Intrigen am Arbeitsplatz: Wenn ein Kollege zum Feind wird
Du liegst nachts wach und gehst die letzte Sitzung im Kopf durch. Wieder hat er deinen Vorschlag zerpflückt. Du bist dir sicher, dass er gegen dich arbeitet, deine Ideen blockiert und dich schlecht aussehen lassen will. Vielleicht überlegst du schon, wie du zurückschlägst. Oder ihr steckt längst mitten in einem Kleinkrieg.
Um genau diese Situationen geht es in dieser Folge vom Podcast Wirksam führen. Hass, Verzweiflung, schlaflose Nächte, ein Privatleben, das mitleidet. Arne und Jörg beleuchten, was in solchen Konflikten wirkt und wie du wieder handlungsfähig wirst und auf einen Gestalterstandpunkt kommst.
So ein Konflikt zeigt sich auf viele Arten. Jemand ist immer wieder blöd zu dir. Er behindert dich beim Weiterkommen, diskreditiert deine Vorschläge, unterstützt dich nicht und geht aus deiner Sicht sogar aktiv gegen dich vor. In manchen Konzernen gilt Ellenbogen als akzeptierte Strategie, um in der Hierarchie aufzusteigen. Die Folge richtet sich an alle, die sich darin wiedererkennen, im kleinen wie im großen Unternehmen.
Was ist wirklich passiert?
Intrigen und Mobbing gibt es. Sehr oft sind sie aber nur aus der Perspektive der betroffenen Person so eindeutig. Wer in einer Kampfhaltung ist, spricht meist in Interpretationen. Der mobbt mich. Die sabotiert mich. Der lässt mich auflaufen.
Der erste Schritt ist deshalb ein Realitätscheck. Schreib auf, was die andere Person konkret getan hat. Sachlich, messbar, ohne Wertung. Die beiden geben ein Beispiel. Du präsentierst im Gremium eine Initiative, an der du seit Monaten arbeitest. Mit einem Kollegen hast du sie vorher durchgesprochen und erwartest seine Unterstützung. Stattdessen fragt er kritisch nach, ob das in die Strategie passt. Du erlebst das als Dolchstoß. Tatsächlich hat er eine kritische Frage gestellt. Aus welcher Absicht, weißt du nicht. Vielleicht fand er den Vorschlag einfach nicht plausibel, und das hat gar nichts mit dir zu tun.
Genau hier wirken die Unterstellungen. Der mag mich nicht, der will meinen Posten. Arne und Jörg haben oft erlebt, dass solche Geschichten in sich zusammenfallen, sobald man nachfragt. Dafür muss nicht einmal das Gegenüber befragt werden. Es reicht, mit der Person zu sprechen, die die Unterstellung hat. Irgendwann wird klar, dass sie es gar nicht sicher weiß, und alles wird viel kleiner und weniger spektakulär als bei Game of Thrones. Wie du mit dem Gefühl umgehst, angegriffen zu werden, besprechen die beiden auch in der Folge Sich angegriffen fühlen.
Willst du gewinnen oder Frieden?
Jörg stellt die Kernfrage. Worum geht es dir eigentlich? Willst du mit der Person wieder in Frieden arbeiten? Oder willst du gewinnen, soll der andere verlieren, sollen alle sehen, wie er dich sabotiert?
In Gesprächen mit Führungskräften über scheinbar unlösbare Konflikte geht es ganz oft ums Gewinnen. Die eigentliche Sache gerät aus dem Blick. Wer ursprünglich eine Strategie durchsetzen wollte, sucht keine anderen Wege mehr dorthin. Er schießt sich auf die Person ein, die ihn blockiert hat. Arne erinnert dabei an die Kurzgeschichten des Schweizer Autors Martin Suter, in denen Manager mit ihren Annahmen herrlich danebenliegen. Und er erlebt im Coaching regelmäßig ein Muster. Eine Führungskraft klagt, ein Kollege blockiere ihre Vorschläge nur, weil sie von ihr kommen. Auf die Frage, wie sie mit seinen Vorschlägen umgeht, kommt die Antwort, die blockiere sie natürlich auch. Oft hatten die beiden früher ein richtig gutes Verhältnis, bis hin zur Einladung zur Hochzeit.
Wer hier Rhetoriktricks sucht, um schlagfertiger zu werden oder den anderen dumm dastehen zu lassen, ist in dieser Folge falsch. Für Arne gibt es keine unlösbaren Konflikte.
Der einzige unlösbare Konflikt ist der, den du nicht lösen willst.
Im Sport gibt es Gewinner und Verlierer. In der Wirtschaft ist das selten so. Unternehmen können auf unzählige Arten wachsen, ohne dass ein Wettbewerber dafür verlieren muss. Sie können diversifizieren, die Wertschöpfungskette verlängern, ihre Positionierung oder ihre Preise ändern. Wer glaubt, nur durch Kampf zu gewinnen, hat ein dysfunktionales Bild von Wachstum. Arne sieht hier den Zusammenhang zwischen persönlichem Wachstum und Unternehmenswachstum, den auch der Claim von MINDSET MOVERS beschreibt. Wer eigene Glaubenssätze hinterfragt, findet andere Wege. Selbst Staaten, die gegeneinander Krieg geführt haben, pflegen später funktionierende Beziehungen, ohne befreundet sein zu müssen.
Die Frage, die Frieden möglich macht
Wenn du Frieden willst, prüf zuerst deine Unterstellungen. Menschen, die wir mögen, unterstellen wir gute Gründe. Denk an die Zeit, als du verliebt warst, oder an eine spannende Urlaubsbekanntschaft. Kommt sie zu spät, hatte sie bestimmt viel zu tun. Kommt der vermeintliche Feind zu spät, will er uns warten lassen. Beides stimmt selten. Menschen handeln viel differenzierter.
Prüfen kannst du das nur im direkten Gespräch. Frag dabei keinen Verbündeten, wie der andere es wohl gemeint hat. Frag ihn selbst. „Was hältst du von meinem Vorschlag? Kann ich auf deine Unterstützung zählen, bist du neutral oder dagegen, und wenn ja, warum?“
Ist das Verhältnis schon länger belastet, schlägt Jörg eine Frage vor, die Arne die magische Friedenspfeifenfrage nennt. „Stefan, ich habe das Gefühl, wir werfen uns ständig Stöcke in die Speichen. Ich habe keine Lust mehr darauf. Habe ich etwas gemacht, das für dich blöd war? Leg es auf den Tisch, ich will es hören.“
Voraussetzung ist die Haltung, es wirklich wissen zu wollen, ohne dich zu rechtfertigen. Dann kannst du mitfühlen. „Ich verstehe, dass das für dich blöd war, und es tut mir leid.“ In der Sache kannst du trotzdem bei deiner Position bleiben. Verstehen und Zustimmen sind zwei verschiedene Dinge. Manchmal kommt dabei etwas ans Licht, das du gar nicht auf dem Radar hattest. Maria wollte vor neun Monaten unbedingt das Projekt, das Timo bekommen hat. Du hattest es Timo gegeben, weil du sie entlasten wolltest. Den Einstieg in so ein Gespräch kannst du vorher als Gesprächstraining mit einer KI durchspielen.
Warum Frieden produktiver ist als Krieg
Kampf kostet enorm viel Energie. Menschen gehen wochenlang mit schlechtem Bauchgefühl zur Arbeit, schmieden Koalitionen und bereiten sich auf Wortgefechte vor. Wer so auf der Hut ist, bringt keine herausragende Leistung. In der Folge wird ein älterer Artikel aus brand eins erwähnt, für den ein Journalist Politiker mehrerer Parteien begleitet hat. Ihren gefährlichsten Gegner sahen sie in der eigenen Partei, und viel Zeit ging dafür drauf, Intrigen abzuwehren. In den meisten Unternehmen kommst du mit Ergebnissen deutlich weiter.
Frieden kannst du immer wählen, und es gibt zwei Arten davon. Im besten Fall gehst du hin, stellst die Frage und bietest Frieden an. Meistens sagt die andere Person, dass sie auch keine Lust mehr auf den Kampf hat. Wenn nicht, empfehlen die beiden liebevolle Hartnäckigkeit. Geh noch einmal hin und erneuere dein Angebot. Teilnehmende erzählen im Training oft, dass das Verhältnis nach einem beigelegten Streit enger ist als vorher. Falls der andere trotzdem weiterkämpft, kannst du immer noch aufhören zurückzuschlagen. Dann bist du selbst im Frieden. Und wenn gar nichts mehr geht, bleibt Love it, change it or leave it.
Zwei Führungskräfte mit viel Einfluss, die sich bekriegen, schaden auch ihrem Umfeld. Die Menschen drumherum schämen sich teilweise oder sind betroffen. Wie Streit unter Kollegen ein ganzes Team belastet, hörst du in der Folge Streit im Team. Grundsätzliches findest du in der Folge über Konfliktmanagement.
Ein Gespräch mit jemandem, mit dem du seit Monaten im Clinch liegst, kann überfordern. Im zwölfwöchigen Leadership Training REFLECT sind mindestens drei der zwölf Termine fallbezogene Gesprächstrainings, in denen es genau darum geht, Konflikte beizulegen und wieder eine Verbindung herzustellen. Dazu kommen Einzelcoachings, in denen ihr deinen Fall sortiert. Wer erst einmal allein üben will, nutzt das DialogLab. Für einzelne Fragen gibt es auch ein Coaching. Für ganze Führungskreise bieten die beiden Inhouse-Trainings als Leadership Journey über sechs, zwölf oder achtzehn Monate an, damit alle dieselbe Sprache sprechen und solchen Themen sicher begegnen. Mehr über das Führungstraining erfährst du auf der Programmseite, und einen ersten Eindruck geben die kostenlosen Webinare.

