Antrittsrede als neue Führungskraft: Worauf es wirklich ankommt
Du übernimmst ein neues Team, wechselst in ein anderes Unternehmen oder wirst zum ersten Mal Führungskraft. Dann stellt sich die Frage, wie du deine Antrittsrede gestaltest. In dieser Folge vom Podcast Wirksam führen gehen Arne und Jörg der Sache auf den Grund. Sie knüpfen an ihre Folge über die fünf Tipps für neue Führungskräfte an, in der sie die Antrittsrede bereits als Cliffhanger angekündigt hatten.
Wer im Netz sucht oder eine KI fragt, bekommt eine lange Liste. Stell dich als Person vor, präsentiere deine Erfahrungen und Kompetenzen, schaffe Vertrauen, räume Vorbehalte aus, bereite das Team auf Führungsstil und Ziele vor. Arne findet das alles richtig und sinnvoll. Nur überfrachtest du damit jede Rede und holst die Menschen nicht ab. Deshalb fragen die beiden zuerst, was die Menschen von einer neuen Führungskraft eigentlich erwarten.
Was dein neues Team wirklich wissen will
Jörg bezweifelt, dass sich das Team groß für deine Kompetenzen interessiert. Die Menschen fragen sich vor allem, was das für sie bedeutet. Was verändert sich jetzt? Wie ist der Neue so drauf? Manche haben vielleicht sogar Angst. Deine Kompetenzen kannst du beim Mittagessen erzählen.
Arne sieht das genauso. Du kannst kurz sagen, wo du zuletzt gearbeitet hast, und auf dein LinkedIn Profil verweisen. Die Leute wollen wissen, mit was für einem Menschen sie es zu tun haben und wie du im Umgang mit anderen tickst. Als Werder Fan nennt er den Trainerwechsel von Ole Werner zu Horst Steffen. In einem Interviewformat musste der neue Trainer zwischen Optionen wie Notbremse oder Gegentor wählen und nahm das Gegentor. Schon daran hören Spieler heraus, wie jemand tickt und welche Spielphilosophie er hat. Genau das sollte den größten Teil deiner Antrittsrede ausmachen. Wer du bist, was dir in der Zusammenarbeit wichtig ist und worauf sich die Menschen bei dir verlassen können. Wenn du gerade deine erste Führungsposition antrittst, findest du bei MINDSET MOVERS dafür auch einen begleiteten Einstieg.
Deine Absicht als roter Faden der Antrittsrede
Jörg hält die Absicht für das Team für den wichtigsten Punkt. Es macht einen Unterschied, ob du Stellen abbauen sollst oder ob mit dir neue Projekte kommen. Arne trennt dabei zwischen Zielen und Absicht. Ein Ziel wäre, dass Werder in zwei Jahren international spielt. Die Absicht hat mehr mit dir und den Menschen zu tun. Vielleicht willst du mit deinem Team Höchstleistung bringen und dabei Spaß haben. Das ist ausdrücklich keine Floskel zum Nachsprechen. Manchen ist Höchstleistung wichtig und Spaß egal, anderen umgekehrt.
Jörg nennt als Beispiel das kundenzentrierteste Team, das bei jeder Entscheidung fragt, wie der Kunde das findet. Arne erinnert sich an schnell wachsende Unternehmen, auch an sein eigenes, in denen viele Wechsel, neue Projekte und neu zugeschnittene Abteilungen für Unklarheit sorgten. Wer dort antritt, um Klarheit und Verlässlichkeit zu bringen, sollte genau das sagen.
Geh nie ohne Intention in ein Gespräch oder eine Rede, sagt Arne. Die Intention ist deine Überschrift und der rote Faden, der alle Inhalte in einen Kontext setzt. Sie ist das, was die Leute hinterher von dir behalten sollen. Einen fertigen Maßnahmenplan brauchst du dafür nicht, betont Jörg. Arne nennt es dein Warum, also warum du hier bist und mit welcher Philosophie du die Rolle übernimmst.
Stell dich als Mensch vor, ohne Selbstbeweihräucherung
Bei der persönlichen Vorstellung würde Arne den Lebenslauf möglichst kurz halten und lieber ein paar menschliche Punkte nennen, etwa Familie, Hund, Golf, Bücher über Anthropologie oder seine Liebe zu Werder Bremen. Daran können Menschen andocken, und das schafft Vertrauen. Das Berufliche googeln die Leute ohnehin, sobald bekannt ist, dass du kommst.
Lange Aufzählungen von Studium, Stationen, Projekten und Kunden wirken schnell wie Name Dropping. Arne findet das ermüdend. Jörg sieht darin eine Maske. Wenn du willst, dass deine Mitarbeitenden sich als ganze Persönlichkeiten einbringen, fang selbst damit an.
Ziele nennst du nur, wenn sie wirklich klar sind, etwa ein Saisonziel zwischen Platz acht und zwölf oder 20 Prozent mehr Umsatz. Verstrick dich nicht in unklaren Zielen und Maßnahmen, die du erst herleiten musst. Das wirft inhaltliche Fragen auf, und die Antrittsrede ist keine Diskussionsrunde.
Werte und Erwartungen konkret machen
Jörg würde in der Rede klar benennen, was ihm in der Zusammenarbeit wichtig ist, und es konkret machen. Ein Beispiel ist Vollständigkeit. Nichts soll zwischen euch stehen, jedes ungute Gefühl kommt auf den Tisch. Arne ergänzt die Seite der Führungskraft. Wenn ich einen ungelösten Konflikt habe, spreche ich ihn respektvoll und klar an, und das erwarte ich auch von euch. Und wenn ich nichts anspreche, ist auch nichts. Wie unterschiedlich Werte verstanden werden, besprechen die beiden in der Folge über Werte als Missverständnis.
Steht deine Absicht für Innovation, sag, dass niemand für Fehler bestraft wird, solange er Dinge ausprobiert und dafür geradesteht. Lasst uns gemeinsam ausprobieren, gemeinsam scheitern und schnell daraus lernen. Mehr dazu hörst du in der Folge über Fehlerkultur. Steht sie für Wachstum und Geschwindigkeit, sag, dass ihr schnell entscheidet und schnell korrigiert.
Arne betont, dass du Menschen mit dieser Klarheit die Wahl lässt. Sie können entscheiden, ob das der richtige Ort für sie ist. Allen recht machen kannst du es ohnehin nicht.
Jörg rät, Erwartungen in beide Richtungen auszusprechen. Was erwartest du vom Team, etwa Pünktlichkeit beim Training um 10 Uhr und keine Minute später? Und was kann das Team von dir erwarten, zum Beispiel klare Kommunikation, Entscheidungsfreude oder rechtzeitige Information, falls Jobsicherheit je ein Thema wird? Arne übersetzt das in die Spielphilosophie. Offensivfußball ist erst einmal ein Konzept. Konkret wird es, wenn der Trainer sagt, dass er konditionell Topniveau, starke Zweikämpfe und schnelle Ballgewinne erwartet. Im Business kann das heißen, nach Jahren schnellen Wachstums gemeinsame Standards zu schaffen und sich dann auch daran zu halten. Wie du Haltung und Erwartungen klar formulierst, trainieren Führungskräfte im Leadership Training REFLECT.
Die Intention ist deine Überschrift und der rote Faden, der dich durch die Rede trägt.
Kurz bleiben und ansprechbar sein
Eine knackige Antrittsrede ist nach fünf Minuten durch, sagt Arne. Zehn sind in Ordnung, eine Viertelstunde ist das obere Limit. Sag am Ende, wie man dich erreicht, und lade zu Fragen ein. Bleib nach der Rede noch in der Runde und bitte alle, sich in den ersten Wochen einen Termin bei dir einzustellen. Jörg ergänzt, dass du ruhig sagen darfst, dass die Rede kurz ist und noch nicht alle Fragen beantwortet. Für die ersten Einzelgespräche kannst du dich im DialogLab vorbereiten.
Vorbehalte nicht vom Hörensagen ansprechen
Bei einem Punkt aus den Checklisten ist Arne vorsichtig. Vorbehalte und Vorurteile auszuräumen, beruht oft auf Hörensagen. „Ich habe gehört, einige sind unsicher“ löst eher die Frage aus, wer das erzählt hat. Solche Themen gehören in Einzelgespräche, in denen du selbst fragst, was die Menschen beschäftigt. Jörg erinnert daran, dass Vorgänger, Vorgesetzte oder HR dir vieles durch ihre eigene Brille mitgeben. „Hier gibt es zwischenmenschlich Reibereien“ ist kein guter Start.
Arne rät sogar, die Menschen aus dem Bewerbungsprozess zu bitten, möglichst wenig über dich zu erzählen. Es ist ein großer Vorteil, unbelastet zu kommen und ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Jörg ergänzt, dass du umgekehrt auch nicht hören musst, wer im Team angeblich schwierig ist. Wer dir erzählt, dass Thomas und Marco ständig um die Kapitänsbinde streiten, dem kannst du sagen, dass du dir ein eigenes Bild machst. Wichtig sind Klarheit über Ziele und Aufgabe. Dann begegnest du den Menschen mit unverstelltem Blick. Mehr zum Einstieg in eine neue Rolle findest du in der Folge über deine neue Führungsrolle.
Zum Abschluss kannst du sagen, wie es weitergeht, etwa mit Teammeetings, Gesprächen mit deinen Direct Reports oder Einzelgesprächen in den nächsten vier Wochen. Arne erwähnt Philipp Westermeyer, der in einem Podcast von Management by Walking Around erzählt hat. Vielleicht bist du eher jemand für Deep Work, dann nenn Sprechzeiten oder Kanäle wie Slack, Teams oder Mail. Und am Ende greifst du noch einmal deine Intention auf. Das möchte ich mit euch erreichen, dafür bin ich angetreten, und ich freue mich auf den Start mit euch.
Unternehmen, die neue Führungskräfte in solchen Übergängen begleiten wollen, setzen auf Führungskräfteentwicklung im Unternehmen. Wer seine Haltung als Führungskraft grundsätzlich schärfen will, findet im Führungskräftetraining den passenden Rahmen. Und wenn du nach der Rede das erste schwierige Gespräch vor dir hast, kannst du es vorher als Gesprächstraining durchspielen.

