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„Ich vertraue meinen Leuten“ klingt gut und wird schnell zur Ausrede. Arne und Jörg zeigen, wie Vertrauen und klare Erwartungen zusammen wirken.

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  • 00:00
    Vertrauen als AusredeWarum der Satz „Die machen das schon“ zum Frust führt, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.
  • 01:24
    Jörgs AnfangszeitJörg erzählt, wie er als junge Führungskraft mit Vertrauen klaren Ansagen ausgewichen ist.
  • 02:34
    Kontrolle gilt als verpöntWarum Kontrolle und Vorgaben zur Führung gehören und oft sinnvoll sind.
  • 05:08
    Welches Bild willst du halten?Die Frage, welches Bild deine Mitarbeitenden von dir haben sollen und was du dafür vermeidest.
  • 07:47
    Der KummerkastenWie du dich liebevoll und klar abgrenzt, wenn private Themen überhandnehmen.
  • 12:19
    Zutrauen plus ErwartungWie du Vertrauen schenkst und trotzdem einen Plan mit Terminen einforderst.
  • 13:29
    „Vertraust du mir nicht?“Wie du klug reagierst, wenn jemand dein Nachfragen als Misstrauen deutet.
  • 18:05
    Vertrauen ist eine EntscheidungWarum die Haltung „Vertrauen muss man sich erarbeiten“ für Führungskräfte ungünstig ist.
  • 19:57
    Vorkasse in ChinaJörg erzählt, wie er einem Fabrikbesitzer einen sechsstelligen Betrag anvertraut hat.
  • 21:58
    Was Misstrauen kostetWarum Misstrauen bremst und der Preis des Nichtentscheidens oft höher ist.

Shownotes

Zum Nachlesen

Vertrauen in der Führung: Wenn „die machen das schon“ zur Ausrede wird

„Ich will denen nichts vorschreiben. Das sind kompetente Leute, die kennen sich in ihrem Fachbereich besser aus als ich. Ich vertraue denen, dass die das machen.“ Diesen Satz hören Arne und Jörg oft, wenn sie mit Führungskräften über Vertrauen in der Führung sprechen. Solange alles gut ausgeht, ist daran nichts verkehrt. Spannend wird es, wenn die Ergebnisse nicht so sind, wie du sie dir wünschst, und der Frust wächst.

Genau dort setzt diese Folge vom Podcast Wirksam führen an. Die These der beiden ist unbequem. Vertrauen ist die Basis für gute Zusammenarbeit. Für manche Führungskräfte wird es aber zur bequemen Begründung, die eigentliche Führungsarbeit liegen zu lassen.

Wo Führungskräfte hinter Vertrauen ausweichen

Jörg kennt das von sich selbst. Als er seine erste Firma Kauai gegründet hatte, sagte er oft „Ich vertrau dir, du machst das schon“. Manchmal passten die Ergebnisse trotzdem nicht.

Rückblickend hat er festgestellt, was hinter seiner Haltung steckte. Er wollte gemocht werden. Er wollte keine klare Ansage machen und Diskussionen aus dem Weg gehen. Vertrauen wurde so zur Rechtfertigung, nicht kontrollieren zu müssen und die Verantwortung für das Ergebnis abzugeben. Wer gerade neu in der Führungsrolle ist, rutscht besonders leicht in dieses Muster, weil es sich nach Führung auf Augenhöhe anfühlt.

Arne sieht dahinter auch eine kollektive Haltung. Kontrolle und klare Vorgaben gelten als verpönt, über Micromanagement spricht kaum jemand gut. Dabei gehört Kontrolle zur Führung und ist in vielen Situationen sinnvoll und angebracht. Viele Führungskräfte wollen ihren Leuten möglichst gleichwürdig begegnen und sagen deshalb lieber „Ich vertrau dir“ als „So möchte ich das haben“.

Prüf deshalb ehrlich, warum du wenig vorgibst. Machst du es, weil du deinen Leuten wirklich vertraust und erlebst, dass es super funktioniert? Oder ersparst du dir damit den Moment, in dem du sagen müsstest, dass dir die bisherige Arbeitsweise nicht passt? Irgendwann kommt sonst der Satz „Ich habe euch das nie so gesagt. Meine klare Erwartung ist folgende, und übrigens werde ich vom Kunden daran gemessen.“

Jörg ergänzt, dass Selbstorganisation funktionieren kann. Fehlen aber Leitlinien, Rollen und konkrete Ziele, entstehen Chaos, Frust und Ineffizienz. Entscheidungen werden verschleppt, unangenehme Themen bleiben liegen.

Welches Bild von dir willst du aufrechterhalten?

Arne stellt eine Frage, die sich lohnt. Was sollen deine Mitarbeitenden über dich denken, wenn du Führungskraft bist? Dass du besonders fair bist, besonders vertrauensvoll, menschenorientiert? Dass du partizipativ führst und dich nicht über andere stellst? Oder dass die Leute zu dir kommen und dir auch Privates anvertrauen, die Krankheit in der Familie, den Liebeskummer, die Phase, in der es ihnen mental nicht gut geht?

Wer an so einem Bild hängt, geht oft genau den Dingen aus dem Weg, die es gefährden könnten. Vorgaben machen, Ergebnisse korrigieren, schwierige Gespräche führen. Wenn das bei dir so ist, hinterfrag, wie gut es für dich funktioniert.

Jörg stellt klar, dass die beiden hier kein Urteil fällen. Wenn Menschen mit privaten Themen zu dir kommen und alles läuft, ist das wunderbar. Der Maßstab ist ein anderer. Hast du im Team die Ergebnisse, die du willst? Erreichen einzelne Mitarbeitende, was du dir wünschst? Oder landen viel zu viele Themen auf deinem Schreibtisch? Wenn du solche Ergebnisse hast, lohnt der Blick darauf, was bei dir wirkt.

Arne erlebt Führungskräfte, die eine vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen haben und denen es trotzdem zu viel wird. Sie fühlen sich wie die Kummerkastentante oder der Kummerkastenonkel, zu dem alle mit ihren Sorgen kommen. Dann darfst du dich liebevoll und klar abgrenzen. „Du hast mir letzte Woche schon gesagt, dass es gerade schwierig ist. Ich würde mich jetzt gern mit dir über das Fachthema unterhalten, das brauche ich gerade von dir.“

Vertrauen und Kontrolle gehören zusammen

Vertrauen hat mehrere Dimensionen. Menschen vertrauen dir Dinge an. Sie vertrauen auch deinen Entscheidungen, selbst wenn du ein Ergebnis korrigierst und sagst „Das passt so nicht, ich brauche das anders“. Und sie merken, ob du ihnen etwas zutraust. Sagst du „Diese Aufgabe mit dem neuen Kunden hast du noch nie gemacht, und ich traue dir zu, dass du das hinbekommst“, hat der Satz nur Gewicht, wenn die Person dir vertraut.

Für Jörg ist Vertrauen die Basis für ein gelingendes Miteinander. Kontrolle gibst du damit nicht auf. Es geht um die Balance zwischen dem Vertrauen in die Fähigkeiten der Menschen und dem Sicherstellen, dass die Ziele erreicht werden und alle an einem Strang ziehen.

Arne geht noch einen Schritt weiter. Korrigieren und kritische Themen ansprechen fallen in einer vertrauensvollen Beziehung leichter. Führen wird leichter, und folgen auch. Wer einer Kollegin sagt „Kann ich dir mal was sagen? Ich meine das nicht gegen dich, aber was du die Tage gemacht hast, funktioniert für mich nicht“, braucht dafür eine Vertrauensbasis. Vertrauen hilft also enorm bei wirksamer Führung. Es ersetzt sie nicht.

Und wenn du deine Leute entwickeln willst und ihnen deshalb maximales Vertrauen schenkst? Das kannst du, sagt Jörg, und du kannst beides in einem Atemzug sagen. „Ich traue dir das komplett zu. Meine Erwartung ist, dass XY sichergestellt ist. Kannst du mir bis nächsten Freitag einen Plan ausarbeiten, wer was bis wann macht?“ An genau solchen Sätzen arbeiten Arne und Jörg im Leadership Training REFLECT, das Führungskräfte über zwölf Wochen begleitet.

„Vertraust du mir nicht?“ So reagierst du klug

Arne erzählt von einem Coachee. Wenn dessen früherer Chef sagte „Arbeite das mal aus und zeig es mir dann“, fragte er zurück: „Vertraust du mir nicht?“ Der Chef antwortete nur „Doch, doch, ich vertrau dir“.

Genau hier wird es interessant. Selbst wenn jemand fähig und sehr kompetent ist, heißt das noch lange nicht, dass ihr komplett missverständnisfrei über die Aufgabe gesprochen habt. Ein Ergebnis anzuschauen hat mit Ausrichtung und Klarheit zu tun. Eine passende Antwort wäre deshalb „Ich vertraue dir voll, sonst hätte ich dir die Aufgabe gar nicht übertragen. Trotzdem möchte ich sehen, was konkret dabei rauskommt.“ Vielleicht fällt dir beim Lesen ein Aspekt auf, den ihr nie besprochen habt.

Für Arne ist „Vertraust du mir nicht?“ eher eine Aussage als eine Frage. Sie soll dich dazu bringen, freie Hand zu geben. Er würde mit einer Gegenfrage antworten. Glaubst du, ich vertraue deiner Kompetenz nicht oder deiner Erfahrung? Warum darf ich als dein Chef das Ergebnis nicht sehen? Jörg würde einfach fragen: „Wie kommst du denn darauf?“ So kommt ihr der Sache auf den Grund.

Manchmal vertraust du der Person völlig und brauchst trotzdem selbst die Sicherheit, dass alles im Team in die richtige Richtung läuft. Gründe gibt es viele. Vielleicht will dein eigener Vorgesetzter zwischendurch wissen, wie die Projekte laufen. Vielleicht willst du sehen, wie unterschiedlich die Qualität im Team ist, weil du ein gewisses Niveau halten musst. Mehr dazu hörst du in der Folge über die Vertrauensfalle in der Führung.

Vertrauen ist eine Entscheidung

Manche Führungskräfte sagen, neue Leute müssten sich ihr Vertrauen erst erarbeiten. Arne hält das für ziemlich ungünstig, wenn diese Menschen dir folgen sollen. Es wird zum Test, und wer testet, findet immer einen Grund, noch nicht zu vertrauen.

Für Arne ist Vertrauen zuallererst eine Entscheidung. Das Wirksamste, was du dafür tun kannst, dass andere dir vertrauen, ist, ihnen zuerst zu vertrauen. Jörg ergänzt, dass Misstrauen dich darauf konditioniert, nach Fehlern zu suchen. Dann übersiehst du, wo sich jemand längst vertrauensvoll verhalten hat.

Er erzählt dazu eine Geschichte aus seiner ersten Firma. Sie ließen in China produzieren, und der Fabrikbesitzer brauchte einen sechsstelligen Betrag, nach Jörgs Erinnerung rund 200.000 US-Dollar, um Leder vorzufinanzieren. Jörg hatte nichts gesehen. Er sagte zu, verbunden mit der klaren Erwartung, dass in Qualität, Zeit und Budget produziert wird, und überwies. Für ihn ist das eine generelle Haltung.

Arne schlägt eine Prüffrage vor. Wovor soll dich dein Misstrauen eigentlich schützen? Vor Fehlern, vor deren Konsequenzen? Und tut es das gut genug? Vielleicht lohnt es sich, dem Misstrauen selbst einmal zu misstrauen. Jörg beobachtet, dass Misstrauen kaum vor schlechten Erfahrungen schützt. Es bremst. Du bist zurückhaltend und produzierst in derselben Zeit weniger Ergebnisse.

Der Gewinn des Misstrauens liegt darin, dass du nicht enttäuscht werden kannst. Arne hält dagegen, dass das nur funktioniert, wenn du gar nicht entscheidest. Wer nicht in China produzieren lässt, wird auch von keinem Lieferanten enttäuscht. Die Abwägung lautet also, ob der Preis des Nichtentscheidens höher ist als der Preis, den du zahlst, wenn du vertraust. Jörg erinnert an die andere Seite der Rechnung, an Beziehungen und Ergebnisse, die erst durch Vertrauen möglich werden.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Man könnte auch sagen, wer nicht vertraut, der nicht gewinnt.

Einen weiteren Blick auf Misstrauen, Vertrauen und Selbstvertrauen findest du in einer früheren Folge. Merkst du, dass dich alte Erfahrungen grundsätzlich skeptisch machen, kann ein Führungscoaching helfen, das zu sortieren.

Vertrauen macht klare Ansagen leichter

Wenn du merkst, dass du ungern kontrollierst und klare Ansagen meidest, prüf, ob du Vertrauen manchmal als Story vorschiebst. Vertrauen ist die Basis für Führung. Vertraut ihr euch gegenseitig, werden Korrekturen und schwierige Gespräche leichter. Dann kannst du auch sagen: „Ich erwarte, dass du mir in dieser Sache folgst und es so machst, wie ich es möchte. Bitte vertrau mir an der Stelle.“ Solche Sätze kannst du im Gesprächstraining vorher durchspielen. Wer gern besonders rücksichtsvoll führt, findet in der Folge zum Missverständnis Rücksichtnahme eine passende Fortsetzung.

Willst du das Thema mit deinem ganzen Führungsteam angehen, begleiten Arne und Jörg Unternehmen mit Inhouse-Trainings über sechs, zwölf oder 18 Monate. Für einzelne Führungskräfte ist das offene REFLECT Programm der passende Rahmen, um Vertrauen und klare Erwartungen im eigenen Alltag zusammenzubringen.

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