Stress als Führungskraft: Was steckt hinter dem Dauerzustand?
Stress als Führungskraft kennen viele nur noch als Normalzustand. Du bist Unternehmerin oder Führungskraft, ständig gestresst und angespannt, und hast das Gefühl, dass der Druck nie endet. Arne und Jörg schauen in dieser Folge des Podcast Wirksam führen darauf, was da eigentlich los ist. Und sie laden dich ein, die Folge zu nutzen, um etwas davon loszulassen.
Ihre Kernaussage ist unbequem. Hinter Dauerstress steckt häufig eine Überzeugung, die du nie hinterfragt hast. Und manchmal ist Stress auch ein bequemer Grund, nicht genauer hinzuschauen.
Das Beispiel Lara: Wenn das Fass überläuft
Jörg beginnt mit einem Beispiel. Lara ist Projektmanagerin und fühlt sich ständig gestresst und angespannt. Sie hat mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen und jongliert sie irgendwie. Der Druck und die Arbeitsbelastung nehmen kein Ende. Dann fragt ein Kollege, ob sie noch ein weiteres Projekt übernehmen kann. Lara bricht in Tränen aus.
Meist baut sich so ein Moment über viele Zusagen auf, die einzeln vernünftig klangen. Die Frage des Kollegen ist dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Lara reagiert in diesem Moment auf alles, was sich vorher angestaut hat.
Vielleicht ist es bei dir nicht so dramatisch. Vielleicht kennst du aber das Gefühl, dass gerade einfach alles zu viel ist. Wenn dir solche Momente vertraut sind, lohnt sich auch die Folge über Nein sagen, in der es darum geht, warum die Angst vor Ablehnung dich erpressbar macht.
Stress endet selten am Büroausgang
Jörg weist auf etwas hin, das viele übersehen. Stress und Anspannung beschränken sich oft gar nicht auf das Arbeitsleben. Wer im Job unter Dauerdruck steht, erlebt häufig im Privatleben dasselbe. Vielleicht hast du junge Kinder, die gerade sehr fordernd sind. Vielleicht merkst du, dass deine Eltern älter werden und du dich um sie kümmern und sie pflegen musst. Auch dort nimmt es kein Ende.
Egal, ob es der Beruf ist, das Privatleben oder beides, Jörgs Empfehlung ist dieselbe. Geh einen Schritt zurück und schau auf dein Leben. Was mache ich gerade eigentlich alles? Mache ich zu viele Dinge?
Setz dich gewissenhaft damit auseinander. Welche Projekte habe ich am Laufen? Welche Dinge im Privaten? Wozu habe ich ja gesagt, obwohl ich eigentlich nein meine? Hier ehrlich und aufrichtig mit dir zu sein, ist der erste Schritt. Wie du dir Zeit zurückholst, besprechen die beiden auch in der Folge Wieder mehr Zeit für dich haben.
Selbstführung heißt, dich zuerst um dich zu kümmern
Jörg formuliert einen Gedanken, der für viele Führungskräfte ungewohnt klingt. Du darfst sicherstellen, dass du jeden Tag genug Energie hast, um allen wirklich dienen zu können. Wenn du dich nicht um dich kümmerst und keine Kraft mehr hast, kannst du weder deinem Arbeitgeber noch deinen Mitarbeitenden, deiner Familie oder deinen Freunden wirksam dienen.
Selbstführung heißt, dass du dich an erster Stelle so um dich kümmerst, dass du allen anderen dienen kannst.
Manche empfinden das zuerst als egoistisch. Jörg sieht darin die Voraussetzung dafür, dass du als Führungskraft überhaupt wirksam sein kannst. Wer leer ist, kann anderen kaum Orientierung geben. Und wer erschöpft ist, hat wenig Geduld für die Menschen, die gerade etwas von ihm brauchen. An dieser Form der Selbstführung arbeiten Führungskräfte in unserem Leadership Training REFLECT, weil sie die Basis für alles andere ist.
Stress als Statussymbol und andere Überzeugungen
Arne fragt bei Menschen, die dauerhaft gestresst sind, immer nach dem, was dahintersteckt. Welche Überzeugung habe ich eigentlich über Stress? Er kennt das aus seinem Unternehmerumfeld, gerade von jungen Gründern oder hungrigen Führungskräften. Dort ist Stress häufig so etwas wie ein Statussymbol. Von einem Meeting ins nächste hetzen, zwischendurch noch einen Call machen, schnell noch eine E-Mail schreiben. In manchen Umfeldern wird das ein Stück weit glorifiziert und mit Erfolg gleichgesetzt.
Wenn du mit diesem Gedanken etwas anfangen kannst, prüf ihn. Sind wirklich alle Menschen, die derbe erfolgreich sind, auch gehetzt und gestresst? Arne schlägt vor zu checken, ob die Gleichung auch rückwärts stimmt. Gibt es nicht auch Leute, die toll erfolgreich und dabei entspannt sind? Natürlich gibt es die. Das ist ganz offensichtlich so.
Eine zweite mögliche Überzeugung betrifft den Ausdruck von Stress. Manche reagieren genervt oder besonders gereizt. Dahinter kann der Glaubenssatz stecken, dass ich von anderen nur bekomme, was ich will, wenn ich ein bisschen gereizt bin und Druck ausübe.
Arne greift auch Jörgs Beispiel auf. Dass Lara in Tränen ausbricht, könnte ebenfalls mit einer Überzeugung zusammenhängen. Wenn ich meine Überforderung durch Tränen zeige, lässt man mich in Ruhe. Wie solche limitierenden Glaubenssätze deine Ergebnisse schwächen, hörst du in der Folge über limitierende Glaubenssätze.
Dabei macht Arne deutlich, dass er weder Genervtsein noch Weinen verurteilen will. Die Frage ist immer dieselbe. Steht dir das im Weg? Vielleicht ist es eine kurzfristige Strategie, die für irgendetwas hilft. Aber hilft sie dir bei dem, was du gemeinsam mit den Menschen in deinem Team und in deiner Firma erreichen willst?
Werde wach dafür und schau hin, welche Schlussfolgerung dahinterstecken könnte. Ich muss gestresst sein, damit ich bekomme, was ich will. Ich muss gereizt sein, damit ich bekomme, was ich will. Und dann die entscheidende Frage. Stimmt das überhaupt?
Wenn du merkst, dass Gereiztheit bei dir zur Gewohnheit geworden ist, hilft es, die Situationen, in denen du sonst Druck machst, einmal bewusst anders zu führen. Im DialogLab kannst du solche Gespräche gefahrlos ausprobieren und merkst schnell, wie sie ohne Druck laufen.
Beschäftigt sein als Vorwand, nicht hinzuschauen
Jörg ergänzt einen weiteren Punkt. Gestresst und beschäftigt zu sein, ist auch ein super Vorwand, um nicht hinschauen zu müssen. Oft passt irgendetwas im Leben gerade nicht, im Job oder privat. Wer sich ständig beschäftigt, hat gar keinen Raum, darüber nachzudenken und wach zu werden.
Arne kennt das gut. Wenn wir mal einen Moment Pause haben und eigentlich in Ruhe spazieren gehen oder uns mit uns selbst beschäftigen könnten, greifen wir zur nächsten Ablenkung. Das Handy, vielleicht ein Glas Wein, oder wir rufen schnell jemanden an. Einfach nur, um dem Unangenehmen, das in uns selbst im Weg steht, nicht ins Auge sehen zu müssen.
Wie du unter Dauerdruck klar und handlungsfähig bleibst, vertiefen die beiden auch in der Folge über Resilienz als Führungskraft. Und in der Folge Dauernd Stress als Führungskraft geht es darum, wie du mental gesund bleibst.
Zwei Fragen gegen Dauerstress
Am Ende bringen Arne und Jörg die Folge auf zwei Fragen. Wenn du als Unternehmerin oder Führungskraft häufig gestresst bist und das ein Dauerzustand ist, dann prüfe zuerst, ob du bereit bist, Selbstfürsorge hoch zu priorisieren. Damit kommst du selbst wieder in die Kraft und kannst für andere da sein, für das Unternehmen, für dein Team, für deine Partnerin oder deinen Partner.
Die zweite Frage richtet sich auf deine Überzeugungen. Welcher Glaubenssatz steckt dahinter, dass du dich so gestresst und genervt zeigst? Ist es ein Statussymbol? Denkst du, dass du so eher bekommst, was du willst? Steckt etwas ganz anderes dahinter? Oder ist es eine super Ablenkung, um nicht hinschauen zu müssen?
Am Ende der Folge weisen die beiden auf ihre Live-Webinare hin, unter anderem zur Frage, wie du Beruf, Familie und deine eigenen Bedürfnisse unter einen Hut bekommst. Wenn du tiefer gehen willst, begleitet dich ein Führungscoaching bei der Frage, was dich wirklich unter Druck setzt. Im Führungskräftetraining REFLECT arbeitest du über zwölf Wochen an deiner Haltung. Das klare Nein zu einem weiteren Projekt kannst du als Gesprächstraining üben. Und wenn Dauerstress in eurem Unternehmen ein Muster über viele Führungskräfte ist, lohnt sich ein gemeinsamer Veränderungsprozess.

