MINDSET MOVERS Logo

Philipp Kappes arbeitet seit 20 Jahren mit Herstellern in Taiwan und Japan. Was Unternehmer dort über Tempo, Fokus und Beziehungen lernen können.

WhatsApp Community „Wirksam führen“

Zweimal pro Woche Leadership Tools und Fallbeispiele von Arne und Jörg, kostenfrei.

Community beitreten

Sprungmarken

Ein Klick auf die Zeit öffnet die Folge genau an dieser Stelle bei Spotify.

  • 00:00
    Firmengründung in einer WocheArne stellt Philipp Kappes vor, der seit 20 Jahren mit Herstellern in Japan und Taiwan arbeitet, und was RM Components genau macht.
  • 05:13
    Vom Angestellten zum UnternehmerPhilipp erzählt, wie er den Gründer im Urlaub kennenlernte, die Firma vor sieben Jahren übernahm und von 20 auf 47 Leute wuchs.
  • 11:25
    Warum die Fertigung in Asien sitztWasser, Strom und Personal entscheiden, wo Bauteile gefertigt werden, und warum das in Europa schwer geworden ist.
  • 13:22
    Erste Reisen nach Japan und TaiwanPhilipp beschreibt seine ersten Geschäftsreisen und was ihn an der Offenheit Taiwans sofort beeindruckt hat.
  • 25:46
    Nachts um 3 ruft der Eigentümer anEin taiwanesischer Unternehmer im Poloshirt, ein Handschlag, der gilt, und sechs Wochen voller Fokus auf ein neues Projekt.
  • 29:58
    Wo Wirtschaftsleistung herkommtWarum Taiwan eine Firmengründung in einer Woche schafft und was Arne über unternehmerisch geführte Unternehmen denkt.
  • 35:28
    Geschwindigkeit im eigenen UnternehmenPhilipp über die kleinen Schnellen, die die großen Langsamen fressen, und warum er interne Prozesse nicht zu 100 Prozent fertig denkt.
  • 39:54
    Deutsche Tugenden und schnelle MärkteWarum ein Industrieprodukt drei Jahre Validierung braucht, ein Tablet zwei Monate, und warum beides seine Berechtigung hat.
  • 43:40
    Vertrieb nach Corona und Beziehungen in TaiwanWie RM Components Entwickler im Homeoffice erreicht und warum in Taiwan ein Kontakt manchmal eine Stunde später vor der Tür steht.
  • 49:32
    Ein Wunsch für die nächsten 20 JahrePhilipp und Arne sprechen über Austausch, Neugier und darüber, was sie in 20 Jahren gern in der Zeitung lesen würden.

Shownotes

Zum Nachlesen

Was Unternehmer von Taiwan lernen können

In Japan dauert eine Firmengründung nach der Erfahrung von Philipp Kappes 12 bis 16 Monate. In Taiwan ist sie in einer Woche erledigt. Mit diesem Vergleich beginnt die sechste Sonderfolge im Podcast Wirksam führen, und er zeigt gleich, worum es geht. Was können Unternehmer von Taiwan lernen, und was passt zu uns? Philipp ist seit rund 20 Jahren geschäftlich in Japan und Taiwan unterwegs. Er erzählt Arne, was ihn dort beeindruckt und was er davon in sein eigenes Unternehmen mitnimmt.

Philipp ist Geschäftsführer der RM Components GmbH. Das Unternehmen ist Distributor für einen japanischen und einen taiwanesischen Hersteller von aktiven und passiven Bauteilen für die Elektronikindustrie. RM Components bringt die Teile nach Europa, berät die Entwickler seiner Kunden technisch und baut Logistikkonzepte, damit die Bauteile für die Serienfertigung verfügbar sind. Arne und Philipp kennen sich seit einigen Jahren. Führungskräfte aus seinem Unternehmen haben damals ein Training mit MINDSET MOVERS gemacht, und Philipp sagt, dass sie heute noch davon profitieren.

Vom Angestellten zum Unternehmer

Den Gründer der Firma lernte Philipp nach dem Studium im Urlaub kennen. Der Gründer war früher beim japanischen Hersteller angestellt, den RM Components heute noch vertritt, und hatte die Chance genutzt, in Deutschland eine Distribution aufzubauen. RM Components gibt es seit 1996, in diesem Jahr wird das Unternehmen 30.

Eine geregelte Nachfolge gab es nicht. Philipp übernahm die Firma vor sieben Jahren gemeinsam mit einer Kollegin. Heute ist es ein Familienunternehmen, seine Frau arbeitet mit ihm. In diesen sieben Jahren ist das Team von rund 20 auf 47 Leute gewachsen.

Bewerbern erklärt Philipp sein Geschäft gern mit einer Fernbedienung, die als Kind runterfällt und ihre grüne Platine zeigt. Alles, was darauf sitzt, verkauft RM Components. Kaffeemaschine, iPhone, Garagentor, Auto, überall steckt Elektronik. Wer neu ins Unternehmen kommt, hat also jeden Tag mit dem Produkt zu tun, das er bald verkaufen soll. Die eigentliche Wertschöpfung sieht Philipp bei seinen Kunden. Er versteht sich als Dienstleister, der dazu beiträgt, dass in Europa Produkte entstehen, die vielen Menschen das Leben leichter machen.

Warum die Fertigung in Asien sitzt

Arne will wissen, warum die Bauteile überhaupt aus Asien kommen. Für Philipp ist das vor allem eine Frage der Rahmenbedingungen. Die Fertigung braucht viel Wasser, viel Strom und viele Mitarbeitende. Fertigungen ziehen dorthin, wo die Politik die Tür aufmacht. Die letzte Fertigung für Keramikkondensatoren in England gab es nach seiner Erinnerung vor etwa zehn Jahren. Möglich wäre Produktion in Europa durchaus, die Hürden kennt aber jeder. Wie Unternehmer mit eigener Produktion vor Ort umgehen, hörst du in der Folge In China produzieren und verkaufen.

Seine ersten Reisen nach Asien machte Philipp mit seinem damaligen Chef. Der hängte an Geschäftstermine oft noch ein paar Tage an, um Land und Leute kennenzulernen. Zuerst Japan, ein paar Jahre später Taiwan. Dort spürte er sofort die Offenheit. Jeder sprach Englisch, man kam am Nebentisch ins Gespräch, und essen konnte er alles vom Burger bis zum Sushi. Vor drei Wochen war er zuletzt dort. In Taipeh und in den Fertigungswerken hat er das Gefühl, dass die Zukunft anfängt.

Ob das Wachstum in Asien endlos so weitergeht, stellt Philipp trotzdem in Frage. Er stammt aus der Nähe des Schwarzwalds, einer Region mit vielen Patenten, und glaubt weiter an den Erfindergeist in Europa. Seine Kunden erlebt er als flexibel. Viele stellen sich gerade in den USA, in Asien und in Europa auf und fertigen dort für den jeweiligen Markt.

Nachts um 3: Fokus und Tempo in taiwanesischen Unternehmen

Den Eigentümer seines taiwanesischen Lieferanten kennt Philipp seit 20 Jahren. Er sitzt im Poloshirt und in kurzer Hose vor dir, und der Handschlag gilt. Hat er nachts um drei eine Idee, ruft er einen Mitarbeiter an. Zwei Stunden später steht ein Plan für ein neues Produkt, und die nächsten sechs Wochen konzentriert sich alles auf dieses Projekt.

Arne fällt auf, dass solche Geschichten hierzulande selten ohne den Nachsatz zur Work-Life-Balance erzählt werden. Er kennt aus seiner ersten Gründung, wie beflügelnd es sein kann, so mit Menschen zu arbeiten und nachts etwas umzusetzen, während alle schlafen. Philipps Antwort ist schlicht. Der Erfolg bestätigt es. Wenn ein CEO in Asien eine Richtung vorgibt, gehen die Mitarbeitenden mit. Man muss weniger Menschen überzeugen. Er sieht das an Hochhäusern, die zwischen zwei Besuchen im selben Hotel plötzlich vor dem Fenster stehen.

Wirtschaftsleistung kommt von den Unternehmen. Das haben die Taiwanesen sehr gut verstanden.

Arne teilt diesen Gedanken. Alles, was verteilt wird, muss vorher von Unternehmen erwirtschaftet werden. Unternehmerische Geschwindigkeit entsteht aus seiner Sicht dort, wo unternehmerisch denkende Menschen an der Spitze stehen. Das zeigen die großen amerikanischen Tech-Unternehmen, die deutschen Gründergeschichten wie die von Robert Bosch und erfolgreiche Startups. Vielleicht, so Arne, haben wir hier ein Missverständnis über Partizipation und Mitbestimmung. Viele Gründer fühlen sich verantwortlich für ihre Leute und tun viel für sie, auch ohne formale Gremien. Warum flache Hierarchien oft weniger halten, als sie versprechen, besprechen Arne und Jörg in der Folge Agile Führung ist häufig ein Missverständnis.

Wer in seinem Unternehmen klare Richtungsentscheidungen treffen und trotzdem die Leute mitnehmen will, braucht Haltung und Übung. Genau daran arbeiten Geschäftsführer und Führungskräfte in unserem Leadership Training REFLECT.

Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil im eigenen Unternehmen

Philipp nimmt sich daraus etwas für RM Components mit. Er glaubt an den Satz, dass die kleinen Schnellen die großen Langsamen fressen. In der Geschwindigkeit fühlt er sich sicher. Bei internen Prozessen will er weg vom Denken in 100 Prozent. Den geplanten Webshop muss er nicht drei Jahre lang fertig denken. Er probiert aus, merzt Fehler aus und verbessert. Da sind die Amerikaner für ihn ein Vorbild, und genau das fehlt in Deutschland oft. Sind 90 Prozent erledigt, bringt er die Sache lieber nach vorne. Wie du eine solche Haltung zu Fehlern im Team verankerst, hörst du in der Folge über Fehlerkultur.

Arne erinnert an den Gedanken, der Steve Jobs zugeschrieben wird. Erst ausliefern, dann testen, weil sonst im Zweifel gar nichts ausgeliefert wird. Lieber einen Kunden um Entschuldigung bitten und nachbessern, als ihn zu vertrösten. Philipp geht mit offenem Visier in seine Kundenbeziehungen und sagt auch mal: "Ich möchte das austesten." Passiert ein Fehler, schauen beide darüber hinweg. Viele Kunden begleiten ihn seit 20 Jahren. Wer als Unternehmer gerade sortiert, wo im eigenen Haus mehr Tempo möglich wäre, findet dafür im Coaching einen Sparringspartner.

Spannend wird es, wenn ein ganzes Unternehmen schneller werden soll. Arne fragt, warum etablierte Firmen das Wissen über Tempo und Anpassungsfähigkeit so schwer umsetzen, obwohl sie es aus ihrer Zusammenarbeit mit Asien kennen. Diese Frage betrifft Haltung und Führung auf allen Ebenen. Für solche Prozesse begleiten wir Unternehmen in einer Transformation, in der die Führungskräfte gemeinsam lernen.

Deutsche Tugenden und asiatische Dynamik

Zu sagen, wir machen alles falsch und die anderen alles richtig, ist Philipp zu platt. Auf Pünktlichkeit und Qualität ist er stolz, diese Tugenden haben Deutschland erfolgreich gemacht und machen ihn heute noch erfolgreich. Japaner und Deutsche ähneln sich im Prozessdenken und im Blick fürs Detail, und Taiwan profitiert stark von japanischem Equipment und japanischen Prozessen.

Der asiatische Markt wird von Consumer Electronics getrieben. Ein Tablet ist in zwei Monaten entwickelt, muss günstig sein und ist nach drei Jahren vorbei. Ein Industrieprodukt in Deutschland braucht drei Jahre Validierung und EMV-Tests, läuft dann aber 20 bis 30 Jahre. Das versteht der asiatische Partner oft nicht. Schneller ist auch nicht automatisch besser. Philipp erinnert an einen Kunden, der nach seiner Erinnerung Jahre vor Apple ein Handy mit Touchscreen hatte, das sich am Markt nie durchsetzte. Timing und Fokus gehören dazu.

Arne gefällt dieser Gedanke. Er sieht darin die Einladung, sich auf das zu besinnen, was uns stark gemacht hat, und einzelne Dinge gezielt zu integrieren. Wer im eigenen Team eine schnelle Entscheidung vertreten muss und mit Bedenkenträgern rechnet, kann das Gespräch üben, bevor es ernst wird. Mehr Perspektiven auf das Tempo in Asien findest du in der Folge Was wir von China lernen können.

Beziehungen, Vertrieb und ein Wunsch für die nächsten 20 Jahre

Seit Corona sind Entwickler und Einkäufer schwerer zu erreichen. Viele arbeiten im Homeoffice und wollen ihre Ruhe, junge Ingenieure greifen seltener zum Telefon. Deshalb setzt RM Components auf neue Kanäle wie den Webshop, Teams und Videobotschaften. Philipp selbst ist am liebsten im persönlichen Gespräch, mit möglichst vielen Menschen im Besprechungsraum.

In Taiwan kommt ihm das entgegen. Arne fragt nach dem chinesischen Prinzip Guanxi, dem Beziehungsnetzwerk. Philipp erlebt in Taiwan eine Generation von Unternehmern, die sich kennt, sich anruft und sich trifft. Als der Inhaber seines Lieferanten ihm einen Kontakt vorstellen wollte, schlug Philipp das nächste Jahr vor. Der Mann saß eine Stunde später vor ihm.

Zum Schluss fragt Arne, welche Schlagzeile Philipp in 20 Jahren gern lesen würde. Philipp wünscht sich, dass wir annehmen, was gut zu uns passt, und dass die Politik Europa als Ganzes sieht. Er empfiehlt jedem eine Reise nach Taipeh. Eine Kollegin bei RM Components, die Tochter des taiwanesischen Inhabers, hat Germanistik studiert und spricht fließend Deutsch. Arne würde gern lesen, dass Austauschprogramme mit asiatischen Partnerstädten normal geworden sind und Schüler dort Mandarin lernen. Wie andere Geschäftsführer China erleben, hörst du in der Folge Inspiration China mit Sven Rittau.

Wenn du mehr Unternehmertum in die Führung deines Teams bringen willst, ist unser Führungskräftetraining ein guter Startpunkt. Und wenn du die Gespräche, die schnelle Entscheidungen mit sich bringen, vorher durchspielen möchtest, findest du im DialogLab den passenden Rahmen.

KI-Gesprächstraining

Trainiere schwierige Führungsgespräche mit der KI

Im DialogLab übst du das Gespräch mit einem Mitarbeiter, der lieber erst alles zu 100 Prozent durchdenken will, und bekommst sofort Feedback.

DialogLab kostenlos testen

  • 60Szenarien aus dem Führungsalltag
  • Sofort-Feedbackzu deiner Gesprächsführung
  • Live Q&ALeadership-Sprechstunde mit echtem Trainer

Weitere Folgen zum Thema Gäste & Vorbilder

FOLGE 184 · 14. April 2026 · 51 Min.

Was wir von China lernen können

Pragmatismus, Geschwindigkeit und Lernwille | Sonderfolge China #1 mit Dr. Sven Wilhelm

FOLGE 187 · 21. April 2026 · 42 Min.

In China produzieren und verkaufen

Performance-Kultur vor Ort erlebt | Jörgs Unternehmer-Realität Sonderfolge China #2

FOLGE 196 · 12. Mai 2026 · 58 Min.

Inspiration China mit Sven Rittau

Was deutsche Geschäftsführer auf der K5-Reise lernen | Pragmatismus schlägt Ideologie | China #5

Alle Folgen zum Thema Gäste & Vorbilder

← Zur Podcast-Bibliothek

MINDSET MOVERS GmbH

Bruchhauser Straße 12 40883 Ratingen +49 171 7453967 nathalie@mindsetmovers.de Allgemeine Vertragsbedingungen