#050 Was darf man dich fragen?

In dieser Folge des Leadership21-Podcasts geht es um die Fragen: Dürfen Mitarbeitende ihre Vorgesetzten zu allen berufsbezogenen Themen befragen? Arne und Gergely sprechen darüber, wie du als Führungskraft reagieren kannst, wenn eine Person aus deinem Team ein Anliegen hat, zu dem du eine andere Sichtweise hast. Mehr dazu hörst du in dieser Episode.

Das Transkript für diese Folge

Arne
In der heutigen Folge geht es um die Frage, was man dich fragen darf. Also ob deine Mitarbeitenden dich alles fragen dürfen?
Oder ob du eine Erwartung hast, welche berufsbezogenen Themen dir als Frage gestellt werden dürfen und welche nicht.

Gergely
Und hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
Dürfen deine Mitarbeitenden dir fachliche Fragen stellen, bei denen du dir denkst, das müssten die doch wissen. Oder “das habe ich doch letzte Woche schon gesagt”. Oder auch: “Die Information sollten die sich selber holen.”

Arne
Eine andere Möglichkeit sind persönliche Anliegen, zu denen du einen anderen Standpunkt hast.
Zum Beispiel: Ein Mitarbeitender möchte eine Aufgabe übernehmen, die du ihm nicht zutraust oder die du schon einem anderen Mitarbeitenden gegeben hast.

Gergely
Oder ein Mitarbeitender will eine berufliche Weiterbildung auf Firmenkosten absolvieren, diese möchtest du aber nicht genehmigen.

Arne
Oder ein Mitarbeitender möchte mit dir ein Gespräch über eine Gehaltserhöhung mit dir führen, du siehst das Unternehmen jedoch nicht in der wirtschaftlichen Situation, jetzt eine Gehaltserhöhung zuzusagen.

Gergely
In diesem Podcast geht es um den zweiten Bereich, also ein Mitarbeitender hat ein Anliegen, zu dem du eine andere Sichtweise hast.
Was machst du in diesem Fall? Es gibt dazu mehrere Möglichkeiten. Also nehmen wir den Fall, jemand fragt dich nach einer Gehaltserhöhung. Gleichzeitig ist das Unternehmen wenig profitabel oder sogar defizitär.

Arne
Es gibt nur drei Möglichkeiten, was du machen kannst:
1. Du sagst ja, und gibst die Gehaltserhöhung.
2. Du sagst nein.
3. Oder du schiebst die Entscheidung auf, also entweder du sagst: das kann ich nicht entscheiden, das macht die Personalabteilung.
Bzw. du sagst: da reden wir in 8 Wochen drüber.
oder du sagst: Ja, ok, ich muss mal schauen.

Gergely
Viel interessanter als das, WAS du sagst, ist deine Bewertung der Situation. Und deine daraus resultierende Gefühlslage.
Du kannst kurz in dich gehen und dir überlegen: hattest du mal so eine Situation? Wie hast du die Frage deines Mitarbeitenden bewertet?
Oder wenn du so eine Situation noch nicht hattest: Mal angenommen die wirtschaftliche Situation der Firma ist schlechter als vor 12 Monaten geplant. Dies ist deinen Mitarbeitenden bekannt. Und es kommt jemand auf dich zu, von dem du fachlich viel hältst, der im gleichen Gehaltsband eingestuft ist wie seine Kollegen und sagt: “Ich sehe mich gehaltstechnisch höher. Ich möchte eine 10% Gehaltsanpassung.”

Arne
Einige Chefs bewerten die Frage als negativ. Also entweder: “das ist ja unerhört”, oder “wie kann man denn jetzt so unverschämt sein”.
Und werden entweder wütend, distanziert oder abwertend, oder sauer.
Ist das bei dir so? Fühlst du dich in so einer Situation innerlich aufgebracht?

Gergely
Wenn ja: wer ist in deinen Augen für dein “Innerlich aufgebracht sein” verantwortlich?
Einige denken: mein Mitarbeitender. Der hat ja schließlich was gemacht, was man einfach nicht macht. Das gehört sich nicht.

Arne
Wenn ein Mitarbeitender so ein Gefühl pauschal durch die gestellte Frage auslösen könnte, dann hätten ALLE Chefs in einer vergleichbaren Situation dieses Gefühl.
Also ALLE Chefs würden bei einer Frage: “Kann ich eine Gehaltserhöhung haben” während das Unternehmen weniger Gewinn macht, als erhofft, sauer werden.

Gergely
Aber stimmt das? Ist das so?
Unsere Wahrnehmung aus unserer Arbeit mit unterschiedlichen Teams ist: einige Chefs werden RICHTIG wütend. Und zeigen das auch.
Andere werden ein wenig sauer. Und versuchen das zu überspielen und zu verstecken.

Arne
Schon zwischen diesen zwei gerade genannten Gefühlen und Verhaltensweisen ist ein Unterschied. Einige Chefs überlegen kurz, ob eine Gehaltserhöhung unternehmerisch sinnvoll ist. Und geben dann eine entsprechende Antwort. Und haben gar keine besonderen Gefühle dazu.

Gergely
Und einige Chefs freuen sich über die Boldness, also über den Mut und die Souveränität des Mitarbeitenden, trotz der wirtschaftlichen Unternehmenslage hinter den eigenen Zielen zu stehen. Und trotz des Risikos, sie als Chefs könnten die Frage negativ werten und trotz dessen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Gehaltserhöhung sehr klein ist.
Dein Mitarbeitender kann bei dir keine Gefühle auslösen. Welche Gefühle du in dieser Situation hast, hängt alleine von dir ab.

Arne
Aber woher kommt es dann, dass einige wütend werden? Vor allem, wenn sie es ja EIGENTLICH gar nicht wollen? Unsere Wahrnehmung ist, dass es zwei weit verbreitet Möglichkeiten hierfür gibt. Entweder Chefs, die viel über Gefühle, vor allem über Vorwürfe und Ärger führen. Also diejenigen, die gelernt haben: “Andere Menschen machen das, was ich sage, wenn ich mich offensiv-dominant zeige”.

Gergely
Die zweite weit verbreitete Möglichkeit: Chefs, die eine insgesamt positive Einstellung zu Mitarbeitenden haben. Chefs, die den Anspruch an sich selbst haben, es ihren Mitarbeitenden Recht zu machen. Und die ungerne persönliche Anliegen ablehnen. Gleichzeitig aber in einem unternehmerischen Sinn handeln möchten.

Arne
Diese zwei in diesem Fall konträren Standpunkte zur Gehaltserhöhung ist für sie erstmal schwierig zu meistern. Sie sind in einem innerlichen Zwiespalt. Also für den Menschen wollen sie zusagen. Und für das Unternehmen abzulehnen.
Und wenn sich diese chefs schwer tun, ihren eigenen Standpunkt zu äußern, also NEIN zu sagen, dann müssen sie eine Strategie entwickeln, wie sie sich eine NEIN aber dennoch gestatten.

Gergely
Und für einige ist die Strategie: Wenn mein Mitarbeitender immer nett und zuvorkommend war, dann stimme ich allem zu.
Aber wenn mein Mitarbeitender unverschämt war, dann darf ich ihn im Gegenzug ablehnen.
Also das heißt, dass sich Chefs gestatten, die Anfrage abzulehnen, MÜSSEN sie vorher das Verhalten des Mitarbeitenden als unverschämt werten.

Arne
Oder andersrum: Wenn sie die Anfrage des Mitarbeitenden NICHT als unverschämt werten würden, dann müssten sie in ihren eigenen Augen der Gehaltserhöhung zustimmen, um weiterhin in ihren eigenen Augen als gute Chefs zu gelten.
Also einige nutzen die Abwertung oder ihr eigene Sauer werden als Erlaubnis an sich selbst, die Anfrage abzulehnen.

Gergely
Uns geht es bei Leadership21 nicht darum, dir vorzugeben, wie du führen müsstest. Oder zu sagen, was richtige und was falsche Führung ist. Uns geht es darum, dass du dir bewusst darüber wirst, aus welcher Intention heraus du etwas machst. Und du dich dann aktiv entscheiden kannst, wie du es in Zukunft machen willst. Denn häufig sind uns unsere Motive für unser Handeln nicht klar.
Und uns geht es darum, dass du andere Meinungen, andere Sichtweisen von anderen Menschen verstehst und du Brücken zu anderen Standpunkten und in dem Fall Mitarbeitenden bauen kannst.

Arne
Zusammengefasst: Wenn jemand dich etwas fragt, dann laden wir dich dazu ein, zu überlegen, was ist dein Standpunkt dazu.
Und auf eine geschlossene Frage: “Krieg ich eine Gehaltserhöhung” oder “krieg ich eine Fortbildung bezahlt” gibt es mindestens zwei Antwortmöglichkeiten.
JA und NEIN. Wir laden dich dazu ein, dir beide Antworten zu erlauben.
Du kannst eine ungewöhnliche Frage von Mitarbeitenden sowohl als unerhört, als auch als mutig werten.
Was möchtest du für Mitarbeitende? Möchtest du welche, die sich zurückhalten und lieber kein Risiko eingehen?
Oder möchtest du welche, die Risiken eingehen und für ihre Ziele einstehen?
Denn je nach dem, wie du auf die Fragen von Mitarbeitenden reagierst, vor allem wie du EMOTIONAL darauf reagierst, das werden deine Mitarbeitenden mitbekommen. Und mit deinem Verhalten steuerst du eure Unternehmenskultur.

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