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Jörg Kundrath hat sieben Jahre in China produzieren lassen. Mit Arne spricht er über Fleiß, Status, Sprachbarrieren und Chancen für deutsche Unternehmer.

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  • 00:00
    Zweite China SonderfolgeArne erklärt seine Reise und die Hypothese, dass Transformation selten an Kompetenz scheitert.
  • 02:18
    Jörgs China GeschichteWie Jörg mit seiner ersten Firma ab 2011 Kleinlederwaren in Shenzhen und Guangzhou produzieren ließ.
  • 05:08
    Visum damals und heuteWarum die Einreise nach China heute leichter ist als früher.
  • 06:57
    Fleiß und TempoMuster über Nacht und eine Arbeitshaltung, die Jörg immer wieder beeindruckt hat.
  • 09:06
    Status und Geld als AntriebWoher das unternehmerische Mindset kommt und welche Rolle Status spielt.
  • 14:31
    Von der Werkbank zur InnovationAkkus, Solartechnik, Elektroautos und eine enorme Experimentierfreude.
  • 17:45
    Vertrauen in die RegierungWie Chinesen auf ihre Regierung blicken und welche Haltung dahinter steckt.
  • 21:20
    Chancen für deutsche UnternehmerChinesische Autos, Überkapazitäten und Partnerschaften für den europäischen Markt.
  • 29:55
    Sprachbarrieren im GeschäftWarum Kommunikation bei Lieferanten wichtiger war als die Qualität der Muster.
  • 35:34
    Brücken bauenNeugier, Augenhöhe und die Entwicklung von Shenzhen.

Shownotes

Zum Nachlesen

In China produzieren lassen: Was Jörg dort über Tempo und Fleiß erlebt hat

Ein neues iPad im Apple Store in München kaufen, ein paar Stunden später im Flieger nach China sitzen und am nächsten Morgen um neun die überarbeiteten Muster für die passende Hülle in der Hand halten. So hat Jörg Kundrath es erlebt, als er in China produzieren ließ, und zwar immer wieder.

In dieser zweiten China Sonderfolge vom Podcast Wirksam führen sitzt Jörg auf dem Gaststuhl. Arne bereitet seine Reise nach China vor, die am 12. Mai beginnt, und spricht dafür mit Unternehmern, die dort Erfahrungen gesammelt haben. Nach der ersten China Sonderfolge mit Dr. Sven Wilhelm geht es um dieselbe Kernfrage. Was können Führungskräfte und Unternehmer in Deutschland von China lernen, wenn es um Innovation und Wandel geht?

Die Hypothese dahinter ist klar. Ob ein Veränderungsprozess gelingt, hängt selten an fehlender Kompetenz. Häufiger bremst ein Mindset, das nicht mehr zur Aufgabe passt.

Sieben Jahre zwischen Shenzhen und Guangzhou

Jörgs erste Firma stellte Kleinlederwaren her. iPad Hüllen, iPhone Hüllen, Geldbörsen, Federmäppchen. Produziert wurde in China. Von 2011 bis 2018 flog Jörg zwei bis drei Mal im Jahr für ein bis zwei Wochen nach Shenzhen und Guangzhou, wo die Lieferanten saßen. Vierzehn, fünfzehn Reisen kamen so zusammen. Der Einstieg lief über Messen in Hongkong und über die Canton Fair in Guangzhou. Für Zubehör rund um Tech Produkte ist die Gegend um Shenzhen so etwas wie die Werkstatt der Welt.

Damals stand Jörg noch in München vor der chinesischen Botschaft Schlange und hoffte auf sein Visum, später halfen Visa Services und Einladungen der Lieferanten. Arne dagegen braucht für seine Reise kein Visum mehr. Als Deutscher kannst du heute bis zu sechs Wochen ohne Visum nach China reisen. Als Geschäftsreisender in die USA zu kommen, ist inzwischen schwieriger.

Was Jörg am meisten beeindruckt hat, waren Fleiß und Tempo. Er spricht den Deutschen den Fleiß nicht ab, aber in China wurde über Arbeit am Abend, in der Nacht und am Wochenende gar nicht erst gesprochen. Während Jörg und sein Mitgründer mit dem Lieferanten zu Abend aßen, baute das Sample Team über Nacht die neuen Muster. Am nächsten Morgen wurden sie abgenommen und weiterentwickelt. Das war die Regel. Die Leute wollten die Ersten sein, Geschäfte machen, erfolgreich sein, auch bei Themen wie geistigem Eigentum, bei denen man in Deutschland den Kopf schüttelt.

Status und Geld als Antrieb

Arne fragt, woher dieses unternehmerische Mindset kommt. Seine Vermutung ist, dass das Kaufmännische tief in der chinesischen Identität steckt und viel älter ist als die Jahre des Kommunismus. Oder treibt einfach die lange Erfahrung von Armut?

Jörg hat vor allem Status beobachtet. Wo du essen gehst, welches Auto du fährst, ob du in Europa Urlaub machen kannst. Fabrikmitarbeiterinnen haben mehrere Monatslöhne gespart, um sich eine Louis Vuitton Tasche zu kaufen. Wer einen Weg gefunden hat, Geld zu machen, bekommt Applaus. Wie er dorthin gekommen ist, zählt weniger als bei uns. Arne zieht den Vergleich zur Sprache. Im Englischen heißt es „to make money“, im Deutschen „Geld verdienen“. Da schwingt mit, dass man es sich auch verdient haben muss.

Auffällig fand Jörg, wie wenig Loyalität zwischen Fabrik und Belegschaft ausgeprägt war. Nach dem chinesischen Neujahr kommen manche Arbeiter zurück, andere gehen woanders hin. Ein Unternehmer lachte ihn aus, als er von Arbeitslosenversicherung und Rentenkasse erzählte. Er zahle gutes Geld und biete gute Arbeitsbedingungen, was die Leute daraus machen, sei ihre Sache. Wie unterschiedlich Verantwortung dort gedacht wird, vertieft die Folge Wie Chinesen mit Verantwortung umgehen.

Von der Werkbank zur Technologie

China galt lange als Werkbank und Kopiermaschine der Welt. Heute kommen die meisten Akkus aus China, dazu Solarmodule, Wechselrichter und Batteriespeicher. Bei Elektroautos sind chinesische Hersteller weltweit führend, in der humanoiden Robotik ganz vorne mit dabei.

Jörg hat diesen Wandel bei jeder Reise gespürt. Bei seinen ersten Besuchen fuhren fast alle Taxis VW Santana. Ein halbes Jahr später war gefühlt ein Drittel der Autos elektrisch. Plötzlich standen an jeder dritten Straßenecke in Shenzhen E Roller, ein Test, den die Verwaltung einfach mal ausprobierte. In Deutschland, meint Jörg, würde darüber erst lange diskutiert.

Dazu gehört ein Vertrauen in die Regierung, das viele hier überrascht. Gesprächspartner beschrieben Jörg die Partei wie einen Vater, der für alle sorgt. Arne verweist auf Frank Sieren, der von einem unausgesprochenen Deal spricht. Solange die Partei für wirtschaftliche Entwicklung sorgt, fragt kaum jemand nach politischer Konkurrenz. Rechtsstaat und Gewaltenteilung will Arne dabei ausdrücklich nicht kleinreden. Beiden geht es darum, Unterschiede zu verstehen, ohne sie gleich zu bewerten.

Die Experimentierfreude lässt sich auf dein eigenes Unternehmen übertragen. Wer schneller ausprobieren will, fängt bei der Haltung der Führung an. Genau daran arbeiten Führungskräfte in unserem zwölfwöchigen Leadership Training.

Geschäfte mit China: Wo heute die Chancen liegen

Arne bringt ein Beispiel aus dem Autobereich mit. Junge Unternehmer importieren chinesische Autos von Herstellern, die in Europa noch keinen Vertrieb haben. In Videos mit JP Performance werden diese Autos vorgestellt, und selbst ein kritischer Porsche Fan muss sich beherrschen. Das Auto des Smartphone Herstellers Xiaomi kostet rund 60.000 Euro und hat auf der Nordschleife einen Rekord aufgestellt. Frank Sieren beschreibt in seinem Buch „Der Autoschock“, wie sich der Wind gedreht hat. VW war in China einmal mit fast 30 Prozent Marktanteil der größte Hersteller und liegt jetzt bei 12 bis 13 Prozent.

Chinesische Hersteller haben Überkapazitäten und wollen exportieren. Für deutsche Unternehmer liegt die Chance deshalb oft darin, chinesischen Firmen den Weg auf den europäischen Markt zu öffnen und daran mitzuverdienen. Auffällig findet Arne, wie selten chinesische Gründer auf deutschen Startup Bühnen wie Bits and Pretzels, K5 oder OMR ihre Wachstumsgeschichten erzählen.

Jörg rät kleinen und mittleren Unternehmen zu einer Haltung der Neugier. Mit offenen Augen hinfahren, ins Gespräch gehen, prüfen, wo eine Möglichkeit entsteht. Viele chinesische Firmen tun sich schwer mit Sprache, Kultur und Regularien in Europa. Genau dort entstehen Partnerschaften. Wenn du solche Entscheidungen für dein Unternehmen gründlich durchdenken willst, hilft ein Coaching dabei, den eigenen Blick zu sortieren.

Kommunikation entscheidet über Qualität

Nach dem ersten Messetag saßen Jörg und sein Mitgründer Kai überfordert im Hotelzimmer. Riesige Hallen, jeder will verkaufen. Also machten sie einen Plan. Auf jede Visitenkarte kamen nur noch zwei Notizen. Wie gut ist die Qualität der Muster? Wie gut ist die Kommunikation? Wer beim Englisch nicht mindestens auf acht oder neun von zehn kam, flog raus, egal wie gut die Qualität war.

Jörg nennt das einen großen Hebel. Qualität lässt sich entwickeln, wenn beide Seiten miteinander sprechen und Erwartungen klären können. In der Produktion geht es manchmal um Nuancen, etwa um einen anderen Kleber. Wie unangenehm es ohne gemeinsame Sprache wird, zeigt ein frühes Abendessen mit einem Lieferanten. Vier Leute auf der einen Seite, zwei auf der anderen, und anderthalb Stunden haben sie sich angeschwiegen. Später hatten sie eine Mitarbeiterin vor Ort mit sehr gutem Englisch. Sie kannte die beiden irgendwann so gut, dass sie einen Großteil der Gespräche selbst führte und nur noch bei Details nachfragte.

Das gilt für jedes Team. Erwartungen klären, nachfragen, Missverständnisse früh auflösen. Wie das im eigenen Team gelingt, besprechen Arne und Jörg in der Folge Missverständnisse im Team. Die Verhandlung mit einem Lieferanten, der Qualität anders versteht als du, kannst du vorher als Gespräch üben.

Brücken bauen auf Augenhöhe

Arne hat kurz vor der Aufnahme mit einem chinesischen Unternehmer telefoniert, der eine Zeit lang in Hamburg gelebt hat. Er entwickelt Produkte in China und will sie in Europa verkaufen. Den chinesischen Markt meidet er, weil der Wettbewerb dort zu groß ist. Viele chinesische Firmen schauen deshalb nach außen, und viele brauchen Partner.

Arne wünscht sich, dass wir in zwanzig Jahren auf Wirtschaftsbeziehungen auf Augenhöhe zurückblicken, auf mehr Austausch und ein besseres Verständnis der Kulturen. Jörg ist dankbar für den Einblick in eine Kultur, die er vorher nicht kannte. Er plädiert dafür, neugierig ins Gespräch zu gehen, ohne zu bewerten, was besser oder schlechter ist. Wie macht ihr das, warum denkt ihr so, können wir zusammenarbeiten?

Wichtig ist die Haltung der Neugier.

Wie schnell sich dort Dinge entwickeln, zeigt Shenzhen. 1979 ein Fischerdorf mit 30.000 Einwohnern, heute eine Megastadt mit 17 Millionen Menschen. Mehr Stimmen zu China hörst du in der Folge Inspiration China mit Sven Rittau.

Wenn du diese Neugier in dein eigenes Unternehmen tragen willst, findest du bei MINDSET MOVERS das Führungstraining REFLECT für dich und dein Team. Schwierige Verhandlungen und Gespräche trainierst du jederzeit im DialogLab.

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