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Haltung, Wissen, Kommunikation: Arne und Jörg diskutieren die wichtigsten Führungskompetenzen und warum Sinn und gute Führung den Krankenstand senken.

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    Mehr Gespräche zu zweitArne und Jörg erklären, warum sie wieder mehr gemeinsame Folgen aufnehmen.
  • 01:39
    Drei Qualitäten einer FührungskraftJörg bringt die Antwort eines ehemaligen Bahn-Vorstands mit, Haltung, Wissen und Kommunikation.
  • 04:04
    Haltung als FührungskompetenzIntegrität, Verantwortung und Wort halten, auch wenn sich der eigene Standpunkt ändert.
  • 06:46
    Haltung lässt sich nicht fakenWarum dein Team spürt, was du wirklich über es denkst.
  • 09:13
    Wie wichtig ist Wissen?Fachwissen, Wissen über Menschen und der Wert von Erfahrungswissen.
  • 17:29
    Kommunikation aus der AbsichtKlare Erwartungen, Vereinbarungen und die Kraft der richtigen Fragen.
  • 22:01
    Krankenstand in DeutschlandArne über aktuelle Zahlen und die Frage, welchen Einfluss Führung darauf hat.
  • 25:42
    Mehr Druck als falscher HebelWarum strengere Regeln an der Ursache hoher Fehlzeiten vorbeigehen.
  • 35:03
    Sinn und ZugehörigkeitWas Führungskräfte tun können, damit Menschen gern zur Arbeit kommen.
  • 44:35
    Die KathedraleJörgs Steinbruch-Geschichte über das große Ganze hinter jeder Arbeit.

Shownotes

Zum Nachlesen

Führungskompetenzen: Haltung, Wissen und Kommunikation

Welche Führungskompetenzen zählen wirklich? Jörg hat diese Frage einem ehemaligen Vorstand der Deutschen Bahn gestellt. Ein Freund von Jörg hatte ihn bei einem Vortrag gehört. Dort sagte er, Leadership habe großen Einfluss auf die gesellschaftlichen Herausforderungen. Überall, wo Menschen führen, im Unternehmen oder schon im Kindergarten, strahle das in die Gesellschaft. Das passt zur Vision von MINDSET MOVERS, also fragte Jörg nach. Die Antwort kam schriftlich und knapp. Haltung, zum Beispiel als Vorbild. Wissen. Und Kommunikation, also auf Menschen zugehen, sie mitnehmen und ernst nehmen, zuhören und die richtigen Fragen stellen.

In dieser Folge des Podcast Wirksam führen nehmen Arne und Jörg die drei Punkte auseinander. Im zweiten Teil geht es um ein Thema, das gerade viele Unternehmen beschäftigt, den hohen Krankenstand.

Haltung: Integrität und Verantwortung

Arne versteht unter Haltung zuerst eine Haltung, die ergebnisorientiert und menschenorientiert zugleich ist. Dazu gehören Verantwortung und Integrität. Verantwortung heißt, dich für die Ergebnisse deiner Gruppe und für deine eigenen verantwortlich zu fühlen und das auch zu zeigen. Das wirkt als Vorbild, weil andere dann eher bereit sind, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen.

Integrität bedeutet Wort geben und Wort halten. Arne ergänzt einen Punkt, der oft zu kurz kommt. Manchmal willst du dein Wort nicht mehr halten, weil sich etwas verändert hat oder weil du heute anders über eine Sache denkst. Dann gehört es zur Integrität, das offen zu sagen. „Ich halte mein Wort an dieser Stelle nicht, weil ich heute anders darüber denke. Das richtet sich nicht gegen dich.“

Jörg bringt einen weiteren Aspekt ein. Sei dir deiner eigenen Haltung bewusst. Was denkst du eigentlich über einen bestimmten Kollegen? Denkst du wohlwollend über ihn, oder hältst du seine Leistung insgeheim für unter aller Kanone? Diese innere Haltung bestimmt, wie du mit ihm umgehst, ob du Dinge ansprichst oder aus Angst vor einer Kündigung lieber schweigst. Wie das mit authentischer Führung zusammenhängt, hörst du in einer eigenen Folge.

Warum du deine Haltung nicht faken kannst

Arne geht noch einen Schritt weiter. Einen Fremden auf der Straße kannst du belügen, ohne dass er es merkt. Menschen, mit denen du täglich arbeitest, haben dich dagegen schnell erfasst. Deine Haltung bricht sich Bahn, in Gestik, Mimik, Tonfall und Sprache. Wenn du etwas anderes sagst, als du meinst, entsteht beim Gegenüber eine Dissonanz.

Ein Beispiel. Du hältst jemanden für unzuverlässig und vertraust ihm nicht. Trotzdem sagst du ihm, er sei das beste Pferd im Stall. Dein Mitarbeiter kann keine Gedanken lesen. Er spürt aber, dass etwas nicht stimmt. Langfristig lässt sich Haltung nicht vortäuschen. Wer sie bewusst nutzen will, um Menschen zu führen und zu inspirieren, muss bei sich selbst anfangen. Genau daran arbeiten wir im Leadership Training REFLECT.

Wie wichtig ist Wissen für Führungskräfte?

Beim Wissen sind sich die beiden nicht einig, und genau das macht diesen Teil spannend. Arne hält Wissen für sehr wichtig. Fachwissen meint er damit nur am Rande. Es macht es Menschen leichter, dir zu folgen, ist aber keine Bedingung. Sonst könnten Unternehmer keine ganzen Unternehmen führen, denn niemand folgt ihnen, weil sie jeden Buchungssatz besser beherrschen als die Buchhaltung. Wichtig ist für Arne Wissen über Menschen, über Verhalten, psychologische Themen und zwischenmenschliche Dynamiken. Dazu Wissen über den eigenen Markt.

Jörg sieht Wissen als den Punkt, der im Vergleich abfällt. Mit der richtigen Haltung und guter Kommunikation könne man sich vieles aneignen. Jürgen Klopp, sagt Jörg, könnte vermutlich auch einen Handwerksbetrieb oder eine Agentur führen. Natürlich gibt es Branchen, in denen Fachwissen unerlässlich ist, etwa in Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung. Wer aber fachfremd einen Handwerksbetrieb übernimmt und offen sagt, dass er die Einkaufspreise noch lernen muss, kann trotzdem erfolgreich starten.

Arne hält dagegen. Wissen ist für ihn ein Beschleuniger, der Haltung und Kommunikation erst wirksam macht. Wer eine gute Haltung hat, sich aber nie mit Fällen, Beispielen und Geschichten beschäftigt, kann sie kaum auf die Straße bringen. Arne unterscheidet dabei zwischen angelesenem Wissen und Erfahrungswissen. Erfahrungswissen ist für ihn viel wertvoller, weil du nur damit beurteilen kannst, wie sich etwas anfühlt und ob es für dich taugt.

Kommunikation als wichtigste Führungskompetenz

Bei der Kommunikation sind sich beide schnell einig. Jörg betont, aus der Absicht heraus zu kommunizieren. Warum erwartest du etwas? Welche Intention steckt hinter einer Aufgabe oder Entscheidung? Wer seine Erwartungen klar macht, schafft einen sicheren Rahmen. Darauf aufbauend lassen sich Vereinbarungen treffen, denen beide Seiten wirklich zustimmen.

Für Arne ist Kommunikation auf der Skill-Ebene das Wichtigste überhaupt, weil sie das Einzige ist, was Führungskräfte wirklich tun. Selbst ein neuer Prozess erwacht nicht von allein zum Leben. Er muss kommunikativ eingeführt werden. Zuhören, die Intelligenz der Gruppe nutzen und die richtigen Fragen an der richtigen Stelle stellen, all das will trainiert werden. Wer fragt, der führt, heißt ein bekannter Satz dazu.

Arne erzählt von einer Teilnehmerin aus einem aktuellen Programm, die er im Einzelcoaching begleitet. Sie hat sich vorgenommen, weniger Antworten zu liefern und mehr Fragen zu stellen. Vor allem aber, sagt sie, kenne sie meistens nur einen Weg zum Ziel, und es gebe garantiert bessere. Ihr Team soll eigene Antworten finden und eigene Erfahrungen machen, von denen sie selbst lernen kann. Gespräche führen, auch schwierige Gespräche, Konflikte auflösen, das alles sind Kommunikationsfähigkeiten. Damit sie dir leichtfallen, musst du sie ein paar Dutzend Mal gemacht haben.

Krankenstand senken: was Führung damit zu tun hat

Arne bringt das zweite Thema mit. Er hat gelesen, dass Beschäftigte in Deutschland im Schnitt etwa 15 Tage im Jahr krank sind, laut einer Auswertung der Techniker Krankenkasse sogar rund 19 Tage. Häufige Gründe sind Erkältungen, psychische Erkrankungen und Rückenprobleme. Bei Statista ist ihm aufgefallen, dass der Krankenstand in der jüngeren Vergangenheit in den Jahren 2007 und 2008 am niedrigsten war, also zur Zeit der Finanzkrise und der Lehman-Pleite, als viele Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz hatten.

Politisch wurde unter anderem diskutiert, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Arne hält das für den falschen Hebel. Mehr Druck und mehr Angst senken die Zahlen vielleicht kurzfristig. Langfristig führen sie eher zu mehr Ausfällen. Viele Menschen sind entweder so uninspiriert von ihrem Job, dass sie jede Gelegenheit nutzen, nicht dabei sein zu müssen. Oder sie sind so überlastet, dass sie sich Auszeiten nur erlauben, wenn sie krank sind. Wie du mit konkreten Verdachtsfällen umgehst, besprechen wir in der Folge Häufige Krankmeldungen.

Jörg sieht den Ansatz beim einzelnen Menschen. Was führt dazu, dass jemand unglücklich oder ausgebrannt ist? Fühlt er sich im Job wohl, oder ist er irgendwo falsch abgebogen? Er erzählt aus dem Buch Das Happiness Prinzip, in dem es heißt, viele Harvard-Studenten seien unglücklich, obwohl sie an einer der besten Universitäten studieren. Erst glücklich sein, dann kommt der Erfolg.

Arne deutet das so. Viele spielen dort eine Rolle, die gar nicht ihrer eigenen Intention entspricht, weil die Familie es so wollte oder die Peergroup Anerkennung verspricht. Im Job ist es genauso. Wer ständig über die eigenen Bedürfnisse hinweggeht und eine Rolle spielt, wird krank. Die Maßnahmen, die gerade diskutiert werden, mehr Kontrolle durch den medizinischen Dienst, Aufklärung über die Folgen von Fehlzeiten, betriebliches Gesundheitsmanagement, sind für Arne Symptombekämpfung. Sie fragen nicht, warum es so ist.

Das Warum erklären: Sinn, Zugehörigkeit und Autonomie

Was kannst du als Führungskraft tun? Arne würde zuerst fragen, warum Menschen nicht gern kommen. Verstehen sie das Warum? Identifizieren sie sich mit dem, was ihr tut? Oder liegt es an dir als Führungskraft? Im Kinder- und Jugendsport sieht man das deutlich. Bei Trainern, die eher Schleifer sind, fehlen im Winter reihenweise Spieler. Der kleine Schnupfen wird dann zum Grund.

Wenn das gute Gehalt der einzige Grund ist zu kommen, nennt Arne es Schmerzensgeld. In einem Arbeitnehmermarkt, in dem viele keine Angst haben müssen, ihren Job zu verlieren, ist dann kaum zu erwarten, dass sie sich mit Schnupfen zur Arbeit schleppen. Anders ist es in Teams, in denen Menschen gern kommen, weil sie füreinander da sind und den Kollegen nicht zur Last fallen wollen. Solche Solidarität kann eine Führungskraft beleben, ohne Druck. Dazu kommen Autonomie und Selbstbestimmung.

Jörg nimmt die Gegenposition ein. Was ist mit Menschen in der Akkordarbeit, die einfach Geld verdienen wollen? Arne antwortet mit der Haltungsfrage vom Anfang. Sind die Leute am Band für dich Ressourcen, die schrauben sollen, oder nimmst du sie als Menschen ernst und fragst sie, was sie anders machen würden? Er hat im Studium selbst in einem Lager gearbeitet. Der Job war nicht inspirierend, die Leute um ihn herum waren es. Wie du Identifikation schaffst, ganz ohne Purpose-Floskeln, hörst du in einer weiteren Folge.

Jörg erzählt dazu eine Geschichte. Ein Mann kommt an einem Steinbruch vorbei und fragt einen Arbeiter, was er da macht. „Siehst du doch, ich haue Steine“, sagt der, mit hängenden Schultern. Ein Stück weiter fragt er einen zweiten, der strahlend arbeitet. „Ich baue eine Kathedrale.“

„Ich glaube, jeder Mensch hat Lust darauf, irgendwo dazuzugehören und wirksam zu sein.“

Arne überträgt das Bild auf die Akkordarbeit. Wer Schrauben für Bremsanlagen dreht, sorgt dafür, dass Familien sicher unterwegs sind. Solche Geschichten zu liefern, ist Aufgabe von Führung, und für jeden Menschen kann ein anderer Aspekt des eigenen Beitrags wichtig sein. Wenn Menschen sich so identifizieren, kommen sie gern zur Arbeit, und die Fehlzeiten sinken.

Wenn du diese Haltung in deinem Unternehmen verankern willst, begleiten wir dich mit Führungskräfteentwicklung im Unternehmen oder im Führungskräftetraining REFLECT. Für einzelne Fragen ist ein Führungscoaching ein guter Weg. Und das Gespräch über das Warum mit deinem Team kannst du vorher im DialogLab üben.

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