegen, wo du hinwillst.

Ihn selbst treiben die Möglichkeiten der Technologie und die Lust aufs Gestalten an. Von den Chinesen könne man sich die Ambition abschauen und sie mit westlichen Werten verbinden, ohne die harte Seite zu übernehmen. Dort gibt es kaum Loyalität, wer nicht passt, fliegt raus, und selbst gut ausgebildete Ingenieure finden keinen Job.

Für Führung heißt das, die Frage nach dem Wofür selbst zu beantworten. Ambition beginnt bei dir. Wenn du für dich klären willst, wohin du als Unternehmer willst, kann ein Coaching helfen. Wie du deine Führungsrolle mit dieser Klarheit ausfüllst, trainierst du im Leadership Training. Und wie du andere für deine Richtung gewinnst, übst du in schwierigen Gesprächen mit einem KI-Gegenüber.

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