Deine neue Führungsrolle: Wie der Einstieg gelingt
Du startest in einer neuen Führungsrolle. Vielleicht in einem anderen Unternehmen, vielleicht mit einem neuen Team oder an einem anderen Standort, vielleicht bist du gerade erst Führungskraft geworden. Dann stellst du dir Fragen. Was muss ich als Erstes tun? Wie werde ich den Ansprüchen meiner Vorgesetzten gerecht, den Ansprüchen meiner Mitarbeitenden und meinen eigenen? Und nebenbei läuft das Tagesgeschäft. Arne und Jörg zeigen in dieser Folge des Podcast Wirksam führen, wie dir der Einstieg als neue Führungskraft gelingt.
Jörg rät zu einem klaren Fahrplan. Nimm den Stress raus, frag dich, worum es wirklich geht, und geh strukturiert vor, statt in Aktionismus zu verfallen. Wenn du ganz neu in der Führung bist, findest du im Programm für die erste Führungsposition einen passenden Rahmen.
Ausrichtung vor Aktionismus
Viele machen sich gleich Pläne, mit wem sie alles sprechen müssen. Arne empfiehlt, gerade die ersten Tage und Wochen entspannt und besonnen anzugehen, mit Ausrichtung. Damit meint er deine Absicht als Führungskraft für diese Aufgabe, eher für die nächsten zwei Jahre. Und wie willst du mit den Menschen in deinem Team sein, um mit ihnen erfolgreich zu sein? Das gibt dir Orientierung und Gelassenheit, weil es der Kontext ist, vor dem alles Inhaltliche stattfindet. Erfahrene Führungskräfte nehmen diese Ausrichtung oft aus früheren Rollen mit.
Arne beginnt bei sich mit Vollständigkeit. Er mag es, wenn zwischen ihm und anderen nichts steht. Seinem Chef und den wichtigsten Mitarbeitenden sagt er früh, was ihm wichtig ist.
Wenn ich irgendwas mache, was für dich nicht passt, sag es mir besser schnell. Damit kann ich gut umgehen.
Was für ihn nicht funktioniert, ist, es irgendwie herausfinden zu müssen oder dass es Wochen später knallt.
Jörg erzählt aus einem Coaching. Eine Führungskraft wünschte sich eine Grundpositivität im Team. Frust und Jammern sind erlaubt, in Maßen. Nach fünf Minuten Auskotzen wird der Stoppknopf gedrückt, und es geht darum, was ihr in der Situation tun könnt. Arne unterschreibt das. Sein Default Mode ist Zuversicht. Ihr fragt euch, wie ihr es hinkriegt, und hängt nicht lange daran, ob es klappt. Bei ihm als Führungskraft können sich die Leute darauf verlassen, dass er Problemen zuversichtlich begegnet. Jörg ergänzt, dass du diese Absicht in alle Richtungen kommunizieren solltest, damit andere wissen, wann es mit dir leicht ist.
Kennenlernen in Einzelgesprächen
Arne hält Einzelgespräche mit den wichtigsten Leuten in den ersten Tagen und Wochen für sinnvoll. Du kannst sie effizient mit Terminen verbinden, die du ohnehin hast. Plane Onboarding- und Fachtermine einfach 15 bis 20 Minuten länger und nutze die Zeit, euch persönlich kennenzulernen. Bereite zwei oder drei Dinge über dich vor. Bist du eher extrovertiert oder introvertiert, brauchst du mal Ruhe? Bist du der strukturierte Typ, für den Abweichungen schwierig sind, oder der flexible, dem der Weg egal ist, Hauptsache das Ziel wird erreicht? Frag dein Gegenüber dasselbe.
Arne und Jörg arbeiten selbst mit dem Reiss Motivation Profile. Wer so ein Profil hat, kann die wichtigsten Punkte daraus teilen. Wie das Profil hilft, andere besser zu verstehen, hörst du in der Folge über nervige Kollegen und Jürgen Klopp. Auch von deiner Vorgesetzten oder deinem Chef würde Arne das wissen wollen, um zu verstehen, wie ihr es euch gegenseitig leicht machen könnt. Solche Kennenlerngespräche kannst du im DialogLab üben.
Erwartungen deiner Vorgesetzten klären
Für Jörg ist ein Punkt zentral, idealerweise schon vor dem Einstieg. Was erwarten deine Vorgesetzten in den nächsten sechs und zwölf Monaten und darüber hinaus, damit sie sagen, das war eine super Entscheidung? Oft werden Menschen in Führungsrollen gesetzt, ohne dass das klar ist. Dann frag nach. „Worum geht es hier wirklich? Woran machst du fest, dass ich die richtige Person an der richtigen Stelle bin?“
Viele Führungskräfte sagen, das werde ihnen nicht klar vorgegeben. Arne hält dagegen, dass du selbst in der Verantwortung bist, für dich zu sorgen. Bleib dran, hak nach, mach einen neuen Termin. „Was bedeutet es konkret, dass die Abteilung saniert werden soll?“ Vielleicht heißt es, eine halbe Million Euro einzusparen, auch über Trennungsgespräche, und dabei gut mit den Menschen umzugehen. Dann fragst du, was gut genau heißt. Arne trifft selten auf Unternehmen mit zu viel Klarheit. Es reicht, wenn einer im System sagt „Drunter mache ich es nicht.“ Notfalls machst du einen Vorschlag. „Meint ihr das oder eher das?“ Das hilft auch deinem Vorgesetzten, weil wir oft erst klar denken, wenn wir Klarheit liefern müssen. Wie du nach oben souverän auftrittst, hörst du in der Folge Vorgesetzte führen.
Arne nennt das Beispiel Wachstum. Meint ihr mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Menschen, mehr Filialen, mehr Kunden oder mehr Umsatz pro Bestandskunde? Und in welchem Maß? Erst dann kannst du dich ausrichten. Jörg sieht darin auch Eigeninteresse. Du wirst mehr zu tun haben, als die Zeit erlaubt. Wie schade wäre es, Tage in die falsche Richtung zu laufen, weil du interpretiert hast. Später hast du dann einen Referenzwert. „Ihr habt mir gesagt, ihr macht an diesen drei, vier Punkten fest, dass ich die Rolle gut ausfülle.“ Das gibt dir Sicherheit. Jörg ergänzt, dass du so auch prüfen kannst, ob sich der Anspruch deiner Vorgesetzten mit deinem eigenen deckt.
Warum du kritisch beäugt wirst
Arne erinnert daran, dass nicht alle Mitarbeitenden gute Erfahrungen mit Führungskräften gemacht haben. Er verweist auf den Gallup Index und fasst ihn grob so zusammen. Menschen kommen wegen der Aufgabe, bleiben wegen der Kollegen und gehen wegen des Chefs. Manche sind froh, dass dein Vorgänger weg ist, und kommen gleich mit Forderungen. „Dein Vorgänger hat immer Micromanagement gemacht, das mögen wir hier gar nicht.“ Du kommst mit Vorschusslorbeeren und mit kritischen Blicken. Fatal wird es, wenn du unsicher auftrittst und den Leuten keine Orientierung geben kannst. Deshalb holst du dir zuerst selbst Orientierung, um sie weitergeben zu können. Mehr dazu hörst du in der Folge über den Rollenwechsel als Führungskraft. Im Leadership Training REFLECT trainieren wir genau diese Klarheit in der Kommunikation.
Die Antrittsrede und das gelassene Zuhören
Arne würde in der ersten Woche, spätestens am Donnerstag oder Freitag, eine Antrittsrede vor dem Team halten, egal ob es fünf oder 50 Menschen sind. Am ersten Tag noch nicht. Die ersten zwei, drei Tage nutzt er, um mit unverstelltem Blick Eindrücke zu sammeln. Was erzählen die Leute, worauf ist die Firma ausgerichtet, wie ist die Stimmung? Das fließt in die Rede ein. Deinen Lebenslauf brauchst du nicht auszubreiten, ein, zwei Sätze zu deiner Erfahrung reichen. Wie du die Rede aufbaust, vertiefen die beiden in der Folge über die Antrittsrede als neue Führungskraft.
Wichtig ist, was die Menschen von dir erwarten können. Wofür stehst du, wofür stehst du zur Verfügung? „Ich bin eher introvertiert. Ist meine Tür zu, möchte ich nicht gestört werden. 80 Prozent der Zeit ist sie offen.“ Oder eine wöchentliche Sprechstunde im ersten halben Jahr. Oder „Mir ist Präzision wichtig. Mit mir habt ihr es leicht, wenn ihr genau arbeitet.“ Erwähne auch erste positive Erfahrungen. Hans hat dich am ersten Tag herumgeführt, mit Maya hattest du ein tolles Gespräch über die Produktwelt. So beziehst du die Menschen ein, die dir künftig folgen sollen.
Jörg warnt vor schnellen Zusagen. In den ersten Wochen kommen viele mit Anliegen, Forderungen oder schlechten Worten über Kollegen. Gerade People Pleaser, die gemocht werden wollen, versprechen dann Dinge, die sie nach einem Monat anders bewerten würden. Arne rät, deine Haltung zu deklarieren. „Ich bin total neugierig auf alles, was du mir erzählst. Erwarte jetzt keine Reaktion, ich höre mir erst einmal alles an.“ Ein Gesamtbild setzt sich aus vielen Perspektiven zusammen. Du nimmst sie auf und machst dir dein eigenes Bild. Für Unternehmen ist es oft heilsam, dass jemand ohne Scheuklappen von außen kommt und klarer entscheiden kann. Jörg erinnert daran, dass du auch Interessenvertreter des Unternehmens bist und nicht alle Erwartungen erfüllen kannst. Mehr Impulse für den Start findest du in der Folge Neu in der Führungsrolle. Antrittsrede und erste Gespräche trainierst du im Führungstraining und im Gesprächstraining. Wenn euer Unternehmen viele Führungskräfte in neue Rollen bringt, begleiten wir das als Führungskräfteentwicklung im Unternehmen.

