Neu in der Führungsrolle: Worauf es in den ersten Wochen ankommt
Neu in der Führungsrolle zu sein, wirft viele Fragen auf. Arne und Jörg bekommen sie immer wieder gestellt. Was mache ich in den ersten Wochen? Worauf muss ich achten? In dieser Folge vom Podcast Wirksam führen geben sie fünf Tipps für einen leichten Start als neue Führungskraft. Die Punkte gelten für alle, die zum ersten Mal führen, für alle, die eine neue Führungsrolle antreten, und auch für Gründerinnen und Gründer, die gerade ihr erstes Team aufbauen.
1. Willst du überhaupt führen?
Die erste Frage klingt banal und ist es nicht. Willst du überhaupt Führungskraft sein? In manchen Unternehmen ohne Expertenlaufbahn scheint Führung der einzige Weg zu sein, um mehr Verantwortung und mehr Gehalt zu bekommen. Arne formuliert die Frage deshalb anders. Hast du ein positives Bild von Führung? Bist du gerne im Lead, gibst du gerne den Takt vor, triffst du gerne Entscheidungen für andere und bewusst auch mal gegen andere?
Jörg ergänzt den finanziellen Aspekt. Wenn es dir vor allem ums Geld geht, denk noch einmal nach. Er hat kürzlich von einem E-Commerce-Unternehmen gehört, das seinen Spezialisten ohne Führungsverantwortung mehr zahlt als vielen Führungskräften.
Hast du ein negatives Bild von Führung, wird es schwer. Vielleicht bist du selbst einmal so geführt worden, dass du sagst, so will ich nie sein. Ansagen machen wirkt dann schnell bossy und übergriffig. Arne stellt klar, dass Führen etwas anderes bedeutet. Du erlaubst dir, dich in bestimmten Situationen durchzusetzen, voranzugehen, Richtung vorzugeben, Entscheidungen zu treffen und im Zweifel jemanden aus dem Team zu nehmen. Willst du das, kannst du alles lernen, was dir dafür noch fehlt. Willst du es nicht, weil du auf keinen Fall so wahrgenommen werden willst, lässt dein Bewusstsein das Lernen kaum zu. Wenn dich das Gefühl begleitet, gar nicht für Führung gemacht zu sein, hilft dir die Folge Zum Führen ungeeignet? weiter.
2. Kläre deine Ausrichtung
Hast du dich fürs Führen entschieden, geht es um Klarheit. Jörg rät, deine Vorgesetzten oder Gesellschafter direkt zu fragen. Was erwartet ihr konkret von mir? Wohin soll ich das Team steuern? Welche Ergebnisse wollt ihr sehen?
Arne betont, dass du dranbleiben darfst. Neben inhaltlichen Zielen gibt es Erwartungen, die schwer messbar sind und über die du trotzdem Gewissheit brauchst. Die beiden stehen auf dem Standpunkt, dass du selbst verantwortlich bist für die Ergebnisse deiner Arbeit. „Ich konnte ja gar nicht wissen, was der wollte“ zählt dann nicht. Frag nach, bis du weißt, was du tun musst, um in den Augen derer, die dich in diese Position gebracht haben, eine gute Führungskraft zu sein.
Jörg macht es konkret. Steffen soll das Marketingteam übernehmen und erfolgreich machen. Was heißt erfolgreich? Welche Ziele zählen? Gibt es Erwartungen an die Menschen, die er einstellt? Woran werden wir in sechs Monaten oder zwei Jahren festmachen, dass er die Rolle gut ausgefüllt hat? Arne warnt vor Floskeln wie „Du sollst das Team weiterentwickeln“ oder „Implementier das bitte“. Heißt implementieren, dass ihr Ende des Jahres damit anfangt, oder dass jeder schon mehrfach eigene Ziele erreicht hat? Mach es möglichst klar, messbar und spezifisch. Nur dann kannst du deinen Leuten Klarheit geben. Neugierige Mitarbeitende fragen danach, und das ist fair. Wie sollen sie Erwartungen erfüllen, die nicht glasklar sind?
Jörg sieht darin auch einen Gefallen für die Vorgesetzten, denen oft selbst noch nicht ganz klar ist, was sie wollen. Arne hat als Mitgesellschafter und als Gesellschafter erlebt, wie fruchtbar solche Meetings sind. Oft münden sie in eine Priorisierung. Eine gute Frage dabei ist, was euch nicht wichtig ist und was du weglassen kannst. Mit dieser Klarheit kannst du später darauf verweisen, wenn jemand ein neues Thema ins Team kippen will, das nicht zum vereinbarten Fokus passt.
Lass dich vom neuen Team nicht unter Druck setzen
Viele Teams erwarten, dass die neue Führungskraft sofort einen Workshop macht und erklärt, wohin es geht. Arne ermutigt dich, ehrlich zu sein. „Die Klarheit habe ich selbst noch nicht, ich bin noch in der Abstimmung.“ Dann lenkst du den Fokus erst einmal auf das Zwischenmenschliche, auf Kennenlernen, Verbindung und Offenheit, damit auch Dinge auf den Tisch kommen, die nicht gut laufen. Die Verantwortung, Klarheit zu schaffen, bleibt dir dein ganzes Führungsleben lang. Bleib hartnäckig und liebevoll dran.
3. Reflektiere, wie du wahrgenommen werden willst
Jörg schlägt vor, dich in den ersten Wochen selbst zu befragen. Wie willst du von deinem Team wahrgenommen werden, und wie auf keinen Fall? Wer auf keinen Fall dominant wirken will, wird oft so weich, dass klare Ansagen ausbleiben. Bespreche das ruhig mit Menschen, die dich gut kennen.
Was du dabei erkennst, ist dein Weiterentwicklungsfeld. Arne beschreibt den Buddy-Chef, der Konflikten ausweicht und von allen gemocht werden will. Für ihn heißt Wachstum, Ablehnung auszuhalten. Vielleicht heißt es dann eben „Mirko ist der neue Chef“ und weniger „Mirko ist einer von uns“. Umgekehrt gilt das genauso. Wer stark auf klare Ansagen setzt, darf lernen auszuhalten, dass andere ihn auch weicher sehen. Dafür gewinnt er die Chance auf Empathie, Vertrauen und Offenheit im Team. Wie die Angst vor Ablehnung Führung lähmt, zeigt die Folge über die People Pleaser Falle. Genau diese Selbstreflexion ist ein fester Teil unseres Leadership Trainings REFLECT.
4. Woran richtest du deine Führung aus?
Wann machst du als Führungskraft einen guten Job? Ziele zu erreichen, ist eine Antwort. Arne fragt nach einer zweiten. Was willst du von deinen Leuten hören oder bei ihnen beobachten? Ein Beispiel aus der Folge ist ein Team, das unter der alten Führungskraft gewohnt war, dass alle Entscheidungen oben fallen. Dein Ziel könnte sein, dass eine ganze Kategorie von Entscheidungen selbstständig getroffen wird. Nach einem halben Jahr schaust du hin, wie viele Fragen noch bei dir landen.
Jörg richtet sich gerne daran aus, wie offen unangenehme Themen im Team angesprochen werden. „Jörg, das passt für mich nicht, können wir reden?“ Im Idealfall klappt das auch untereinander. Arne verbindet das mit den Werten aus der Selbstreflexion. Vertrauen bleibt eine Floskel, solange du nicht sagen kannst, woran du es misst. Er rät, dich auf zwei, höchstens drei Kriterien zu beschränken. Ein Katalog mit 13 Punkten wird schwammig.
5. Räum Konflikte für einen leichten Start aus dem Weg
Der fünfte Punkt sind Konflikte, die einem guten Start im Weg stehen. Arne fragt zuerst, ob du überhaupt konstruktiv auf Konflikte blickst. Häufig steigt jemand innerhalb des Teams auf. Gibt es eine Person, die sich übergangen fühlen könnte, such früh das Einzelgespräch. „Wie geht es dir damit, dass ich jetzt diese Rolle habe? Ich weiß, du wolltest sie auch.“ Wer so einen Einstieg vorher üben möchte, kann das im DialogLab tun. Wie sich der Wechsel vom Kollegen zum Chef anfühlt, besprechen die beiden auch in der Folge zum Rollenwechsel.
Arne kennt aus dem Digitalisierungsumfeld etablierter Unternehmen auch Zielkonflikte. Wird digitales Marketing erfolgreich, kann das andere Kanäle wie den Außendienst kannibalisieren. Dann lohnt sich der Dialog mit den Betroffenen. Jörg nennt ein weiteres Beispiel. Mit deinem künftigen Chef lief vor zwei Jahren ein Projekt schlecht, und bei dir hängt das noch nach. Sprich es zu Beginn an, damit es nicht zwischen euch steht.
Arne ergänzt offene Rechnungen mit der Firma. Vielleicht solltest du übergangsweise operative Aufgaben behalten und das Team führen, und jetzt merkst du, dass es viel zu viel ist. Auch das gehört geklärt.
Ein leichter Start als neue Führungskraft
Jörg wünscht dir eine grüne Wiese, ein unbelastetes Feld zwischen dir und den Menschen, mit denen du eng zusammenarbeitest. Auch ein schlechter erster Eindruck lässt sich später klären. Ein leichter Start hilft trotzdem, in einen Flow zu kommen. Wer an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt, macht es sich unnötig schwer.
Du bleibst in der Verantwortung, Klarheit zu schaffen, wenn sie dir gegenüber nicht geschaffen wird.
Als Ausblick nennt Arne die Antrittsrede. Wenn du neu bist, sag den Menschen aus einer menschlichen Perspektive, warum du in dieser Rolle bist und was sie dir bedeutet. Wie das gelingt, hörst du in der Folge über deine Antrittsrede als neue Führungskraft.
Wenn du gerade deine erste Führungsposition übernimmst, findest du bei MINDSET MOVERS einen Einstieg, der genau diese Fragen aufgreift. Wer tiefer an Haltung und Wirkung arbeiten will, ist im Führungskräftetraining richtig. Unternehmen, die mehrere neue Führungskräfte gleichzeitig begleiten wollen, setzen auf Führungskräfteentwicklung im Unternehmen. Und das erste klärende Gespräch mit deiner Vorgesetzten kannst du vorab als Gesprächstraining durchspielen.

