Konsequenzen kommunizieren: Warum gerade Kleinigkeiten so viel Energie kosten
Einige im Team gehen ständig rauchen. Im Online Meeting bleiben Kameras aus. Jemand hängt während der Arbeitszeit am Handy. Solche Kleinigkeiten bringen viele Führungskräfte auf die Palme, und trotzdem schlucken sie es herunter. Arne und Jörg haben gerade einen REFLECT Durchgang abgeschlossen, und zwei Themen kamen dort immer wieder auf. Konsequenzen kommunizieren und genau diese störenden Kleinigkeiten ansprechen. In dieser Folge im Führungspodcast zeigen sie, wie du daraus eine Vereinbarung machst, die für beide Seiten funktioniert.
Jörg bringt eine Hörerfrage mit. Eine Hörerin schreibt, dass Kolleginnen in ihr Büro kommen, Smalltalk halten und kein Ende finden. Sie möchte konzentriert weiterarbeiten, weiß aber nicht, wie sie das Gespräch wertschätzend beendet, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen.
Aus der eigenen Intention sprechen
Arne schickt etwas voraus. Eine Garantie, niemanden vor den Kopf zu stoßen, gibt es nicht. Ob sich jemand gekränkt fühlt, hängt zuerst von ihm selbst ab. Du kannst aber beeinflussen, aus welcher Absicht du sprichst. Willst du die Person zurechtweisen, kommt das genau so an. Willst du konzentriert arbeiten oder das Meeting zügig beenden, damit alle wieder produktiv sind, dann sprich aus dieser Intention.
Jörg macht es konkret. „Habt ihr noch etwas für mich? Ich möchte jetzt konzentriert an meinem Projekt weiterarbeiten, damit ich es abschließen kann.“ Kommt nur noch Smalltalk, kann die Hörerin sagen: „Für mich funktioniert das gerade nicht. Ich fände es schön, wenn ihr euer Gespräch draußen fortsetzt. Versteht das bitte nicht gegen euch, es ist für mich.“
Arne geht einen Schritt weiter. Wer sich nur ärgert, weicht der Person bald aus, verlässt den Raum oder täuscht einen Anruf vor. Er würde das offen ansprechen. „Maja, hast du einen Moment? Ich merke, dass du öfter zu mir kommst, um zu quatschen. Das mache ich total gern in der Pause oder nach Feierabend bei einem Kaffee. Während der Arbeit kostet es mich Konzentration. Ich habe gemerkt, dass ich dir schon aus dem Weg gehe, und das möchte ich nicht. Ist es okay, wenn ich dich frage, ob es etwas Wichtiges ist, und wir den Rest in der Pause besprechen?“ Wenn du dein Bedürfnis so klar und wertschätzend formulierst, ohne etwas zu unterstellen, wird deine Grenze sichtbar.
Was hast du selbst damit zu tun?
Jörg lädt dazu ein, auch bei dir hinzuschauen. Vielleicht freust du dich in vielen Momenten über einen Schnack, und nur gerade jetzt passt es nicht. Vielleicht giltst du im Team als die Person, die immer für ein Gespräch zu haben ist. Die anderen können nicht riechen, wann du fokussiert arbeiten willst. Werde dir klar, wann es für dich passt und wann nicht.
Arne warnt vor Unterstellungen wie „Der lenkt doch nur alle ab, um selbst nicht arbeiten zu müssen“. Seine Erfahrung ist, dass Menschen aus einer für sie positiven Absicht handeln. Vielleicht braucht jemand gerade eine Pause. Vielleicht will er Beziehung aufbauen, denn Smalltalk wirkt verbindend. Dann kannst du antworten: „Ich habe auch Lust, mit dir in Verbindung zu sein. Lass uns das in der Pause machen, ich möchte fokussiert arbeiten und pünktlich Feierabend haben.“
Jörg erinnert daran, dass Menschen unterschiedlich ticken. Er ist eher introvertiert und zieht Energie aus Ruhe. Andere tanken bei einem kurzen Plausch auf. Arne nennt sich selbst einen Sprechdenker, der Ideen im Dialog entwickelt. Er schätzt, dass Jörg ihm klar sagt, wann er dafür zur Verfügung steht und wann nicht.
Wer nicht anspricht, zahlt trotzdem einen Preis
Viele fürchten, dass Ansprechen eine Konsequenz hat. Die Person könnte es blöd finden. Arne hält dagegen, dass auch Schweigen eine Konsequenz hat. Wer genervt ist, meidet den anderen, flunkert oder wird patzig. Genervt bist du ohnehin schon. Also kannst du es auch klären. Dann kannst du die Genervtheit loslassen, und dein Gegenüber bekommt die Chance, deine Erwartung zu erfüllen.
Nur wenn deine Erwartung auf dem Tisch liegt, hat die andere Person überhaupt eine Chance, ihr gerecht zu werden.
Jörg findet genau das entscheidend. Oft würde die andere Seite sagen „Warum hast du das nicht früher gesagt?“. Vielleicht vereinbart ihr ein einfaches Zeichen, Daumen hoch für einen Plausch, Daumen runter für Ruhe. Arne hat als Führungskraft und noch häufiger als Trainer erlebt, dass Menschen auf klar und wertschätzend formulierte Erwartungen fast immer mit Verständnis reagieren. Wie stark unausgesprochene Ansprüche eine Beziehung belasten, zeigt die Folge über Deals und Vereinbarungen.
Jörg nennt eine Bedingung. Sprich es an, um eine Lösung zu finden. Willst du nur hören „Du hast recht, ich habe das immer missachtet“, wird es schwierig. Arne erkennt den Vorwurf an Allgemeinplätzen. „Das muss man doch wissen, wenn meine Tür zu ist.“ Offensichtlich nicht. Sonst müsstest du unterstellen, dass jemand dich absichtlich stört. Vereinbare die Regel lieber konkret. Arne hat zu Hause ein Schild an seiner Bürotür. Seine Frau klopft, öffnet einen Spalt, und reagiert er nicht, weil er gerade in einem Online Training ist, geht sie wieder. Solche Regeln funktionieren, weil sie einem gemeinsamen Zweck dienen. Mehr zu ausdrücklichen Regeln und impliziten Konventionen findest du in einer früheren Folge.
Das Beispiel Raucherpausen: Indiz oder Ursache?
Ärgerst du dich, dass manche ständig rauchen gehen? Dann frag dich, was zu viel ist und wofür. Arne erlebt im Coaching oft dasselbe Muster. Beim besten Projektmanager, der alles wegwuppt, stört die Führungskraft das Rauchen gar nicht. Bei einem anderen schon. Dann sprich das Ergebnis an. „Die anderen schaffen im Schnitt 20 Tickets pro Woche, du liegst bei 12 bis 15. Das passt für mich mit der Zahl deiner Raucherpausen nicht zusammen. Können wir uns auf drei Pausen am Tag einigen?“
Jörg ist überzeugt, dass bei solchen Kleinigkeiten fast immer etwas anderes mitschwingt. Die Ergebnisse stimmen nicht, Deadlines werden gerissen, und das Rauchen oder das Handy wird zum Symbol dafür. Arne rät deshalb, wach zu sein, ob du eine Kausalität herstellst, die es vielleicht gar nicht gibt. Sprich zuerst über das Ergebnis. Kommt dann „Ich habe dafür keine Zeit“, kannst du nachfragen. „Mir ist aufgefallen, dass du mehrmals am Tag rauchen gehst. Glaubst du, das hängt mit dem Output zusammen?“ Fragen statt unterstellen. Wenn der Output stimmt, darf jemand für Arne rauchen, so oft er will.
Jörg vergleicht mit Martin, der noch öfter raucht und trotzdem 23 Tickets schafft. Da merkst du, dass es um die Ergebnisse geht. Er erinnert sich auch an ein Praktikum, in dem jemand die Raucherpausen nutzte, um Fragen mit Kollegen zu klären und schneller Lösungen zu finden. Wer das Rauchen verbietet, wird also nicht automatisch schneller. Arne ergänzt, dass eine falsche Unterstellung voll um die Ohren fliegt. Vielleicht sagt die Person, sie sei nicht genug eingearbeitet oder ihre Tickets dauerten viel länger. Dann steckst du in Rechtfertigungen fest. Wie du bei ausbleibender Leistung stufenweise Konsequenzen ziehst, besprechen die beiden ausführlich in einer späteren Folge.
Klare Rahmenbedingungen für Meetings
Arne findet, dass jeder Meeting Host die Rahmenbedingungen setzen darf, auch wenn Vorgesetzte oder Kollegen auf gleicher Ebene dabei sind. Selbst bei einem Termin, der seit einem Jahr läuft, kannst du beim nächsten Mal sagen: „Punkt eins, ich möchte die Rahmenbedingungen für unsere Runde neu klären.“ Bei kurzen Stand up Meetings kann eine Regel lauten „Du bist pünktlich da oder du bist nicht dabei“. Wer fehlt, holt sich die Informationen selbst. Ist dir bei Remote Meetings wichtig, einander zu sehen, kann die Regel „Kamera an oder nicht dabei“ heißen. Wie du Meetings kurz und klar hältst, vertiefen Arne und Jörg in einer eigenen Folge.
Jörg betont, dass eine Erwartung erst durch Zustimmung zur Vereinbarung wird. Sag, wofür die Regel gut ist, und frag, ob alle zustimmen. Dann wissen die Menschen, wofür oder wogegen sie sich entscheiden.
Solche Gespräche über störende Kleinigkeiten kannst du im DialogLab gefahrlos üben. Wie du Erwartungen und Konsequenzen grundsätzlich klar kommunizierst, trainierst du im Führungskräftetraining REFLECT, aus dessen letztem Durchgang diese Folge entstanden ist. Mehr zu den Inhalten findest du auf der Seite von REFLECT. Wollt ihr als Unternehmen gemeinsame Spielregeln für Meetings und Zusammenarbeit entwickeln, begleiten Arne und Jörg das als Inhouse-Training. Für ein konkretes Thema im Einzelfall gibt es das Coaching.

