Routinen für Führungskräfte: Was wirklich auf deinen Erfolg einzahlt
Fünf Uhr aufstehen, meditieren, Smoothie, Detox-Kaffee. Wer in Social Media nach den Routinen erfolgreicher Menschen sucht, findet schnell eine Liste, die Druck macht. Jörg findet spannend, wie viele nach außen schauen, auf Jeff Bezos oder Tim Cook. Was die morgens tun, sagt aber wenig darüber, was für dich funktioniert. Arne bringt es in dieser Folge vom Podcast Wirksam führen auf den Punkt. Es gibt keine Kausalität zwischen einer bestimmten Routine und einem bestimmten Erfolg.
Beobachten lässt sich etwas anderes. Erfolgreiche Menschen haben Routinen, die auf ihren Erfolg einzahlen. Und jeder Mensch hat Routinen, ob er will oder nicht. Die Frage ist also, welche Routinen du als Führungskraft hast und ob sie dir helfen.
Was Routinen eigentlich sind
Routinen sind bewusste oder unbewusste Abläufe, die automatisiert laufen. Arnes Beispiel ist das Linksabbiegen im Auto. Blinker setzen, Lenkrad einschlagen, Schulterblick, vom Gas gehen, bremsen, wieder beschleunigen. Wer schon länger fährt, denkt darüber nicht mehr nach. Das ist unbewusste Kompetenz.
Genauso laufen viele Abschnitte deines Arbeitstags. Wie du in den Morgen startest, wie du zur Arbeit kommst, wie du die ersten Minuten am Schreibtisch verbringst. Jörg erzählt, dass Routinen und Rituale für ihn früher sperrig und mechanisch klangen. Heute sieht er, dass wir Menschen Gewohnheitstiere sind. Entscheidend ist, ob diese Abschnitte bewusst und zielorientiert gewählt sind oder unbewusst ablaufen und dir vielleicht sogar schaden.
Ziel der Folge ist, dass du deine bestehenden Routinen anschaust und entscheidest, welche du loslässt und welche dir noch fehlt. Dafür brauchst du Bewusstheit, denn eingeschliffene Automatismen kannst du erst ändern, wenn du sie bemerkst.
Gedankliche Routinen: Was denkst du automatisch?
Bevor es um Kalender und Meetings geht, lenkt Arne den Blick nach innen. Was denkst du standardmäßig, wenn ein neues Projekt reinkommt? Bist du neugierig oder denkst du „Oh Gott, nicht noch ein Projekt“? Was geht dir durch den Kopf, wenn deine Chefin dich zum Termin bittet oder ein Kunde anruft? Rechnest du mit einer Beschwerde, oder siehst du die Chance, jemandem den Tag zu versüßen?
Besonders deutlich wird das vor schwierigen Gesprächen. Der eine denkt „Schon wieder so ein Gespräch, keinen Bock“. Der andere denkt „Da steht etwas zwischen uns, und danach wird es leichter“. Diese Muster wirken wie Priming. Ob du denkst, du kannst es, oder ob du denkst, du kannst es nicht, du wirst recht behalten. Manche Menschen haben dann lieber recht als Erfolg. Mehr dazu hörst du in der Folge über limitierende Glaubenssätze und schwache Ergebnisse.
Jörgs Übung ist einfach. Geh durch die nächste Arbeitswoche und werde wach dafür, was du in solchen Situationen denkst. Fühlt sich das stimmig und leicht an, oder raubt es dir Energie? Arne nennt auch kleine Momente. Fluchst du jeden Morgen über den Stau, der ohnehin immer da ist, über die lange Rotphase oder die geschlossene Bahnschranke?
Nimm den Montagmorgen. Wenn dein erster Gedanke „Schon wieder Arbeitswoche, kein Bock“ ist, wird der Tag schwer. Sich alles schönzudenken, hält Arne für Schönfärberei. Hilfreicher ist die Frage, ob der Gedanke stimmt. Macht dir die Arbeit wirklich keinen Spaß? Gibt es dort keine Menschen, mit denen du gern zusammen bist? Kommst du nach ehrlicher Prüfung zu dem Schluss, dass es wirklich schlimm ist, gilt Love it, change it or leave it. Ungünstig ist der ungeprüfte Gedanke, der jeden Morgen mitläuft und deinen Tag ausrichtet.
Ähnlich ist es mit dem Wort „muss“. Jörg hört von seinen Kindern oft „Ich muss ja lernen“. Wer sagt, er müsse zur Arbeit, entmachtet sich selbst. Was wir eigentlich fürchten, ist die Konsequenz, wenn wir liegen bleiben. Tatsächlich entscheidest du dich jeden Tag dafür, weil du das Gehalt willst, die Kollegen treffen oder etwas gestalten möchtest. Für Arne gibt dir dieses Bewusstsein die Macht über dein Leben zurück.
Handlungsroutinen im Kalender prüfen
Viele Routinen stehen schon in deinem Kalender. Arne und Jörg erleben in vielen Unternehmen Führungskräfte mit Regelterminen, bei denen sie gar nicht wissen, wie sehr diese auf ihre Ziele einzahlen. Sie nehmen teil, weil jemand sie eingeladen hat oder weil sie glauben, der Kunde erwarte es. Wenn ihr das im ganzen Führungsteam angehen wollt, ist das ein gutes Thema für einen gemeinsamen Veränderungsprozess.
Jörgs Beispiel ist das Teammeeting am Montagnachmittag, das vor einem Jahr eingeführt wurde und seitdem einfach läuft. Muss es jede Woche sein? Ist Montag der richtige Tag? Arne fragt weiter, ob sich die ursprüngliche Absicht vielleicht schon erfüllt hat, etwa weil neue Kollegen inzwischen integriert sind oder das Problem mit einem Kunden gelöst ist. Vielleicht wirst du als Führungskraft dort gar nicht mehr gebraucht. Ideen für schlankere Abstimmungen findest du in der Folge Bessere Meetings.
Jörg hat von einem Trainer gelernt, der einmal im Monat einen Revolutionstag einlegte und Dinge bewusst anders machte. Leg das Teammeeting doch mal auf einen anderen Tag und schau, ob ihr Zeit spart oder besser vorbereitet in die Woche geht. Auch das hilft, aus der Routinenfalle herauszukommen. Manche Rituale behältst du ganz bewusst, weil sie für Verbindung im Team sorgen. Dann weißt du wenigstens, wofür sie da sind.
Eine unbewusste Routine kennt fast jeder. Du hältst eine Präsentation, und andere tippen nebenbei E-Mails. Oft steckt dahinter eher der Gedanke, effizient sein zu müssen, als Desinteresse. Trotzdem kann niemand gleichzeitig eine Mail schreiben und aufmerksam zuhören. Frag dich, ob du selbst im Meeting am Handy bist und ob das auf den Erfolg deines Teams einzahlt.
Der Cheftreff: Ein Termin mit dir selbst
Wenn du aufgeräumt hast, kommt die Frage, welche Routine dir noch fehlt. Jörg nennt seine den Cheftreff. Einmal in der Woche trifft er seinen Chef, also sich selbst. Er klärt die drei wichtigsten Dinge der kommenden Woche, die danach alles leichter machen. Und er schaut auf die Qualität der Zusammenarbeit mit den wichtigsten Menschen um ihn herum, mit Mitarbeitenden, Chef, Peers und Kunden. Arne ergänzt die Frage, was du mit den weißen Flecken in deinem Kalender proaktiv gestalten willst, statt dich nur auf die anstehenden Termine vorzubereiten.
Steht mit jemandem etwas zwischen euch oder raubt dir die Zusammenarbeit Energie, gehört ein Klärungsgespräch auf die Liste. Was würdest du mit dieser Person vereinbaren, wenn es leicht wäre? Arnes Erfahrung ist, dass es meist leichter ist als gedacht. Das Gespräch kannst du vorher im DialogLab üben. Viele machen etwas Ähnliches schon unbewusst, beim Sonntagsspaziergang mit dem Hund oder beim Joggen. Mach es bewusst, gern mit Stift und Papier. Passend dazu ist die Folge Unsicherheit beim Setzen von Prioritäten.
Was ist die eine Routine, die alles andere leichter macht?
Deine Domino Routine finden
Zum Schluss bringt Arne einen Gedanken ins Spiel, den er Tim Ferriss zuschreibt, „The Big Domino“. Welche eine Routine hat den größten Einfluss auf alles, was danach kommt? Bei beiden ist es früh ins Bett gehen und vorher noch lesen, bei Jörg am liebsten einen Roman, der ihn noch ein bisschen reinzieht. Dann starten sie erholt in den Tag, sind weniger reizbar, finden schneller Lösungen und führen schwierige Gespräche leichter. Jörg bleibt gelassener, wenn sich morgens die Kinder streiten, und ihm fallen Sport und gesundes Essen leichter. Jemand, mit dem Jörg gesprochen hat, nannte zehn Minuten Yoga am Morgen.
Der Gradmesser ist deine Befindlichkeit. Wer motiviert und mit Leichtigkeit an eine Aufgabe geht, liefert ein Vielfaches im Vergleich zu der genervten Version von sich. Niemand muss das jeden Tag wie ein Roboter schaffen. Es reicht, sich bewusst zu entscheiden.
Wenn du deine eigenen Muster in der Führung genauer anschauen willst, hilft dir ein Coaching oder das Leadership Training REFLECT, das zwölfwöchige Online-Programm von MINDSET MOVERS. Im Führungskräftetraining REFLECT arbeitest du auch an den gedanklichen Routinen, die deine Gespräche prägen.

