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Arne und Jörg schauen kritisch auf den Ruf nach mehr Resilienz und zeigen, wie Klarheit, Fokus und überfällige Gespräche den Dauerdruck senken.

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  • 00:00
    Resilienz unter DauerdruckWarum der Ruf nach mehr Widerstandsfähigkeit eine kritische Prüfung verdient.
  • 01:46
    71 Prozent mehr StressDer Global Leadership Forecast 2025 und die Frage, wozu Resilienz eigentlich dienen soll.
  • 04:31
    Stress als SignalAufgeschobene Gespräche, vertagte Entscheidungen und fehlende Klarheit als eigentliche Stressquellen.
  • 08:22
    Den Worst Case zu Ende denkenWie ein durchgespieltes Horrorszenario seinen Schrecken verliert und Lösungen sichtbar macht.
  • 12:48
    Widerstand oder AnnahmeWoher der Begriff Resilienz kommt und warum Kampf gegen Unveränderbares Energie frisst.
  • 16:22
    Den Schwung des anderen nutzenEine Trainingsübung zeigt, wie du Dynamiken nutzt, statt dagegen zu drücken.
  • 18:52
    Klarheit statt AtemübungenWarum Ruhe ein Nebenprodukt von Klarheit ist und welche Aufgaben du streichen kannst.
  • 24:05
    Projekte stoppenNein sagen zu alten Zusagen, Gleichgültigkeit im doppelten Sinn und die Sunk Cost Fallacy.
  • 26:19
    Stress kommt aus BeziehungenWarum 40 Prozent der Gestressten aussteigen wollen und zwei Fragen, die du dir stellen solltest.
  • 33:46
    Vier Stufen der KompetenzVon der unbewussten Inkompetenz zur Souveränität im Führungsalltag.

Shownotes

Zum Nachlesen

Resilienz als Führungskraft: Wofür brauchst du sie eigentlich?

Du hast Dauerstress, liegst nachts wach und denkst, du müsstest einfach belastbarer werden. Ein dickeres Fell, dann klappt das schon. Genau diesen Gedanken nehmen Arne und Jörg in dieser Folge vom Podcast Wirksam führen auseinander. Ihre These ist unbequem. Wer als Führungskraft vor allem an seiner Resilienz arbeitet, arbeitet oft an der falschen Stelle.

Der Ausgangspunkt ist eine Zahl aus dem Global Leadership Forecast 2025. Dort berichten 71 Prozent der befragten Führungskräfte, dass ihr Stress seit Übernahme der Rolle stark gestiegen ist. Die übliche Antwort lautet, resilienter zu werden. Die beiden fragen zurück. Wozu? Damit du noch mehr Stress aushältst?

Resilienz brauchst du, um Dauerdruck und Dauerbelastung besser zu ertragen. Dabei ist Dauerdruck eine Ausnahmesituation, die sich niemand wünscht. Wer Bücher liest, Übungen macht und Trainings besucht, nur um noch mehr Druck auszuhalten, betreibt Symptombekämpfung. Arne geht noch weiter. Resilienz liegt nah an Abstumpfung. Wer Stress als Organismus gar nicht mehr spürt, trainiert sich eine überlebenswichtige Fähigkeit ab.

Dauerstress als Signal für ungelöste Themen

Statt härter zu werden, schlagen Arne und Jörg einen anderen Modus vor. Nimm das Gefühl ernst und lies es als Information. Dauerstress zeigt dir, dass ein zentrales Problem für dich noch nicht gelöst ist.

Frag dich deshalb, was dich konkret stresst. Oft sind es Gespräche, die du vor dir herschiebst. Eine Entscheidung, die du vertagt hast. Oder eine Entscheidung deiner Vorgesetzten, hinter der du nicht stehst und die du trotzdem ins Team tragen sollst. Wenn dich so etwas nachts wach hält oder abends bei der Familie noch beschäftigt, ist zwischen Menschen etwas ungeklärt, eine Entscheidung offen oder es fehlt Klarheit. Wie du aus so einer Hängepartie herauskommst, besprechen die beiden auch in der Folge zur Entscheidungs-Paralyse.

Arne bringt es auf eine kurze Formel. Stress ist ein Businesswort für Angst. Wer dauerhaft gestresst ist, fürchtet sich dauerhaft vor etwas. Resilienz brauchst du demnach nur so lange, bis du eine Lösung gefunden hast. Wenn dich das Thema schon länger begleitet, findest du in der Folge Dauernd Stress als Führungskraft weitere Gedanken zum Umgang mit Belastung.

Neue Perspektive: Den Worst Case zu Ende denken

Durch Grübeln kommst du bei Dauerstress selten zur Lösung. Arne beschreibt aus eigener Erfahrung, dass er dafür einen anderen Zustand braucht. Manchmal besteht die Lösung allein in einem neuen Blick auf ein Problem, das vor allem in der eigenen Geschichte bedrohlich wirkt und faktisch viel kleiner ist. Dabei helfen Ruhe, eine kurze Auszeit und das Gespräch mit anderen, etwa im Coaching oder mit einem guten Freund. Den Einwand kennen die beiden aus ihren Trainings gut. „Dafür habe ich gar keine Zeit.“ Hilfreich ist die Pause trotzdem.

In der Folge spielen die beiden ein Beispiel durch. Jemand fürchtet, ein Projekt in den Sand zu setzen. Dann verliert er den Job, findet in seiner Branche schwer einen neuen, kann die Finanzierung fürs Haus nicht mehr halten und muss zurück in eine Mietwohnung. Dazu kommt die Scham vor Freunden und Nachbarn.

Wenn du so ein Szenario bis zum Ende denkst, wird es oft kleiner. Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebt, für den ist auch der schlimmste Fall meistens doof, aber aushaltbar. Kleine Kinder sind glücklich, wenn Mama und Papa da und gesund sind. Und der Nachbar zeigt beim Skatabend eher selten mit dem Finger auf dich. Wahrscheinlicher bietet er dir Hilfe an.

Sobald jemand innerlich sagt, so schlimm wäre es gar nicht, atmet er durch und fängt an, Lösungen zu finden. Schönreden musst du dabei nichts. Die Frage ist schlicht, ob du mit der Situation umgehen könntest. Ein Problem, das präzise formuliert ist, ist schon halb gelöst.

Du bist ein Problemlösungswunder. Du hast für die allermeisten Probleme in deinem Leben eine Lösung gefunden, und darauf kannst du auch in Zukunft vertrauen.

Widerstand kostet Energie

Das Wort Resilienz kommt aus dem Lateinischen und meint so viel wie zurückspringen oder abprallen. Im Deutschen übersetzt man es meist mit Widerstandsfähigkeit. Und die brauchst du vor allem dann, wenn du im Widerstand bist.

Ob du gegen etwas kämpfst oder es annimmst, ist oft eine Frage der Haltung. Viele Führungskräfte kämpfen gedanklich gegen Dinge, die sie nicht beeinflussen können. Die Weltlage, Entscheidungen von Regierungen, das Verhalten anderer Menschen in der Firma. Dein Ärger über einen Kollegen ändert den Kollegen nicht. Wer das loslässt und sich auf den eigenen Wirkungskreis konzentriert, hat deutlich mehr Energie übrig, weil weniger für Schauplätze draufgeht, auf denen er gar nicht spielen kann. Frag dich also, worum du da gerade eigentlich kämpfst.

Eine Übung aus einem Training macht das greifbar. Zwei Teilnehmer sollen sich gegenseitig aus einem kleinen Kreis drängen. In der ersten Runde drücken beide gegeneinander. In der zweiten Runde nimmt einer den Schwung des anderen auf, zieht ihn mit und gewinnt.

Übertragen auf Führung heißt das, die Dynamik zu verstehen, die gerade läuft. Viele Führungskräfte kämpfen um Anerkennung, Wertschätzung oder Respekt und versuchen, andere zu überzeugen. Ob der andere wirklich gegen dich ist, findest du am schnellsten heraus, wenn ihr miteinander sprecht. Dynamiken verstehst du im Gespräch schneller als durch Analyse. Wenn dich beschäftigt, was jemand über dich denkt, führ ein kurzes Gespräch. Den Einstieg kannst du vorher in einem Gesprächstraining durchspielen.

Klarheit bringt Ruhe in den Führungsalltag

Ein häufiger Satz von Führungskräften lautet, es sei einfach zu viel. Der Vorstand kippt immer neue Aufgaben rein, alles wirkt dringend. Meditation und Atemübungen helfen beim Aushalten. Dauerhafte Ruhe entsteht nach Erfahrung der beiden als Nebenprodukt von Klarheit. Stress ist dann der Ausdruck von Unklarheit darüber, worum es eigentlich geht.

Frag dich, was im Geschäft wirklich die Nadel bewegt. Vielleicht ist es klüger, 20 oder 30 Prozent der Aufgaben zu stoppen, zu verschieben oder ganz zu streichen und dich auf die 60 oder 70 Prozent zu konzentrieren, die zählen. Kläre das im Team und mit deinen Vorgesetzten. Arne empfiehlt dafür ein Aufräummeeting mit dir selbst, mit Zettel und Stift oder mit einer vertrauten Person. Prüf, ob du jeden Mitarbeiter wöchentlich sprechen musst oder ob einmal im Monat reicht, und an welchen Meetings du gar nicht mehr teilnehmen musst.

Wenn du dich fokussierst, kommen Befürchtungen. Was denkt der Mitarbeiter, den ich extra dafür eingestellt habe? Sag ihm klar, worauf du den Fokus legst und dass das mit deiner Wertschätzung für ihn nichts zu tun hat. Wie gezielter Verzicht dir Fokus verschafft, hörst du in der Folge zur Work-Life-Balance Strategie.

Nein sagen, auch zu alten Projekten

An Ideen wird es dir in einem Team kluger Leute nie mangeln. Konsequent ist es, öfter Nein zu sagen und erst fertigzumachen, was läuft. Die beiden zitieren dazu einen Gedanken, den sie Warren Buffett zuschreiben. Sehr erfolgreiche Menschen sagen zu fast allem Nein.

Dasselbe gilt für Dinge, zu denen du schon Ja gesagt hast. Ein Projekt zu stoppen, an dem jemand wochenlang gearbeitet hat, ist unangenehm und braucht manchmal eine Entschuldigung. Arne hat in seinem Berufsleben mehrfach erlebt, wie erleichternd das sein kann. Du darfst bedauern, dass du jemanden enttäuschst, und gleichzeitig überzeugt sein, dass die Entscheidung richtig ist. Beides gilt gleichzeitig. Im Weg steht oft die Sunk Cost Fallacy, also der Denkfehler, an etwas festzuhalten, weil schon viel Zeit oder Budget hineingeflossen ist. Was weg ist, ist weg.

Führung ist trainierbar

Laut der Studie haben 40 Prozent der gestressten Führungskräfte erwogen, ihre Führungsrolle aufzugeben. Arne schätzt aus Trainings und Einzelcoachings grob, dass rund 80 Prozent der Belastung aus Beziehungen entsteht und selten aus Aufgabenmenge oder Zahlendruck. Wer im Vertrieb bei 60 statt 100 Prozent steht, leidet selten an der Zahl selbst. Belastend ist die Angst, zum Chef zu gehen und zu sagen, dass die 100 in diesem Quartal nicht drin sind.

Zur Führungsrolle gehört es, solche Gespräche anzustoßen, Konflikte anzusprechen, Menschen zu stoppen, unbequeme Botschaften zu überbringen und als Repräsentant der Firma Gegenwind auszuhalten, ohne einzuknicken. Jörg stellt dazu zwei Fragen. Willst du das wirklich meistern? Und traust du es dir zu? Wenn du die erste Frage mit Ja beantwortest, lässt sich die zweite lösen. Fehlt dir noch Sicherheit, ist das trainierbar.

Entscheidend ist dein Selbstbild. Wenn du glaubst, dass du Verhalten lernen und verändern kannst, dann kannst du es auch. Glaubst du es nicht, bestätigst du das ebenso. Arne vergleicht das mit dem Profisport. Dort wird viermal pro Woche trainiert und einmal gespielt. Im Business liegt die Quote oft bei 100 zu 0, es wird nur gespielt. In einem Leadership Training simulierst du schwierige Gespräche und tauschst dich mit anderen Führungskräften aus. Gelernt wird dann im Alltag zwischen den Trainingsterminen. Das erste echte Gespräch ist holprig, das zweite besser, und nach 20 oder 30 Gesprächen in einem Führungsjahr kommt die Souveränität. Wer solche Gespräche vorab mit KI üben will, findet im DialogLab passende Szenarien.

Hinter dieser Entwicklung steckt das Modell der Kompetenzstufen. Wer neu in der Führungsrolle ist und das erste Kündigungsgespräch gegen die Wand fährt, merkt erst dann, was er noch nicht kann. Aus unbewusster Inkompetenz wird bewusste Inkompetenz. Danach lernst du, bereitest dich vor und denkst jedes Gespräch bewusst durch. Irgendwann sprichst du an, was nicht passt, ohne lange zu überlegen, und die Sache ist geklärt.

Jörg vergleicht das mit dem Autofahren. In den ersten Fahrstunden ist es überwältigend mit Kuppeln, Schalten, Blinken und Schulterblick. Heute fährst du von Hamburg nach Berlin und weißt hinterher kaum, wie. Dorthin kann sich auch Führung entwickeln, und das bringt dir mehr Ruhe als ein dickeres Fell. Wer Stress als Dauerthema kennt, hört in der Folge Führungskräfte ständig gestresst und angespannt weiter. Wollt ihr mehrere Führungskräfte auf diesen Weg bringen, passt eine Führungskräfteentwicklung im Unternehmen. Für einzelne Führungskräfte ist das Führungstraining REFLECT der nächste Schritt.

KI-Gesprächstraining

Trainiere schwierige Führungsgespräche mit der KI

Im DialogLab trainierst du schwierige Führungsgespräche mit KI-Charakteren und bekommst direkt Feedback.

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