MINDSET MOVERS Logo

Du führst plötzlich deinen Freund? Arne und Jörg zeigen, wie Freundschaft und Führung zusammengehen, wenn ihr offen über Rollen und Erwartungen sprecht.

WhatsApp Community „Wirksam führen“

Zweimal pro Woche Leadership Tools und Fallbeispiele von Arne und Jörg, kostenfrei.

Community beitreten

Sprungmarken

Ein Klick auf die Zeit öffnet die Folge genau an dieser Stelle bei Spotify.

  • 00:00
    Kann man mit Mitarbeitern befreundet sein?Arne und Jörg stellen die Frage, die viele nach einer Beförderung aus dem eigenen Team beschäftigt.
  • 01:37
    Der Fall aus dem HR-AlltagJörg erzählt von einem Unternehmen, in dem vielen Führungskräften der Spagat zwischen Freundschaft und Ergebnissen schwerfällt.
  • 02:25
    Unklarheit erzeugt DealsWarum Führungskräfte hin- und hergerissen sind und heimliche Ausgleichsgeschäfte entstehen.
  • 04:40
    Rollen klären wie im FamilienunternehmenWas Familienunternehmen mit klarer Rollenverteilung und Disagree and Commit vormachen.
  • 06:07
    Vollständigkeit als FührungsprinzipWarum nichts zwischen euch stehen sollte und wie ihr das als gemeinsame Absicht vereinbart.
  • 09:29
    Love it, change it or leave itWas ihr tut, wenn es trotz Gesprächen nicht funktioniert, und warum auch das besprochen gehört.
  • 10:36
    Erwartungen und VereinbarungenJörgs Beispiel zu privaten Themen im Büro und wie ihr klare Absprachen trefft.
  • 11:45
    Konflikte können eine Freundschaft vertiefenArne erklärt, warum die Reibung im Job eine Freundschaft eher zusammenschweißen kann.
  • 16:00
    In welcher Rolle sprichst du gerade?Warum sich Berufliches und Privates nur begrenzt trennen lassen und wie ihr die Rolle offen benennt.
  • 17:36
    Wohlwollen unterstellen und nachfragenWie Toleranz und neugieriges Nachfragen Unterstellungen ersetzen und die Freundschaft schützen.

Shownotes

Zum Nachlesen

Befreundet mit Mitarbeitern: Kann das als Führungskraft funktionieren?

Gestern noch Kollegin, heute Chefin. Und einer der Menschen im Team ist seit Jahren dein Freund. Oder du führst ein Team, in dem alle ungefähr gleich alt sind und sich privat gut verstehen. Diese Frage bekommen Arne und Jörg regelmäßig. Kann ich mit Mitarbeitern befreundet sein und trotzdem gut führen? Für Familienmitglieder im Betrieb gilt übrigens ganz Ähnliches.

Jörg erzählt von einem Telefonat mit einer HR-Verantwortlichen. In ihrem Unternehmen ist das Verhältnis im Team teilweise freundschaftlich, und vielen Führungskräften fällt der Spagat zwischen Freundschaft und Ergebnissen schwer. Unpopuläre Entscheidungen, die einem Freund zum Nachteil sind, schieben sie lieber vor sich her. Dahinter steht die Angst, die Freundschaft aufs Spiel zu setzen.

Die Antwort im Podcast Wirksam führen ist klar. Ja, das geht. Es ist eine Frage des Wie, und das Wie heißt Klarheit und Absprache.

Unklarheit erzeugt heimliche Deals

Arne beschreibt, was passiert, wenn niemand darüber spricht. Du fühlst dich hin- und hergerissen. Den Freund kannst du nicht so behandeln wie alle anderen, also bist du mit ihm weniger klar. Andere im Team erleben das als ungerecht. Und dann entstehen Deals. Nach einer Entscheidung, die der Freund gegen sich interpretiert hat, gibst du ihm an anderer Stelle etwas, um es auszugleichen, oder du bevorzugst ihn bei der nächsten Gelegenheit. Für Arne ist all das ein Ausdruck von Unklarheit.

Wenn du gerade neu in der Führungsrolle bist und vorher selbst Teil des Teams warst, kennst du diese Zwickmühle vermutlich gut. Das geflügelte Wort, Berufliches und Privates zu trennen, hilft dir dann wenig. Was hilft, ist ein offenes Gespräch.

Das klärende Gespräch über Rollen und Erwartungen

Was in dieses Gespräch gehört, beschreibt Arne recht konkret. Was steht für euch beide auf dem Spiel? Welche Befürchtung läuft im Hintergrund mit? Wie geht es euch damit, dass ihr jetzt in einer Beziehung zwischen Vorgesetzter und Mitarbeiter steht? Und könnt ihr euch beide vorstellen, das gut hinzubekommen, ohne dass die Freundschaft leidet? Dazu gehört auch die Klarheit, was in den jeweiligen Rollen von euch erwartet wird. Diese Rollen müssen von beiden akzeptiert sein.

Als Vorbild nennt Arne Familienunternehmen. Dort, wo es gut läuft, ist die Rollenverteilung klar. Alle wissen, wessen Wort im Zweifel gilt, und die anderen Familienmitglieder halten sich daran. Jörg nennt das Disagree and Commit. Du darfst anderer Meinung sein und trägst die Entscheidung trotzdem mit. Für den Widerspruch braucht es dann einen anderen Raum, in dem ihr darüber sprecht.

Jörg ergänzt, dass ihr euch eure Erwartungen gegenseitig mitteilen und Vereinbarungen treffen solltet. Sein Beispiel ist alltäglich. Deine Freundin steht morgens um halb elf in deinem Büro und erzählt, dass ihr Mann heute Abend wieder zu spät kommt und sie das aufregt. Wenn du das während der Arbeitszeit nicht willst, sag es klar. „Meine Erwartung ist, dass wir private Themen privat besprechen. Hier will ich voll fokussiert sein.“ Vielleicht einigt ihr euch auf die Mittagspause, ein Telefonat am Abend oder ein Essen am Freitag. Die andere darf das schade finden und trotzdem zustimmen.

Vollständigkeit als Führungsprinzip

Jörg macht klar, was in dieser Konstellation zweifellos da ist, nämlich eine hierarchische Unterscheidung. Du triffst Entscheidungen, die für deinen Freund nachteilig sein können oder mit denen er nicht einverstanden ist. Umso wichtiger ist ihm ein Begriff, der bei MINDSET MOVERS zentral ist. Vollständigkeit. Gemeint ist die Absicht, dass nichts zwischen euch steht. Ihr geht Konflikten nicht aus dem Weg. Wenn dich etwas stört, kommt es auf den Tisch. „Du hast mich in dieser Situation abgekanzelt, das hat für mich nicht funktioniert.“ Für Jörg gilt das in jeder Beziehung, in einer Freundschaft mit hierarchischem Gefälle aber mit besonderem Nachdruck.

Arne erzählt, dass fast alle Teilnehmenden im Leadership Training REFLECT und viele Führungskräfte in unseren Inhouse-Trainings Vollständigkeit als eines ihrer Führungsprinzipien festlegen. Ob ihr es so nennt oder von einer unbelasteten Arbeitsbeziehung sprecht, ist egal. Entscheidend ist, die Absicht auszusprechen. „Wir waren befreundet, bevor ich deine Führungskraft wurde. Ich möchte weiter mit dir befreundet sein, und du vermutlich auch. Wie kriegen wir das hin?“

In der Entscheidung gibt es Hierarchie. Im Umgang bleibt ihr auf menschlicher Augenhöhe.

Bei Entscheidungen seid ihr in der Hierarchie nicht auf Augenhöhe, das hat Jörg klar benannt. Zwischenmenschlich kannst du trotzdem immer würdevoll mit dem anderen umgehen, auch wenn deine Entscheidung für das Unternehmen und gegen seine Interessen ausfällt. Das kann bis zur Kündigung gehen. Arne hat erlebt, dass jemand einer befreundeten Person gekündigt hat und die beiden trotzdem befreundet blieben, weil sie die zwischenmenschliche Ebene immer geklärt haben. Wie du mit der Sorge umgehst, andere zu enttäuschen, hörst du in der Folge Nicht verletzen wollen als Führungskraft.

Wenn es trotz Gesprächen nicht funktioniert

Manchmal kommt ihr immer wieder an dieselbe Grenze. Dann hilft der Satz, den Arne und Jörg für jede Lebenssituation verwenden. Love it, change it or leave it. Beide können für sich gewichten, was ihnen wichtiger ist. Vielleicht gibt es eine andere Rolle im Unternehmen, eine Versetzung oder sogar den Wechsel in ein anderes Unternehmen, damit die Freundschaft bleibt. Auch das gehört besprochen. Wer still geht, um dem anderen die Freundschaft zu retten, und der andere weiß nichts davon, schafft wieder einen heimlichen Deal.

Für Arne bleibt das Wichtigste, darüber zu sprechen und zu klären, wie jeder seine Rolle versteht und wie er die Rolle des anderen interpretiert. Wer tiefer in die Spannung zwischen Nähe und Führung einsteigen will, findet in den Folgen Führung oder Beliebtheit und Respekt oder Sympathie weitere Gedanken dazu.

Warum Konflikte eine Freundschaft stärken können

Arne geht noch einen Schritt weiter. Eine hierarchische Arbeitsbeziehung kann eine Freundschaft sogar zusammenschweißen, gerade weil sie die Freundschaft auf die Probe stellt. Viele Freundschaften bleiben an der Oberfläche, es geht um Fußball, den gemeinsamen Freundeskreis oder das Tennismatch am Wochenende. Die Arbeit bringt Reibung und Situationen, in denen Erwartungen unerfüllt bleiben. Genau da lernt ihr, miteinander zurechtzukommen. Arne hat in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass gemeinsam gelöste Konflikte eher verbinden als trennen.

Freundschaft ist für ihn auch keine reine Harmonie. Arne findet es erfrischend, mit Menschen befreundet zu sein, die andere Standpunkte vertreten und mit denen er auch hitzig diskutieren kann, um sich danach wieder in den Armen zu liegen. Diese konstruktive Konfliktoffenheit bringt uns seiner Meinung nach im Leben grundsätzlich weiter. Im Job klingt das vielleicht so. „So redest du sonst nie mit mir. Wie du mich da abgekanzelt hast, fand ich nicht cool.“ Und die Antwort lautet. „Danke, dass du es sagst. Ich wusste mir in dem Moment nicht anders zu helfen und wollte souverän wirken. Gegen dich war das nicht gemeint.“ Dann entschuldigt man sich vielleicht, und die Beziehung wird tiefer.

Wohlwollen unterstellen und nachfragen

Berufliches und Privates trennen? Jörg hält das nur begrenzt für möglich. Private Themen kannst du ins Private verlegen. Als Mensch bist du bei der Arbeit derselbe wie danach, Gefühle wirken in beide Richtungen. Deshalb hilft es, offen zu benennen, in welcher Rolle du gerade sprichst. „Willst du meine Meinung als Freundin hören oder als Vorgesetzte?“ Umgekehrt darf auch die andere Seite sagen, dass sie gerade lieber die Freundin hören würde.

Arne wünscht sich dazu eine gewisse Toleranz. Wenn jemand bei der Arbeit in seiner Rolle auftritt, nimmst du ihm das hinterher nicht krumm. Krumm nehmen heißt für ihn, etwas zu unterstellen, etwa dass der andere sich für etwas Besseres hält oder gegen dich arbeitet. Lass diese Unterstellung weg und geh erst einmal von Wohlwollen aus. Wenn dich etwas gestört hat, frag neugierig nach, wie es gemeint war. Manchmal war es genau so gemeint, dann redet ihr darüber. Oft war es anders gemeint, dann ist es schnell beigelegt. Aus diesem Wohlwollen und der Absicht für Vollständigkeit heraus, sagt Arne, könnt ihr sehr gut befreundet sein und in einer Hierarchie zusammenarbeiten.

Viele schwierige Gespräche fallen schwer, weil sie emotional aufgeladen sind und mit Menschen stattfinden, die du magst. Genau solche Situationen erleben die Teilnehmenden im Führungstraining REFLECT in Simulationen und erfahren dabei, dass sie mit Menschen klar und vollständig zugleich sein können. Das Gespräch, in dem du deinem Freund eine unpopuläre Entscheidung erklärst, kannst du auch im DialogLab vorher durchspielen.

Und wenn zwischen dir und einem früheren Freund im Team seit Monaten etwas steht, ist das ein typisches Thema fürs Coaching. Jörg hat solche Situationen dort schon häufig begleitet, und auch in den Trainings greifen die beiden sie auf.

KI-Gesprächstraining

Trainiere schwierige Führungsgespräche mit der KI

Im DialogLab übst du, einer Freundin im Team eine unpopuläre Entscheidung klar und wohlwollend zu erklären.

DialogLab kostenlos testen

  • 60Szenarien aus dem Führungsalltag
  • Sofort-Feedbackzu deiner Gesprächsführung
  • Live Q&ALeadership-Sprechstunde mit echtem Trainer

Weitere Folgen zum Thema Klarheit statt People Pleasing

FOLGE 228 · 26. August 2026 · 25 Min.

Führung oder Beliebtheit [People Pleaser #5]

Der härteste People Pleaser Konflikt

FOLGE 67 · 1. März 2025 · 47 Min.

Respekt oder Sympathie?

David Alaba - auch verletzt systemrelevant | Zu wenig Kommunikation |

FOLGE 27 · 30. September 2024 · 9 Min.

Nicht verletzen wollen, als Führungskraft

Alle Folgen zum Thema Klarheit statt People Pleasing

← Zur Podcast-Bibliothek

MINDSET MOVERS GmbH

Bruchhauser Straße 12 40883 Ratingen +49 171 7453967 nathalie@mindsetmovers.de Allgemeine Vertragsbedingungen