Aufmerksamkeitssteuerung: Wem schenkst du als Führungskraft deine Aufmerksamkeit?
Aufmerksamkeitssteuerung ist eine der unterschätzten Fähigkeiten in der Führung. In diesem kurzen Leadership Impuls aus dem Podcast Wirksam führen stellt Arne dir eine einfache Frage. Wer von deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekommt eigentlich die meiste Aufmerksamkeit von dir?
Arne meint das in zwei Richtungen. Mit wem verbringst du die meiste Zeit im Gespräch? Und über wen denkst du am meisten nach? Sind das die Leistungsträger, mit deren Ergebnissen, Fragen und Arbeit du dich beschäftigst? Oder sind es eher die Problemfälle, die deine Aufmerksamkeit binden?
Worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, davon bekommst du mehr
Hinter der Frage steht ein Gedanke, den Arne sehr grundsätzlich formuliert. Für ihn ist das ein Naturgesetz, so funktioniert das Universum einfach.
Dort, wo du deine Aufmerksamkeit hinrichtest, davon bekommst du mehr im Leben.
Das gilt besonders dann, wenn deine Aufmerksamkeit unbewusst irgendwohin wandert oder sogar reaktiv auf die Impulse anderer reagiert. Wenn du dich ausschließlich mit Problemen beschäftigst, mit Dingen, die nicht funktionieren, oder mit Menschen, bei denen es schwierig ist, dann ist es ganz natürlich, dass du davon mehr in deinem Leben hast. Deine Wahrnehmung ist darauf ausgerichtet.
Im Führungsalltag zeigt sich das schnell. Problemfälle drängen sich auf. Sie melden sich laut und lassen dich manchmal auch abends nicht los. Wer einfach gute Arbeit macht, meldet sich dagegen seltener und bekommt deshalb leicht am wenigsten von dir.
Ein einfacher Test hilft dir, ehrlich hinzuschauen. Nimm dir deinen Kalender der letzten Woche vor. Mit wem hattest du Termine, mit wem hast du länger gesprochen? Dann kommt die zweite Ebene, die Arne ausdrücklich anspricht. Über wen hast du nachgedacht, auf dem Heimweg oder abends auf dem Sofa? Die Antwort zeigt dir, wohin deine Aufmerksamkeit tatsächlich fließt, unabhängig davon, wohin sie fließen sollte.
Schwierige Situationen brauchen trotzdem deine Klarheit. Um Low Performer musst du dich kümmern, und wie das gelingt, besprechen Arne und Jörg in der Folge über den Umgang mit Low-Performern. Arnes Frage zielt auf etwas anderes. Bekommen die Problemfälle so viel von dir, dass für alle anderen kaum etwas übrig bleibt?
Wer verdient deine Aufmerksamkeit wirklich?
Arne dreht die Frage deshalb um. Wer verdient eigentlich deine Aufmerksamkeit? Mit wem solltest du dich häufiger beschäftigen? Wer macht Dinge so gut oder arbeitet so, dass es auf deine Ziele einzahlt?
Es geht darum, dass du mit deinem Team insgesamt erfolgreicher und besser wirst, damit das, was ihr tut, besser gelingt. Die Menschen, die genau dazu beitragen, sind vielleicht genau die, mit denen du bisher am wenigsten Zeit verbringst. Wie du mit deinen stärksten Leuten wirksam umgehst, hörst du in der Folge über High Potentials im Team.
Aufmerksamkeit ist für dein Team ein Signal. Wo du hinschaust, entsteht Bewegung. Wenn du dich vor allem mit dem beschäftigst, was nicht funktioniert, wird das zum Hauptthema. Wenn du dich bewusst mit dem beschäftigst, was gelingt, rückt das in den Vordergrund. Ein verwandter Gedanke steckt in der Folge Was du denkst, bekommst du auch.
Warum uns Aufmerksamkeitslenkung abtrainiert wurde
Aufmerksamkeitssteuerung ist uns von Natur aus gegeben. Arne beschreibt das als etwas, das alle Säugetiere und alle Menschen eigentlich können. Bei uns Menschen ist es allerdings problematisch, denn uns wurde Aufmerksamkeitslenkung abtrainiert.
Spätestens in der Schule, vielleicht schon in der Familie, haben wir gelernt, unsere Aufmerksamkeit auf das zu richten, was andere von uns erwarten. Wir wurden durch Noten belohnt und durch Noten und Klassenbucheinträge bestraft. Es gab Konventionen wie Pünktlichkeit oder die Regel, dass man während der Stunde nicht spricht. Unsere Aufmerksamkeit wurde ganz klar darauf geschult, was andere sagen.
Im Job ist das teilweise immer noch so. Deine Aufmerksamkeit richtet sich danach, was dein Chef, deine Chefin oder deine Kunden von dir erwarten. Deshalb kostet es etwas Anstrengung und vor allem ein gewisses Bewusstsein, die eigene Aufmerksamkeit gezielt dorthin zu richten, wo du sie haben willst.
Für dich als Führungskraft hat dieser Gedanke noch eine zweite Seite. Auch deine Mitarbeitenden haben gelernt, ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was andere von ihnen erwarten. Im Job bist du einer dieser anderen. Worauf du schaust, wonach du fragst und worüber du sprichst, prägt deshalb, worauf dein Team achtet. Wenn du nur nach Fehlern fragst, wird dein Team vor allem Fehler vermeiden wollen. Wenn du auch nach dem fragst, was gut gelaufen ist, lenkst du den Blick deines Teams mit.
Dein Wirkungsbereich
Arne macht dir an dieser Stelle Mut. Innerhalb deines Wirkungsbereichs hast du die Möglichkeit, deine Aufmerksamkeit selbst zu steuern. Du entscheidest, mit wem du sprichst, über wen du nachdenkst und wessen Ergebnisse du dir genauer anschaust. Diese Freiheit gehört zur Führungsrolle, und sie ist eine Frage der Haltung. Wer sie bewusst nutzt, führt mit mehr Klarheit. Genau an dieser Haltung arbeiten Führungskräfte im Leadership Training REFLECT.
Aufmerksamkeit im Zeitalter der Ablenkung
Ein weiterer großer Faktor ist die Ablenkung. Arne verweist auf Smartphones und die TikTok-Zeit, in der unsere Aufmerksamkeitsspanne ohnehin relativ kurz ist. Wir sind ständig abgelenkt, durch E-Mails und durch Alerts auf dem Handy.
Auch hier hilft es, das Handy mal zur Seite zu legen. Dann kannst du dich bewusst und proaktiv den Menschen zuwenden, mit denen du gemeinsam die größte Produktivität oder den größten Fortschritt erzielen kannst. Oder denen, die den größten Einfluss auf das haben, was ihr als Team gerade erreichen wollt.
Hier hilft eine kleine Unterscheidung. Reagierst du gerade, weil etwas blinkt oder klingelt? Oder wendest du dich bewusst jemandem zu, weil du entschieden hast, dass diese Person jetzt deine Aufmerksamkeit verdient? Das Erste passiert von selbst. Das Zweite braucht eine Entscheidung.
Das klingt banal und ist im Alltag doch schwer. Jede Benachrichtigung zieht deine Aufmerksamkeit ein Stück weg. Wer als Führungskraft wirksam sein will, braucht deshalb auch Disziplin im Umgang mit der eigenen Aufmerksamkeit. Wie du Prioritäten klarer setzt, besprechen Arne und Jörg in der Folge über Unsicherheit beim Setzen von Prioritäten.
Aufmerksamkeitssteuerung üben: ein kleiner Alert für dich selbst
Zum Schluss gibt Arne dir eine praktische Idee mit. Setz dir selbst einen kleinen Alert. Einmal pro Woche, alle 14 Tage oder vielleicht sogar jeden Tag. Wenn er auftaucht, nimm dir einen Moment für ein paar Fragen.
- Mit wem in deinem Team solltest du als Nächstes Zeit verbringen?
- Über wen solltest du nachdenken?
- Über wessen Ergebnisse solltest du nachdenken?
- Worauf richtest du deine Aufmerksamkeit, damit sie für dich nützlich und produktiv ist und ihr als Team gesamthaft besser vorankommt?
Du musst diese Fragen nicht lange beantworten. Ein ehrlicher Gedanke reicht oft schon, um deinen nächsten Termin anders zu planen. Die Antworten werden dich vielleicht überraschen. Vielleicht stellst du fest, dass genau die Menschen, die verlässlich gute Arbeit machen, lange kein echtes Gespräch mit dir hatten. Ehrliches Interesse an ihrer Arbeit und ihren Fragen ist dann ein guter Anfang.
Die Wirkung entsteht, wenn du die Frage regelmäßig stellst. Dann wird Aufmerksamkeitssteuerung zu einer Gewohnheit, und du gehst bewusster mit deiner Zeit und deinem Kopf um. Du reagierst seltener auf das, was gerade am lautesten ist, und triffst öfter eine eigene Entscheidung darüber, wem du dich zuwendest.
Wenn du merkst, dass dir das in deinem Führungsalltag schwerfällt, kann ein Führungscoaching helfen, die eigenen Muster zu erkennen. Für Unternehmen, die mit der ganzen Führungsmannschaft an ihrer Wirksamkeit arbeiten wollen, gibt es die begleitete Führungskräfteentwicklung im Unternehmen.
Und wenn du die Gespräche üben willst, die aus dieser Frage entstehen, etwa ein Entwicklungsgespräch mit einem Leistungsträger oder ein klärendes Gespräch mit jemandem, der bisher viel deiner Aufmerksamkeit gebunden hat, kannst du das im DialogLab tun. Dort lassen sich auch schwierige Gespräche in Ruhe vorbereiten. Den größeren Rahmen für deine Entwicklung als Führungskraft bietet das Führungstraining REFLECT.

