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Perfektionismus kann antreiben oder lähmen. Welche zwei Denkfehler oft dahinterstecken und wie du mit bewusst 80 Prozent wieder ins Handeln kommst.

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    Perfektionismus im TeamFür wen diese Folge ist und welche Frage sie beantwortet.
  • 00:29
    Zunächst neutralWarum Perfektionismus eine Haltung mit Vor- und Nachteilen ist.
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    Die VorteilePerfektionisten hängen sich rein, arbeiten hart und sind oft erfolgreich.
  • 01:56
    Die NachteileWenn Menschen über ihre Bedürfnisse hinweggehen und ausbrennen.
  • 02:23
    Lieber kein ErgebnisWie der perfekte Anspruch zur Rechtfertigung wird, nichts abzuliefern.
  • 03:43
    Done is better than perfectWarum im Business ein Ergebnis mehr zählt als ein perfektes, das nie kommt.
  • 04:42
    Antrieb oder BremseDie Frage, ob dir dein Perfektionismus nützt oder im Weg steht.
  • 05:33
    Der Deal gegen KritikWarum Perfektion nicht vor Kritik schützt.
  • 08:24
    Perfektion als WertWarum Anerkennung nicht von perfekten Ergebnissen abhängt.
  • 09:49
    Bewusst 80 ProzentWie du in kleinen Alltagssituationen ausprobierst, unperfekt zu liefern.

Shownotes

Zum Nachlesen

Perfektionismus als Führungskraft: Antrieb oder Bremse?

Perfektionismus als Führungskraft ist ein zweischneidiges Thema. Vielleicht hältst du dich selbst für einen Perfektionisten. Oder es gibt in deinem Team Menschen, die sich so zeigen oder sich selbst so beschreiben. In dieser Folge des Podcast Wirksam führen geht Arne der Frage nach, wie sich eine perfektionistische Haltung auf die Ergebnisse auswirkt, die wir als Team, als Führungskräfte und als Menschen produzieren.

Vorweg eine wichtige Einordnung. Perfektionismus ist zunächst einmal neutral. Er ist eine Haltung, und diese Haltung bringt Vorteile und Nachteile mit sich. Beides lohnt einen genauen Blick.

Die Vorteile einer perfektionistischen Haltung

Menschen, die perfektionistisch agieren, sind häufig erfolgreich. Sie haben den Anspruch, der Welt zu zeigen, dass sie wertvoll sind, dass sie etwas können und richtig gute Ergebnisse liefern. Solche Menschen hängen sich rein. Wenn du Perfektionisten im Team hast, kann das für sie ein starker Antreiber sein. Sie arbeiten lange und hart für ihre Ergebnisse und geben richtig Gas.

Die Nachteile: Ausbrennen und Outputstau

Genau hier liegt die Kehrseite. Manchmal gehen diese Menschen über ihre eigenen Bedürfnisse hinweg. Sie tun Dinge, die ihnen nicht guttun, nur um ihre Resultate oder sich selbst als perfekt darzustellen. Sie gehen über ihr Leistungsmaximum hinaus, brennen aus oder fühlen sich schlecht dabei. Wie du als Führungskraft unter Druck handlungsfähig bleibst, vertieft die Folge über Resilienz und Stress.

Arne erlebt einen zweiten Nachteil oft, wenn Führungskräfte mit dieser Frage zu ihm kommen. Einigen gelingt es nicht gut, pragmatisch Ergebnisse zu produzieren. Der perfektionistische Anspruch führt dazu, dass sie lieber gar kein Ergebnis abliefern als ein unperfektes.

Perfektionismus als Rechtfertigung

Dann wird Perfektionismus zu einer Rechtfertigungsgeschichte. Er erklärt, warum man etwas noch nicht abliefern oder sich noch nicht auf eine neue Stelle bewerben kann. Es gibt immer noch einen Anspruch, der vorher erfüllt werden muss. Jemand möchte sich eigentlich auf eine andere Rolle bewerben oder mit der eigenen Firma auf ein Kundenprojekt. Und dann heißt es: „Vorher muss ich aber noch diese Ausbildung machen, diese Qualifizierung.“ Erst sollen die perfekten Voraussetzungen da sein.

Das Ergebnis ist ein Outputstau. Man steckt fest und bewegt sich nicht. Perfektionismus wird dann zum Gegenteil von Pragmatismus. Wer sich in diesem Muster wiederfindet, kennt oft auch die Zweifel, die in der Folge über Selbstzweifel als Führungskraft beschrieben werden.

Done is better than perfect

Im Business gilt für Arne eher „Done is better than perfect.“ Lieber ein Ergebnis liefern und schauen, ob es ankommt und ob es sich optimieren lässt, als gar nichts liefern und sich selbst erzählen, das sei die richtige Entscheidung gewesen, weil es ja ohnehin nicht perfekt geworden wäre.

Ein unperfektes Ergebnis, das beim Kunden liegt, bringt dir Rückmeldung. Ein perfektes, das in deinem Kopf bleibt, bringt dir nichts. In vielen Bereichen gibt es Perfektion ohnehin nicht. Das Streben nach Vollendung, nach lückenlosen, vollständigen Ergebnissen läuft ins Leere, weil diese Ergebnisse gar nicht möglich sind.

Die entscheidende Frage: Antrieb oder Bremse

Die Frage ist also, ob dir dein Drang nach Perfektion im Weg steht. Verhindert er, dass du Ergebnisse produzierst? Führt er dazu, dass du über deine Bedürfnisse hinweggehst? Oder funktioniert er gut für dich, wie ein Boost, der dich zu besseren Ergebnissen bringt, und du kommst gut damit klar? Dann ist alles in Ordnung. Behalte ihn bei und nutze ihn.

Wenn er dir aber immer wieder im Weg steht, dich ausbrennt und viel Energie kostet, lohnt ein Blick auf die Mechanismen dahinter. Arne beschreibt zwei Gedanken, die häufig wirken und die du hinterfragen kannst. Solche Gedanken sind das, was in der Folge über limitierende Glaubenssätze ausführlich behandelt wird.

Denkfehler 1: Perfektion schützt vor Kritik

Manche Menschen glauben, Perfektion würde sie vor Kritik und vor Angriffen anderer schützen. Es ist wie ein Deal mit dem Universum. „Solange ich perfekte Ergebnisse liefere und mich reinhänge, kann niemand meine Ergebnisse kritisieren, und dann kann mich auch niemand anfeinden.“ Das perfektionistische Streben ist dann der Versuch, Kritik zu umgehen.

Dieser Deal geht leider nicht auf. Er ist eine Erwartung, die nicht erfüllt wird, weil andere ihre Kritik nicht davon abhängig machen, ob dein Ergebnis perfekt ist. Vielleicht kritisiert dich jemand gerade, weil dein Ergebnis perfekt ist. Pragmatiker finden pragmatische Ergebnisse gut, Perfektionisten eher perfekte. Du wirst immer jemanden treffen, der dich oder deine Ergebnisse für Dinge kritisiert, die außerhalb deines Einflusses liegen. Manchmal kritisiert jemand dein perfektes Ergebnis nur, weil er einen schlechten Tag hatte.

Ein perfektes Ergebnis und keine Kritik dafür zu bekommen, ist keine Kausalität. Es ist nur ein Gedanke, und den kannst du schreddern.

Es gibt Menschen, die ständig unperfekt liefern und kaum kritisiert werden. Ihre Ergebnisse sind pragmatisch, hier fehlt noch etwas und da noch etwas, und Kunden oder Kollegen feiern sie trotzdem. Und es gibt Menschen, die fast perfekt liefern und dennoch kritisiert werden. Wer versucht, einem Anspruch zu genügen, um Kritik zu verhindern, versucht etwas Unmögliches. Gerade Führungskräfte müssen damit leben, dass nicht alle applaudieren. Warum das sogar ein gutes Zeichen sein kann, zeigt die Folge Wer als Leader nur Applaus bekommt, macht was falsch.

Denkfehler 2: Perfektion gibt dir Wert

Ein zweiter Mechanismus kann wirken, wenn du dich im ersten nicht wiedererkennst. Vielleicht versuchst du, als perfekt dazustehen, weil du glaubst, das gebe dir Wert. Für viele Menschen ist Perfektionismus ein Antreiber, der aus einer frühen Schlussfolgerung stammt. Irgendwann in Kindheit, Jugend oder im jungen Erwachsenenalter haben sie aus einer Situation geschlossen, dass nur perfekte Ergebnisse zählen. Dass man nur dann Anerkennung bekommt oder vor der jeweiligen Peergroup etwas wert ist, wenn man perfekt ist.

Auch diese Schlussfolgerung stimmt nicht. Manche Menschen werden trotz perfekter Ergebnisse nicht gefeiert, weil andere neidisch oder missgünstig sind. „Das ist der Einserkandidat, dem fliegt alles zu, der sieht immer perfekt aus und führt das perfekte Leben.“ Was ohnehin nicht stimmt. Und dann wird er dafür abgewertet. Andere Menschen bekommen Anerkennung und Wertschätzung für ganz andere Aspekte ihres Seins, obwohl sie total unperfekt sind. Auch diese Kausalität kannst du schreddern, wenn sie dir im Weg steht.

Bewusst 80 Prozent liefern

Wie kommst du aus dem Muster heraus? Arne schlägt kleine Experimente im Alltag vor. Produziere bewusst ein Ergebnis, das du mit deiner normalen Grundhaltung so nicht abliefern würdest. Eine E-Mail, eine Präsentation, ein Zwischenstand. Mach ganz bewusst nur 80 Prozent und schau, wie die Reaktion ist und ob es sich für dich sicher anfühlt.

Fang dort an, wo wenig auf dem Spiel steht. Eine interne Mail an einen Kollegen eignet sich besser als das Angebot an deinen wichtigsten Kunden. Beobachte, was passiert. Meist fällt die Reaktion viel unspektakulärer aus, als dein innerer Anspruch dir vorher einreden wollte.

So gibst du deinem Bewusstsein die Chance, eine neue Erfahrung zu machen. Unperfekte Resultate sind nicht unsicher, und sie führen nicht automatisch zu Ablehnung. Mit jeder dieser Erfahrungen wird der alte Deal etwas schwächer.

Für Führungskräfte hat das noch eine zweite Seite. Wenn du Perfektionisten im Team hast, kannst du ihnen helfen, ihren Antrieb zu nutzen, ohne auszubrennen oder sich selbst zu blockieren. Das braucht ein offenes Gespräch über Ansprüche und Ergebnisse, das du im Gesprächstraining vorbereiten kannst. Wenn das Thema bei dir selbst tiefer sitzt, ist ein Führungscoaching der richtige Rahmen, um die eigenen Antreiber anzuschauen. Im Leadership Training REFLECT arbeiten Führungskräfte über zwölf Wochen an genau solchen Selbstbildern. Willst du in deinem Unternehmen eine Kultur entwickeln, in der pragmatische Ergebnisse zählen, begleitet MINDSET MOVERS das als Transformation mit allen Führungskräften. Einzelne Führungskräfte starten mit dem Führungstraining REFLECT, und das erste Gespräch mit deinem Perfektionisten im Team übst du vorab im DialogLab.

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