Generation Z führen: Was an der Anspruchshaltung wirklich dran ist
Die wollen nicht mehr richtig arbeiten. Beim ersten Gegenwind sind sie weg. Loyal ist da keiner mehr. Solche Sätze über die Generation Z hören Arne und Jörg ständig, von Führungskräften, Unternehmerinnen und Unternehmern. Gemeint sind Menschen, die etwa zwischen 1995 und 2010 geboren sind und oft gerade ins Berufsleben starten.
In dieser Folge vom Podcast Wirksam führen gehen die beiden die typischen Vorwürfe einzeln durch. Arne schickt seine Erfahrung gleich vorweg. Mit Menschen aus der Generation Z kannst du genauso wirksam zusammenarbeiten wie mit allen anderen Generationen auch.
Loyalität oder Angst vor dem Jobverlust?
Der häufigste Vorwurf lautet, die Jungen seien nicht loyal und blieben nur dort, wo es zu ihren Werten passt. Jörg dreht die Frage um. Es ist doch erst einmal schön, wenn jemand darauf achtet, dass er gern bei dir arbeitet. Die Gegenposition wäre, dass Menschen nur bleiben, weil sie Angst vor Veränderung haben oder die Sicherheit lieben. Das willst du als Chef eigentlich gar nicht.
Arne ergänzt, dass Unternehmer selbst oft danach streben, in einem Bereich zu arbeiten, den sie gestalten können und der sich für sie sinnvoll anfühlt. Wer sich das selbst zugesteht, kann es anderen schwer absprechen.
Ein Blick zurück hilft. Als Arne 1998 seine Bankausbildung machte, war die Angst vor Arbeitslosigkeit allgegenwärtig. Die Arbeitslosenzahlen kamen jeden Tag in den Nachrichten. Viele hingen deshalb länger an ihren Jobs, waren froh über eine Stelle und ließen sich mehr gefallen. Es war ein Arbeitgebermarkt. Arne vermutet, dass die Menschen damals vor allem mehr Angst hatten. Jörg beschreibt den heutigen Zeitgeist. Viele junge Menschen sind neugierig, wollen sich weiterentwickeln und etwas von der Welt sehen. Was Loyalität in der Führung eigentlich bedeutet, besprechen die beiden auch in der Folge über das Missverständnis Loyalität.
Und mal ehrlich, willst du nicht auch nur Leute im Team, die eure wichtigsten Werte teilen? In Trainings beschweren sich Führungskräfte oft über Menschen mit den falschen Werten, die einfach nicht gehen. Gleichzeitig scheuen sie den Aufwand, Gespräche zu führen, zu eskalieren, sich zu trennen und neue Leute zu integrieren. Ohne diesen Aufwand bleibt die Stimmung im Team schlecht. Das klärende Gespräch mit jemandem, der nicht mehr zu euren Werten passt, kannst du im Gesprächstraining vorher durchgehen.
Jammern über die Jugend ist ein Opferstandpunkt
„Die leisten ja heute alle nichts mehr.“ Für Arne ist dieses Gejammer ein Opferstandpunkt. Wer so redet, akzeptiert die gegenwärtige Realität nicht und besteht darauf, dass sich alle anderen ändern müssen, damit es für ihn wieder leichter wird. Die Realität ändert sich dadurch nicht. Und selbst wenn sich der Zeitgeist irgendwann wieder dreht, hast du damit nicht recht behalten.
Wirksamer ist eine verantwortungsvolle Frage. Was ist dein Einfluss darauf, dass jemand in deinem Team anders arbeitet und kommuniziert, als du es dir wünschst? Und wie kannst du das beeinflussen, zum Guten oder zum Schlechten?
Die Menschen verändern sich nicht, nur weil einige darüber jammern.
Wie viel du als Chef bieten musst, entscheidest du
Die Frage aus dem Titel beantwortet Jörg klar. Was du bietest, entscheidest du selbst. Wenn du alle im Büro haben willst, ist das okay. Schwierig wird es erst, wenn du dich dann beschwerst, dass du keine Leute findest oder sie woanders hingehen.
Entscheidend ist, wie du kommunizierst. Eine Kollegin aus der Generation Z fragte Arne und Jörg, ob sie eine Zeit lang von Brasilien aus arbeiten könne, weil sie dort Verwandtschaft hat. Die Antwort war ein Ja mit Bedingungen. Ihre Arbeitszeiten mussten sich stark mit denen des Teams in Deutschland überschneiden, und sie brauchte eine stabile Internetleitung. Sie sagte beides zu, und es hat gut funktioniert.
Arne bringt es auf den Punkt. Für das Team zählt, ob jemand bei den Terminen dabei ist und sich nach den Bedürfnissen der meisten richtet. Ob er dabei in Brasilien oder in Dortmund sitzt, ist zweitrangig. MINDSET MOVERS arbeitet ohnehin komplett remote. Verfechter von Homeoffice um jeden Preis sind die beiden trotzdem nicht. Würden sie am selben Ort wohnen, hätten sie wahrscheinlich ein Büro und eine Bürokultur aufgebaut, und Arne hatte in früheren Firmen gute Erfahrungen mit Büros. Er hält nur wenig davon, kategorisch zu denken. Wer pauschal sagt, das geht nicht, oder unterstellt, wer aus Brasilien arbeitet, mache dort Urlaub, macht es sich schwer. Bedingungen klar zu nennen und einzufordern, ist eine Führungsfähigkeit, die du im Führungskräftetraining REFLECT gezielt trainierst.
Extrameile und Engagement gibt es in jeder Generation
Ein weiterer Vorwurf lautet, die Generation Z mache nur noch Dienst nach Vorschrift. Menschen, die das tun, gibt es in jeder Generation, sagt Jörg. Wie du damit umgehst, hörst du in der Folge über Dienst nach Vorschrift. Seine Erfahrungen mit jungen Leuten sehen anders aus. Er lud die Kollegin in Brasilien versehentlich zu einem Termin um 8:30 Uhr deutscher Zeit ein, mitten in ihrer Nacht. Sie stand auf und war dabei. Ein studentischer Mitarbeiter kam kurzfristig an einem Sonntag aus Münster angereist, um Videos aufzunehmen, weil der geplante Donnerstag nicht mehr passte.
Entscheidend sind Erwartungen, Klarheit, Abstimmung und ein Geben und Nehmen, unabhängig vom Jahrgang. Jörg ist überzeugt, dass Menschen einen Beitrag leisten wollen. Sie wollen Teil von etwas sein, das gelingt, und im Team gute Ergebnisse erzielen. Dafür gehen sie die Extrameile, wenn klar ist, worum es geht. Mehr dazu, wie Motivation wirklich funktioniert, hörst du in einer eigenen Folge.
Wenn jemand kündigt, heißt das noch lange nicht, dass du ein schlechter Chef bist. Oft steckt eine Hin-zu-Motivation dahinter, der Wunsch nach etwas Neuem. Viele junge Menschen wollen mehrere Arbeitgeber und Städte kennenlernen, reisen mehr und geben ihr Geld lieber für einen Urlaub aus als für ein Auto. Das ist anders als früher, weder besser noch schlechter. Arne rät, das als Realität anzuerkennen, um wirksam damit umzugehen.
Texten, telefonieren und Purpose ohne Delfine
Die Generation Z könne nur noch texten, heißt es. Wer mit dem Handy aufgewachsen ist, hat das Texten mehr trainiert als das Telefonieren. Gleichzeitig scheitern Ältere manchmal daran, ein Video zu schneiden oder sich auf neue Software umzustellen. Beides stimmt. Unterschiedliche Prägungen führen zu unterschiedlichen Fähigkeiten, und mit mehreren Generationen im Team hast du mehr davon im Haus. Jörg sieht darin ein Geschenk. Die Jüngeren schreiben mit jüngeren Kunden, die Älteren rufen ältere Kunden an oder gehen mit ihnen essen. Wie junge Mitarbeitende ticken, greifen die beiden auch in der Folge über junge Mitarbeitende auf, die innovativ, aber wenig souverän wirken.
Bleibt der Vorwurf, alle wollten nur noch die Welt retten. Purpose heißt für Jörg, dass Menschen ihren Beitrag erkennen. Als Beispiel nennt er eine Steuerberatung, die eine verlässliche Basis für die Geschäftswelt schafft. In einer Agentur kann der Beitrag sein, dass Kunden ihre Geschichte besser erzählen. Dass Menschen nach Sinn fragen, findet Arne begrüßenswert. Früher hieß es oft, Arbeit sei eben Arbeit und das Gehalt Schmerzensgeld. Wer nur Jobs anbietet, die alle hassen, darf sich über fehlende Begeisterung nicht wundern.
Sinn entsteht im Team
Was Menschen an ihrem Job am meisten schätzen, ist laut den Reports zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz das Team. Ob jemand Gärten anlegt, Lohnabrechnungen macht oder Werbung schaltet, die Freude am Job hängt am stärksten davon ab, wie die Zusammenarbeit funktioniert. Und die zu gestalten, ist Führungsarbeit.
In größeren Unternehmen siehst du Abteilungsleiter mit glücklichen Teams neben Teams, die Ähnliches tun und unzufrieden sind. Der Unterschied liegt zu einem großen Teil darin, wie die Führungskraft das Miteinander gestaltet und worauf sie Wert legt. Sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen, fühlt sich für Menschen sinnvoll an. Jörg wünscht sich, dass jeder in jedem Unternehmen weiß, was sein Beitrag ist, unabhängig vom Alter.
Das kannst du lernen, zum Beispiel in REFLECT, dem Leadership Training von MINDSET MOVERS. Wenn du Menschen aus allen Jahrgängen in mehreren Teams besser zusammenbringen willst, ist ein Inhouse-Training für dein ganzes Führungsteam der passende Weg. Gespräche mit jungen Mitarbeitenden, die etwas anderes wollen als du, kannst du vorher im DialogLab durchspielen.

