Kosten schlechter Führung: Lohnt sich Leadership Training?
Ein Profiteam trainiert mindestens die Hälfte seiner Zeit, wahrscheinlich eher 60 bis 70 Prozent. Dazu kommen Saisonvorbereitung, Videoanalyse, Physio und Ernährung. Und wie sieht das Verhältnis in deinem Unternehmen aus? Vermutlich verbringt ihr 95 bis 100 Prozent der Zeit mit Spielen und kaum Zeit mit Training. Glaubst du, dass du so wirklich besser wirst? Um genau diese Frage, die Kosten schlechter Führung und den Nutzen von Training, geht es in dieser Folge.
Mit dem Bild vom Profisport steigen Arne und Jörg in diese Folge vom Podcast Wirksam führen ein. Passend dazu trägt Jörg ein Trikot des VfB Stuttgart. Seit 20 Jahren ist er Mitglied, und das Trikot hat er nach einem Vortrag vor Mitarbeitenden des Vereins geschenkt bekommen. Viele ambitionierte Unternehmen wollen im übertragenen Sinn um die Meisterschaft mitspielen, also wachsen. Jörg ist überzeugt, dass Führung kein Talent ist. Du kannst sie lernen, und du solltest es, wenn du diese Ambitionen umsetzen willst. Den Trainingsgedanken vertieft auch die Folge Trainings- vs. Spielzeit.
Unternehmen, die bei den beiden ein Inhouse-Training anfragen, haben die Frage nach dem Nutzen meist schon beantwortet. Sie sind an einem Schmerzpunkt angekommen und haben erlebt, was untrainierte Führung kostet. Für alle anderen schauen Arne und Jörg auf die Studienlage, die Arne als fantastisch beschreibt, und auf Fälle aus ihrer eigenen Arbeit.
Konflikte: der größte versteckte Kostenblock
Der erste Punkt ist der Umgang mit Konflikten. Jörg bezieht sich auf eine Konfliktkostenstudie von KPMG. Danach verbringen Führungskräfte 10 bis 20 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Konfliktmanagement. Ursachen sind etwa unklare Kommunikation oder empfundene Ungerechtigkeit. Arne rechnet vor, was das heißt. 20 Prozent sind ein Tag pro Woche, vier Tage im Monat, die dir fehlen, um mit deinem Team produktiv zu sein. Laut derselben Studie hängen 30 bis 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit von Führungskräften direkt oder indirekt mit Konflikten, Konfliktfolgen und Reibungsverlusten zusammen. Schon ein paar Prozentpunkte weniger wirken sich deutlich auf das Ergebnis aus, weil du die Zeit für andere Dinge hast.
HR und Führungskräfte greifen dann oft zu Maßnahmen, die wenig lösen. Ein Werteworkshop soll es richten, weil Thomas und Mark die Werte offenbar nicht bewusst sind. Wirksamer ist es, wenn die Beteiligten über die konkrete Situation ins Gespräch gehen. Wer strukturiert gelernt hat, Konflikte zu lösen, und es ein paar Mal geübt hat, schafft das nach Arnes Erfahrung in 10 bis 15 Minuten, fast unabhängig davon, wie alt oder tief der Konflikt ist. Für Jörg braucht es dafür eine gelernte Haltung und daraus systematische Schritte. Wie das konkret geht, hörst du in der Folge Konflikte lösen ganz einfach.
Die verlorene Zeit fällt außerdem im ganzen Team an. Auch deine Mitarbeitenden verlieren Energie durch Reibung. Bist du hier kompetenter, steigen Produktivität und Zusammenarbeitsklima, und nach Jörgs Einschätzung amortisiert sich ein Training allein dadurch in kürzester Zeit. Die beiden haben erlebt, dass Teams nach zwei, drei Wochen Training deutliche Sprünge in der Produktivität gemacht haben, weil sie Dinge geklärt hatten.
Demotivation und Dienst nach Vorschrift
Die bekannteste Konfliktfolge ist Demotivation. Ungelöste Konflikte wiederholen sich wie in einer Endlosschleife. Oft wird nur darüber gesprochen, dass man doch mal etwas tun müsste, ohne die Absicht, den Konflikt wirklich aufzulösen. Appelle ersetzen aber keine Lösung. Die jährliche Gallup Studie nennt schlechte Führung als Hauptgrund für Demotivation und innere Kündigung, und ungelöste Konflikte im Team sind ein Indikator dafür. Nach den Zahlen, die Arne nennt, haben nur 15 bis 17 Prozent der Mitarbeitenden eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen. 65 bis 70 Prozent machen eher Dienst nach Vorschrift, 15 bis 18 Prozent haben innerlich gekündigt.
Wer Sport macht, kennt den Effekt. Ob du im letzten Satz beim Tennis noch gewinnen willst oder nur noch nach Hause möchtest, macht nach Arnes Einschätzung schnell das Dreifache aus. Übertragen auf dein Unternehmen heißt das, dass Kommunikation, aktive Führung und Konfliktlösung direkt darüber entscheiden, was dein Team leisten kann.
Fluktuation: Was ein einziges Bleibegespräch wert ist
Studien gehen laut der Folge von einer durchschnittlichen Fluktuationsrate zwischen 10 und 15 Prozent aus. Was eine Kündigung kostet, zeigt ein Fall, den Jörg erzählt. Eine Mitarbeiterin mit sechsstelligem Jahresgehalt hatte bereits einen unterschriftsreifen Vertrag eines Wettbewerbers vorliegen. Ihre Führungskraft, die bei Arne und Jörg im Training war, führte ein Gespräch, nach dem sie blieb. Für Jörg ist das der Kern. Wer die Kompetenz hat, in ein oder zwei Gesprächen auszuräumen, was zwischen einem Menschen und dem Unternehmen steht, spart sich viele Folgefragen. Warum gerade die Besten oft gehen, ohne vorher etwas zu sagen, besprechen die beiden in der Folge High Performer kündigt.
Das Training für die Gruppe von acht oder neun Führungskräften hatte für ein ganzes Jahr unter 65.000 Euro gekostet. Allein durch die vermiedenen Wiederbesetzungskosten hatte es sich damit amortisiert. Rechnet man alles ein, wird es noch deutlicher. Headhunter, Suche, Einarbeitung, Onboarding. Dazu kam, dass die Mitarbeiterin fakturierbare Stunden schrieb und vertrieblich Neugeschäft brachte. Bis eine neue Person denselben Umsatz macht, vergehen nach Arnes Erfahrung im schnellsten Fall drei bis vier Monate, normalerweise eher sechs bis zwölf.
So ein Bleibegespräch gehört zu den schwierigen Gesprächen, die viele Führungskräfte scheuen. Genau diese Gespräche trainieren Arne und Jörg mit ihren Teilnehmenden. Den Moment, in dem eine Leistungsträgerin dir das Angebot der Konkurrenz zeigt, kannst du auch im DialogLab vorher durchspielen.
Verhandlungen mit Kunden und Lieferanten
Ein weiterer Kostenpunkt sind Verhandlungen, in denen Menschen nicht so für ihr Unternehmen eintreten, wie sie könnten. Ein Grund ist fehlende Identifikation. Wer sich mit seiner Firma identifiziert, gibt für sie alles. Der andere Grund ist, dass viele schlicht nicht wissen, wie man wirksam verhandelt. Gerade in Agenturen, Beratungen und Kanzleien wird häufig Arbeit geleistet, die über die Vereinbarung hinausgeht und schwer abrechenbar erscheint, obwohl das Unternehmen sie gern abrechnen würde.
Solche Situationen wertschätzend und mit klarer Absicht anzusprechen, lässt sich lernen. In einem Fall, den die beiden schildern, kam es zwei oder drei Wochen nach dem ersten Training zu einem Gespräch über rund 30.000 Euro. Der Kunde zahlte nach, verlor dabei nicht das Gesicht und blieb gern Kunde. Jörg ergänzt, dass man vorher vielleicht aus Sorge um die Stimmung nur 5.000 oder 8.000 Euro gefordert hätte.
Klare Regeln sparen Energie
Der letzte Punkt kostet viel Energie und damit Produktivität. Viele Konflikte entstehen um Dinge, die nicht klar geregelt sind. Homeoffice, Urlaubsvertretung, wann nach einer Gehaltsanpassung gefragt werden kann, Arbeitsmaterial, die Kamera im Online-Meeting oder Redeanteile. Wenn du das als Führungskraft einmal klar regelst, hängt es nicht mehr ungelöst im Raum. Du gewinnst dauerhaft Zeit, Fokus und Energie für operative Themen.
Wer besser werden will, braucht Trainingszeit.
Jörg fasst zusammen, dass Leadership Training und Coaching spürbar auf Ergebnis, Kostenstruktur und Gewinn wirken, und zwar in viele Richtungen. Für alle, die aus Controlling-Sicht zuhören, ist Arnes Einschätzung klar. Der Return on Investment eines Leadership Trainings liegt bei einem Vielfachen des eingesetzten Kapitals, und die Erwartung, dass es sich in den ersten ein bis zwei Monaten zurückzahlt, hält er für berechtigt. Als Trainer von MINDSET MOVERS, die selbst Unternehmer sind, schauen die beiden genau auf diese Wirkung. Mehr dazu hörst du in der Folge Leadership Inhouse Training.
Wenn du das für dein Führungsteam angehen willst, sprich mit Arne und Jörg über Inhouse-Trainings. Für einzelne Führungskräfte gibt es das Leadership Training REFLECT, ein zwölfwöchiges Online-Programm. Im Führungskräftetraining REFLECT übst du genau die schwierigen Gespräche, um die es in dieser Folge geht. Für einzelne Themen gibt es individuelles Coaching.

