Mehr Zeit als Führungskraft: Warum du keine zusätzliche Stunde bekommst
Mehr Zeit als Führungskraft wünschen sich fast alle. Wenn du sagst, dir fehle Zeit für dies oder das, ist diese Folge des Podcast Wirksam führen für dich gemacht. Jörg erzählt, dass das einer der häufigsten Gründe ist, warum Führungskräfte und Unternehmer auf ihn zukommen. „Ich wünsche mir mehr Zeit. Mir fehlt Zeit an allen Ecken und Enden.“ Zu wenig Zeit für die Familie, zu wenig Zeit im Job, und ganz häufig fehlt Zeit für sich selbst.
Manche bekommen Job, Kinder und Partnerschaft ganz gut unter einen Hut. Was überhaupt nicht klappt, ist die Zeit für sich. Kein Sport, kein Buch, keine Ruhe. Wer das kennt, steckt oft in einem Muster, das in der Folge Dafür habe ich keine Zeit beschrieben wird.
24 Stunden für alle
Das Erste, was du dir klarmachen darfst, ist ernüchternd. Mehr Zeit kannst du nicht haben. Jeder Tag hat 24 Stunden, und das ist der Rahmen, in dem sich alle Menschen auf der Welt bewegen. Die Herausforderung liegt woanders. Wie nutzt du diese 24 Stunden?
In den allermeisten Fällen gibt es da viel Raum für Verbesserung. Jörg stellt dafür eine Methode vor, die er die 4A-Methode nennt. Sie besteht aus vier Schritten, und jeder beginnt mit A. Anhalten, Aussortieren, Automatisieren und Abgeben.
Schritt 1: Anhalten und eine Not-to-do-Liste schreiben
Der erste Schritt heißt Anhalten. Du sagst bewusst Stopp und schaust auf dein Leben. Womit hast du in den letzten drei Monaten deine Zeit verbracht? Was davon hättest du eigentlich gar nicht gern gemacht? Was würdest du rückblickend weglassen?
Das können Aufgaben sein, Tätigkeiten oder Termine, beruflich wie privat. Es können auch Gewohnheiten sein. Jörg nennt ein Beispiel. Vielleicht hast du die Gewohnheit, morgens am Frühstückstisch schon die Mails von der Arbeit zu lesen. Und du merkst jeden Morgen, dass dir das nicht guttut, weil du dein Frühstück gar nicht bewusst isst.
Halt an und schreib eine Not-to-do-Liste. Welche Dinge willst du nicht mehr haben? Wenn du dabei ehrlich zu dir warst, hast du am Ende eine Liste mit lauter Dingen, die in deinem Leben sind, obwohl du sie eigentlich nicht drin haben willst. Die nächsten drei Schritte zeigen, wie du mit dieser Liste umgehst.
Schritt 2: Aussortieren
Im zweiten Schritt schaust du dir an, was es davon gar nicht braucht. Was willst du gerade nicht in deinem Leben haben? Und was davon hätte überhaupt keinen Einfluss auf deine Arbeit oder dein Privatleben, wenn du es nicht mehr machst?
Jörg erzählt, was er selbst aussortiert hat. Er war jahrelang ehrenamtlich in einer Stiftung tätig und hat junge Fußballspieler begleitet, beim Thema Selbstführung. Die Arbeit mit den Jugendlichen hat ihm großen Spaß gemacht. Fußball liebt er, und das Thema passt genau zu ihm. Die Termine lagen aber oft abends und am Wochenende. Genau das ist die Zeit, die er für sich und seine Familie hat.
Also hat er schweren Herzens Nein gesagt. Man kann einwenden, dass Ehrenamt wichtig ist und Menschen darauf angewiesen sind. Jörg sieht das auch. Er beschreibt aber, wie unaufrichtig es gewesen wäre, dort zu sein und keinen vollen Einsatz zu bringen, weil er eigentlich lieber bei seiner Familie wäre. Mit drei noch kleinen Kindern ist das seine Lebensphase. Wenn die Kinder größer sind und wieder mehr Zeit da ist, kann er wieder einsteigen.
Ja sagen und Nein meinen
Bei solchen Themen passiert es ganz häufig, dass Menschen Ja sagen und Nein meinen. Du findest dich in Dingen wieder, die du gar nicht machen willst. Weil du Angst hast, was die andere Person über dich denkt. Weil du niemanden vor den Kopf stoßen willst. Weil du niemanden mit seinen Herausforderungen allein lassen willst. Deshalb tun sich so viele schwer mit dem Nein. Warum dich diese Angst erpressbar macht, vertieft die Folge Nein sagen.
Wertschätzend Nein sagen
Jörg hat für sich eine Haltung entwickelt, mit der er wertschätzend und aufrichtig absagt.
„Ich kann das gerade nicht machen. Bitte versteh das nicht als Nein zu dir. Es ist ein Ja zu mir, zu Zeit für mich, für meine Familie oder für die Projekte, die mir wichtig sind.“
Seine Erfahrung ist, dass fast jeder, dem er so begegnet ist, damit etwas anfangen kann. Die Reaktion ist meistens „Verstehe ich vollkommen, passt für dich, passt für mich.“ Wie dieser Satz im Alltag klingt und warum er so gut funktioniert, ist auch Thema der Folge Wie kann ich es allen recht machen. Wer so ein Gespräch vorher einmal durchspielen will, kann das im Gesprächstraining tun.
Schritt 3: Automatisieren
Manche Dinge auf deiner Liste kannst du nicht aussortieren. Sie müssen in irgendeiner Form erledigt werden, aber im Idealfall nicht von dir. Dann kommt der dritte Schritt. Was davon lässt sich automatisieren?
Ganz häufig gibt es dafür Möglichkeiten. Ein Kunde von Jörg hat erzählt, dass er im Sommer jeden Tag 20 Minuten damit verbringt, die Pflanzen im Wintergarten zu gießen. Seine Lösung war eine automatische Bewässerung. Jörg selbst hat beim Hausbau entschieden, nicht jede Woche eine Stunde mit Rasenmähen zu verbringen, und sich einen Mähroboter angeschafft.
Ein Beispiel aus dem Berufsleben stammt aus seiner ersten Gründung. Dort hat er alle eingehende Post an einen Dienst weitergeleitet, der die Briefe automatisch öffnet und einscannt. Er konnte dann schnell durchklicken, welche Post relevant ist, und die relevanten Unterlagen direkt für den Steuerberater vorbereiten. Das hat ihm sehr viel Zeit gespart. Für die Methode hat Jörg außerdem eine Vorlage mit vielen Beispielen entwickelt, die du bei ihm anfragen kannst.
Schritt 4: Abgeben
Was du weder aussortieren noch automatisieren kannst, kannst du oft abgeben. Im privaten Bereich gibt es dafür viele Beispiele. Deine Steuererklärung musst du nicht selbst machen. Ein Steuerberater erledigt das wahrscheinlich besser, weil er sich besser auskennt, und holt vermutlich auch mehr für dich heraus.
Im Job lautet die Frage, was du konsequenter delegieren kannst. Viele erwischen sich bei dem Gedanken „Ich mache das lieber selbst, dann weiß ich, dass es gut gemacht ist.“ Genau dort lohnt der zweite Blick. Wo könntest du konsequenter delegieren? Wie du Aufgaben so abgibst, dass sie gut erledigt werden, zeigt die Folge Delegieren, so geht's. Und wie du ein Delegationsgespräch klar führst, kannst du im DialogLab üben.
Jörg hat auch privat abgegeben. In seiner fünfköpfigen Familie wird selbst gekocht, und es braucht viele Einkäufe. Er war jede Woche 60 bis 90 Minuten mit Einkaufen beschäftigt. Heute bestellt die Familie online beim Lieferservice. Das kostet 5 Euro und spart ihm jede Woche mindestens eine Stunde.
Zeit bewusster nutzen
Das sind ein paar Gedanken, wie du die Zeit, die du im Alltag hast, bewusster nutzen kannst. In jedem Leben haben sich viele Dinge eingeschlichen, zu denen du irgendwann Ja gesagt hast, obwohl du Nein meintest. Sei wach dafür. Frag dich, was du wirklich in deinem Leben haben willst. Dann nutzt du deine Zeit bewusster und zielgerichteter.
Für Führungskräfte hat das einen doppelten Effekt. Wer selbst Zeit für das Wesentliche hat, führt klarer und ruhiger. Wie du durch gezielten Verzicht in deinem Fokusfeld richtig gut wirst, vertieft die Folge über die Work-Life-Balance Strategie. Im Leadership Training REFLECT arbeiten Führungskräfte über zwölf Wochen daran, ihre Rolle klar zu gestalten und das Wesentliche von dem zu trennen, was sie abgeben können. Wenn du die Frage nach Zeit und Prioritäten lieber im Einzelgespräch klären willst, ist ein Coaching der passende Rahmen. Und wenn in eurem Unternehmen viele Führungskräfte im Hamsterrad stecken, lohnt es sich, das Thema als Veränderungsprozess für alle anzugehen, statt jeden einzeln kämpfen zu lassen. Einzelne Führungskräfte starten mit dem Führungstraining REFLECT.

