Guter Führungsstil: Warum es den einen besten nicht gibt
Was macht gute Führung aus? Welcher Führungsstil ist der richtige oder sogar der beste? Diese Frage begegnet Arne und Jörg ständig, oft ein wenig verkleidet. In dieser Folge im Führungspodcast drehen sie die Frage um. Den einen guten Führungsstil, der für alle passt, halten sie für eine Illusion. Entscheidend ist, ob deine Führung funktioniert, für dich, für dein Team und für das Unternehmen.
Jörg beobachtet, dass bei der Suche nach dem richtigen Führungsstil oft Angst mitschwingt. Die Angst, etwas zu übersehen, irgendwo ein Defizit zu haben. Arne fragt zurück, aus welcher Perspektive eine Führungskraft eigentlich gut sein soll. Als Repräsentant des Unternehmens? Als guter Leader für das Team? Beides gleichzeitig, perfekt austariert?
Der Vergleich mit anderen führt in die Defizithaltung
Jörg beschreibt eine typische Szene. Du bist Vertriebschef und siehst Stefan, den Head of Marketing, der in deinen Augen eine richtig starke Führungskraft ist. Sofort fragst du dich, ob du genügst. Arne kennt das aus seiner Zeit bei EO, wo er sich acht Jahre lang jeden Monat mit anderen Unternehmern traf. Erzählte jemand, wie klar er mit seinen Direktoren kommuniziert, dachte Arne sofort, das müsse ein richtig klarer Leader sein. Beobachtet hatte er davon nichts. Er hatte es aus dem Gehörten geschlussfolgert.
Jörg bringt es auf den Punkt. Wir sehen im anderen, was wir selbst gern hätten, und schauen nur auf einzelne Bausteine, nie auf das ganze Paket. Arne sieht darin ein Muster unserer Optimierungsgesellschaft. Viele wollen besser werden, aber selten aus Neugier. Meist treibt sie das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
Daraus folgt Arnes erste Einladung. Frag dich, warum du diese Folge eingeschaltet hast. War es ein gefühltes Defizit? Dann nimm dir einen Moment und überleg, was du an Führung besonders gut kannst. Was fällt dir leicht, wofür bekommst du Anerkennung? Arne hat oft erlebt, dass Menschen ihn für Dinge gefeiert haben, die er für selbstverständlich hielt.
Was gute Führung ausmacht: Funktioniert es?
Statt an Vorbildern kannst du dich an einer schlichten Frage ausrichten. Funktioniert es? Erreichst du mit deinem Team die Ziele, die ihr euch gesteckt habt? Geht ihr so miteinander um, wie du es dir wünschst? Als Führungskraft hast du großen Einfluss auf die Kultur. Gute Führung, schlechte Führung, richtig oder falsch als allgemeine Kategorie hilft dir wenig. Wenn es funktioniert, ist es gut.
Jörg ergänzt eine wichtige Bedingung. Es muss auch für deine Leute und für das Unternehmen funktionieren. Laufen dir die Menschen davon oder ist das Unternehmen unzufrieden, wird es langfristig auch für dich nicht funktionieren.
Arne warnt vor der Art, wie Führungsbücher und LinkedIn bestimmte Stile heroisieren und andere als überholt abstempeln. Oft erlauben wir uns Dinge nicht, weil wir Angst haben, auf eine bestimmte Weise wahrgenommen zu werden. Der People Pleaser verkneift sich Klarheit, weil er nicht als dominanter, harter Chef gelten will. Mehr dazu hörst du in der Folge über People Pleasing. Die Hardlinerin will auf keinen Fall weich wirken. Genau die Seite, als die du nicht wahrgenommen werden willst, ist dein Lernfeld.
Führung nach Situation: Der Kapitän im Sturm
Jörg spricht von der ganzen Klaviatur. Wer meint, als Führungskraft immer auf eine bestimmte Art sein zu müssen, dem fehlen ein paar Tasten. Manche Phasen brauchen mehr Klarheit und Direktheit, andere mehr Empathie.
Arne macht das mit einer Metapher greifbar. Du bist Kapitän eines Schiffes und segelst mit deiner Crew einem Hafen entgegen. Nachts zieht ein Sturm auf. Du läutest die Glocke, holst alle an Deck, verteilst klare Aufgaben, Segel einholen, anleinen, alles festmachen. Jörg ergänzt, dass in dieser Phase niemand diskutieren will. „Martin, magst du überhaupt an den Mast? Carola wollte doch mal ans Ruder.“ Dafür ist keine Zeit.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne, ihr seid wieder auf Kurs. Jetzt ist die Zeit für andere Fragen. Wie war das gestern für euch? Was lernen wir daraus? Du warst auf dem Mast, das war gefährlich, wie geht es dir? Wer Mut hat, fragt auch, wie er selbst in dieser Situation geführt hat. Es geht viel mehr um die Situation und darum, was funktioniert, als um Moral. Welcher Führungsstil der richtige ist, haben Arne und Jörg schon früher von dieser Seite beleuchtet.
Haltung und Unperfektion
Jörg betont die Haltung dahinter. Du willst Themen lösen, vorankommen und bleibst menschenorientiert. Du bist wach dafür, was funktioniert und was nicht. Arne ergänzt, dass zu dieser Haltung gehört, dir Fehler zu erlauben. Perfekt führen geht ohnehin nicht. Wenn du bereit bist, unperfekt zu handeln, und korrigierst, sobald etwas nicht funktioniert, tun es dir andere gleich. Sie fühlen sich sicher genug, Dinge auszuprobieren.
Jörg setzt noch eine Klammer. Dieselbe klare Ansage feiert der eine als Klarheit, der andere lehnt sie ab. Es allen recht zu machen, funktioniert nicht. Arne erklärt, dass das viel mit der Haltung des anderen zu tun hat. Für den einen bist du das Fähnchen im Wind, für den anderen der empathische Kumpelchef.
Qualitäten, denen Menschen gern folgen
Jörg beginnt mit einer Qualität, die ihm wichtig ist. Zeig dich als Mensch. Sag ruhig, dass dir etwas nicht gelungen ist oder du einen schlechten Morgen hattest, der nichts mit dem Team zu tun hat. Und feier dich auch, wenn eine Präsentation richtig gut war.
Arne kennt die andere Seite. Früher hat er selbst als Geschäftsführer eine Rolle gespielt, wollte als der professionelle Unternehmer wahrgenommen werden. Das war enorm anstrengend. Heute zeigt er sich als unperfekter Mensch mit Ausschlägen nach oben und unten, und das entlastet ihn sehr. Versetz dich in die Lage deiner Mitarbeitenden. Sie müssen sich in der Hierarchie oft noch mehr zusammenreißen. Diese Energie fehlt dann für Produktivität und gemeinsamen Erfolg. Jörg ergänzt, dass auch Emotionen ihren Platz haben. Warst du in einem Termin drüber, kannst du hinterher sagen „Es tut mir leid, ich habe überreagiert, worum es mir eigentlich geht, ist das“.
Wenn du selbst nicht vertraust, kannst du keine Atmosphäre des Vertrauens erzeugen.
Jörg nennt als nächste Qualität ein vertrauensvolles Umfeld, in dem Menschen Fehler und Erfolge offen ansprechen. Arne geht einen Schritt weiter. Vertrauen beginnt bei dir. Wer sich selbst, anderen oder der Welt misstraut, wird skeptisch, und andere spüren das. Darüber sprechen die beiden auch in der Folge über Misstrauen, Vertrauen und Selbstvertrauen. Kontrolle ist dabei nicht automatisch Misstrauen, ein Vier Augen Prinzip kann ein sinnvoller Prozess sein. Fällt es dir schwer, dir und deinen Entscheidungen zu vertrauen, ist das ein typisches Thema für ein Coaching mit Arne oder Jörg.
Ein Ausdruck von Vertrauen ist Augenhöhe. Sich über andere zu stellen, lassen Menschen nicht lange mit sich machen. Weniger bewusst ist vielen, dass Anbiederung von unten genauso wenig funktioniert. Deshalb hält Arne das Konzept Servant Leadership für dysfunktional. Wer nur Dienstleister seiner Mitarbeitenden ist, setzt sie auf ein Podest, genau wie beim Satz „Der Kunde ist König“. Führung und Umsetzung sind zwei gleich wichtige Rollen, die einander ermächtigen.
Jörg nennt Klarheit. Klarheit in der Kommunikation, in deinen Erwartungen, darüber, wann diskutiert wird und wann umgesetzt, und in den Aufgaben, die du delegierst. Arne stellt das Interesse daneben. Wenn du ehrlich an Menschen interessiert bist, bekommst du echte Antworten statt Ausreden und Rechtfertigungen. Das geht nur ohne Fangfragen und ohne Tricks. Jörg schließt eine wichtige Person ein, nämlich dich selbst. Sei neugierig, wo du in Mustern gefangen bist, etwa wenn du etwas aus Angst vor Ablehnung nicht ansprichst.
Fällt dir das Interesse leicht und die Klarheit schwer, oder umgekehrt, liegt dort dein Lernfeld. Die Verbindung nennt Arne respektvolle Klarheit oder empathische Konfliktoffenheit. Genau das trainierst du im Leadership Training von MINDSET MOVERS. Im zwölfwöchigen Online Programm REFLECT arbeitest du mit anderen Führungskräften an deiner Haltung und daran, wie du die Kultur in deinem Team beeinflusst. Wollt ihr das für ein ganzes Führungsteam angehen, ist ein Inhouse-Training der passende Rahmen. Die Gespräche, in denen Klarheit und Interesse zusammenkommen, kannst du im DialogLab üben, und wer sich gezielt auf schwierige Gespräche vorbereiten will, findet dort den passenden Raum.

