Jahresreflexion als Führungskraft: Deine Führungs-Inventur
Zwischen den Feiertagen denken viele Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte darüber nach, wie ihr Jahr gelaufen ist. Was lief gut? Was willst du ändern? Was willst du bewusst beibehalten? Für genau diesen Moment haben Arne und Jörg eine kurze Spezialfolge vom Podcast Wirksam führen aufgenommen, die letzte Folge des Jahres 2025.
Arne nennt es eine Führungs-Inventur. Fünf brutal ehrliche Fragen an dich selbst, damit dein nächstes Jahr leichter, besser und erfolgreicher wird. Du kannst die Folge mit Stift und Papier hören und nach jeder Frage anhalten. Jörg schlägt vor, sie auch auf der Heimfahrt vom Familienbesuch zu hören und kurz auf Stopp zu drücken, um nachzudenken. Mach es so, wie es für dich passt. Die Fragen sind als Impuls gedacht.
Eine Jahresreflexion wirkt nur, wenn du ehrlich antwortest. Bewerte dich dabei nicht. Schau einfach klar hin, was du mitnimmst und was du veränderst. Hier findest du die fünf Fragen mit den Beispielen aus der Folge. Lies sie langsam und beantworte sie für dich.
Worauf bist du als Führungskraft stolz?
Die erste Frage stellt Jörg. Was ist dein Highlight des Jahres als Führungskraft? Worauf bist du wirklich stolz? Vielleicht hattest du einen schwierigen Mitarbeiter, der gehen wollte. Du hast es geschafft, dass die Stimmung zwischen euch wieder gut ist, und er ist geblieben. Oder du bist in einer Krise ruhig geblieben, in der du früher ausgerastet wärst.
Nimm dir für diese Frage ruhig etwas Zeit und such nach konkreten Situationen. Viele Führungskräfte überspringen diesen Schritt, weil sie gedanklich schon beim nächsten Problem sind. Dabei zeigt dir gerade das Highlight, was du schon kannst. Wenn du dich erinnerst, wie dir ein schwieriges Gespräch gelungen ist, weißt du auch, worauf du im nächsten Jahr bauen kannst. Schreib dir die Situation in ein, zwei Sätzen auf.
Was hat so gut funktioniert, dass du es verdoppeln willst?
Mit der zweiten Frage schaut Arne auf das, was sich bewährt hat. Was hat in diesem Jahr richtig gut funktioniert, und zwar so gut, dass du es im nächsten Jahr verdoppeln oder systematisieren willst? Vielleicht war es ein Meetingrhythmus, der besonders gut lief und den du beibehalten willst. Vielleicht hast du auf eine bestimmte Art delegiert und Aufgaben übergeben. Die Aufgaben wurden richtig gut umgesetzt und haben dir viel Zeit gespart.
Dann nimm genau das bewusst mit ins neue Jahr. So kannst du es systematisieren und wiederholen. Wie feste Abläufe deinen Führungsalltag tragen, besprechen die beiden auch in der Folge über die Routinen erfolgreicher Führungskräfte. Frag dich auch, was genau den Unterschied gemacht hat. War es der Rhythmus selbst, die Klarheit deiner Erwartungen oder die Art, wie du nachgefragt hast?
Welche unangenehme Wahrheit hast du ignoriert?
Die dritte Frage ist die unbequemste. Welche unangenehme Wahrheit hast du in diesem Jahr ignoriert, weil du den Konflikt gescheut hast? Jörg bittet dich, ganz ehrlich zu dir selbst zu sein.
Wen schleppst du schon seit einem halben Jahr durch, obwohl du weißt, dass es nicht mehr passt? Welches unangenehme Gespräch schiebst du jede Woche auf deiner To-do-Liste weiter nach unten, in die nächste Woche? Mit welchem Kunden funktioniert die Zusammenarbeit überhaupt nicht, und wäre es Zeit, sich von ihm zu trennen? Warum ein klarer Schnitt oft besser für alle ist, besprechen die beiden in der Folge darüber, Mitarbeiter schneller zu entlassen.
Gerade bei aufgeschobenen Gesprächen hilft es, den Einstieg vorher auszuprobieren. Das Gespräch, das seit Wochen auf deiner Liste wandert, kannst du im Gesprächstraining einmal durchspielen, bevor du es wirklich führst. Oft merkst du dabei, dass der erste Satz das Schwerste ist und der Rest leichter fällt als gedacht.
Es ist immer der richtige Zeitpunkt, eine neue Entscheidung zu treffen.
Wo hast du rumgeopfert?
Die vierte Frage zielt auf deine Haltung. Wo hast du im letzten Jahr die Umstände beschuldigt und verantwortlich gemacht, anstatt selbst Verantwortung für deine Situation zu übernehmen? Arne nennt Beispiele, die fast jede Führungskraft kennt. Der Markt ist schwierig. Die Gen Z will ja nicht arbeiten. Mein Chef gibt mir nicht genug Ressourcen und kein Budget.
Die bessere Frage lautet, wie du mit der Situation umgehst, in der du bist. Wie wirst du zum Gestalter und kannst trotz der Umstände wirksam werden? Überleg dir, wo du im nächsten Jahr weniger rumopfern und mehr Verantwortung übernehmen willst. Rumopfern fühlt sich im Moment entlastend an, weil die Verantwortung woanders liegt. Es nimmt dir aber genau die Hebel, die du hast. Mehr zu dieser Haltung hörst du in der Folge über Opferkultur in Deutschland.
Ein kleiner Test hilft. Achte darauf, in welchen Sätzen du über andere sprichst, wenn etwas nicht läuft. Steht dort ein „die“, „der Markt“ oder „mein Chef“, lohnt sich die Gegenfrage, was dein Anteil daran ist und was du ab morgen anders machen kannst. Wenn diese Haltung in deinem ganzen Unternehmen verbreitet ist, kann ein Veränderungsprozess mit allen Führungskräften der nächste Schritt sein.
Welche eine Fähigkeit willst du meistern?
Die fünfte Frage stellt Jörg. Welche eine Fähigkeit willst du im nächsten Jahr meistern, damit alles andere automatisch leichter wird? Vielleicht ist es endlich Nein sagen zu lernen. Vielleicht willst du schwierige, unangenehme Gespräche mit mehr Leichtigkeit führen. Oder du willst besser delegieren.
Was fällt dir spontan ein? Nimm dir das vor und hol dir dafür ruhig Unterstützung. Achte auf das Wort eine. Wer sich zehn Baustellen vornimmt, verzettelt sich. Eine Fähigkeit, die du wirklich trainierst, verändert oft mehr als eine lange Liste guter Vorsätze. Manche Fähigkeit wächst schneller, wenn du gezielt mit anderen übst, etwa im Führungstraining REFLECT, oder wenn du in einem Coaching an ihr arbeitest.
Vom Vorsatz zur Entscheidung
Zum Schluss gibt es einen Umsetzungs-Booster. Wenn du gerade mit dem Hund unterwegs bist, setz dich auf eine Bank und hol dein Handy raus. Wenn du im Auto sitzt und dir vorgenommen hast, die Antworten später aufzuschreiben, fahr kurz rechts ran. Nimm Stift und Papier oder dein Handy.
Schreib dir nur die Antwort auf die dritte Frage auf. Welche unangenehme Wahrheit hast du ignoriert, weil du den Konflikt gescheut hast? Schleppst du jemanden mit? Willst du dich von jemandem trennen? Gibt es Gespräche, die du auf die lange Bank geschoben hast? Gibt es eine Entscheidung, die du treffen wolltest und nicht getroffen hast? Oder hast du etwas unterlassen, das du doch noch angehen willst?
Die beiden heben ausgerechnet diese Frage hervor. Hier liegen die Themen, die du sonst wieder vertagst. Arne sagt dazu einen Satz, der über das Jahresende hinaus gilt. Es ist immer der richtige Zeitpunkt, eine neue Entscheidung zu treffen. Jörgs Antwort ist kurz. Mach das jetzt.
Jörg rät, es sofort verbindlich zu machen. Hänge direkt einen Termin daran, wann du es umsetzt, damit du es nicht wieder Wochen oder Monate aufschiebst und gleich zu Beginn des Jahres veränderst. Wenn es um ein Gespräch mit einem anderen Menschen geht, schreib dir auf, bis wann du dieses Gespräch spätestens geführt haben wirst, ergänzt Arne. Dann ist das Thema umgesetzt. Den Gesprächseinstieg kannst du vorher im DialogLab üben.
Die Dinge, die gut funktioniert haben, darfst du feiern und mitnehmen. Was nicht so gut lief, nimmst du als Hinweis darauf, was du verändern kannst. Und wenn das neue Jahr beginnt, hilft dir die Folge über den Jahresauftakt dabei, dein Team mit Fokus ins Jahr zu holen.
Wenn du deine Antworten nicht allein umsetzen willst, begleitet dich REFLECT von MINDSET MOVERS zwölf Wochen lang bei genau solchen Vorhaben.

